„Im Inneren der ‚Diamond Princess‘ hatte ich solche Angst“: Japanischer Spezialist sprengt Schiffsquarantäne – und wird nach Kritik entfernt

Epoch Times20. Februar 2020 Aktualisiert: 11. März 2020 15:37
Ein japanischer Spezialist für Infektionskrankheiten kritisiert den Umgang seiner Regierung mit der Quarantäne auf einem Kreuzfahrtschiff mit 621 Infizierten an Bord. Kurz darauf muss er das Schiff verlassen. Seine Original-Aussagen hier im Video.

Hallo, mein Name ist Professor Kentaro Iwata, ich bin Spezialist für Infektionskrankheiten am Universitätsklinikum Kobe in Japan. Heute bin ich in das Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ eingestiegen, das gerade mit einer Vielzahl von COVID-19-Infektionen bombardiert wird, und ich wurde noch am selben Tag vom Schiff entfernt. Ich werde darüber sprechen, warum das passiert ist.

Ich war sehr besorgt über die Anzahl der Menschen, die sich mit der Covid-19-Krankheit infiziert haben, und fragte mich, warum das geschieht. Ich wollte auf das Kreuzfahrtschiff gehen und dort bei der Eindämmung der Infektion helfen. Ich sprach mit mehreren Personen, und schließlich rief mich gestern ein Beamter des Ministeriums für Gesundheit und Arbeit an und sagte, dass ich auf das Kreuzfahrtschiff kommen und die Arbeit der Infektionskontrolle übernehmen würde.

Ich sagte „Gut“, dann habe ich meine Sachen gepackt und den ganzen Papierkram vorbereitet und die notwendigen Vorkehrungen getroffen. Dann bin in den Shinkansen (Hochgeschwindigkeitszug) von Kobe nach Yokohama eingestiegen. Im Zug erhielt ich dann einen weiteren Anruf desselben Offiziers, der sagte, dass mich jemand nicht mochte, deswegen „dürfen Sie nicht mehr auf das Kreuzfahrtschiff gehen“. Er konnte nicht sagen, wer, und er konnte auch nicht sagen, warum. Aber sicherlich beeinflusste eine gewisse Macht seine Entscheidung, und ich wurde daran gehindert, das Schiff zu betreten.

Nach mehreren Diskussionen fand er dann doch einen anderen Weg, wie man mich mit einem Mitglied des DMAT (Disaster Medical Assistance Team) auf das Kreuzfahrtschiff bringen könnte. DMAT ist das medizinische Katastrophen-Managementteam in Japan und befasst sich normalerweise mit Katastrophen, aber nicht mit Infektionskrankheiten. Mangels Fachkräfte, die den Menschen im Inneren des Kreuzfahrtschiffs helfen könnten, das Schiff zu verlassen, oder wegen des Umgangs mit Fieber usw. wurde DMAT gebeten, auf das Kreuzfahrtschiff zu kommen. Da das Katastrophen-Management nicht meine Spezialität ist, war ich darüber nicht sehr glücklich, aber da ich schon unterwegs war, sagte ich: „Gut, ich mache das.“

Außerdem erhielt ich einen weiteren Anruf, dass einige Leute nicht wollten, dass ich als DMAT-Mitglied auf das Kreuzfahrtschiff gehe – die Diskussion ging weiter. Ich wartete dann etwa eine Stunde in der Shin-yokohama-Station, aber schließlich fand der Offizier einen Weg, wie man nicht als Infektionspräventionsspezialist trotzdem auf das Schiff kommen kann – und zwar, wenn man als gewöhnlicher, routinemäßiger DMAT-Offizier für das DMAT arbeitet und unter einem DMAT-Arzt arbeitet, der seine Routinearbeit erledigt. Ich war mit dieser Entscheidung nicht sehr glücklich, aber da es keine andere Möglichkeit gab, sagte ich: „Gut, ich gehe auf das Schiff.“

Ich betrat das Schiff

Ich betrat das Schiff und fand gleich den leitenden Offizier des DMAT. Ich sprach mit ihm und erklärte, dass ich einem DMAT-Mitglied zugeteilt sei und dass ich alles tun würde, was mir gesagt wird. Er sagte: „Nun, Sie müssen nicht für das DMAT arbeiten, denn das ist eigentlich gar nicht Ihr Fachgebiet. Sie sind ein Spezialist für Infektionsprävention, warum machen Sie dann nicht die Infektionskontrolle?“

Dann sagte ich zu und sprach mit seinem Vorgesetzten (dem leitenden Beamten), der für die gesamte DMAT-Operation verantwortlich ist. Er bestätigte auch: „Sie sind ein Spezialist für Infektionskontrolle, also sollten Sie die Infektionskontrolle übernehmen.“ Ich sagte wieder nur „Gut“, worauf er: „Nun, Sie sollten nicht als DMAT-Mitglied hier sein, sondern als Spezialist für Infektionskontrolle“.

Er war darüber nicht sehr glücklich, dass ich im DMAT war. Aber das war nicht meine Entscheidung und es gab keine andere Möglichkeit, daher sagte ich: „Ich muss es tun.“ Ich schaute mir mehrere Stellen im Schiff an, und es stellte sich heraus, dass das Kreuzfahrtschiff in Bezug auf die Infektionskontrolle völlig unzureichend war. Es gab keinen Unterschied zwischen der grünen Zone, die frei von Infektionen ist, und der roten Zone, die potenziell mit dem Virus kontaminiert ist.

Die Leute konnten also mit einer PSA (persönliche Schutzausrüstung) kommen und gehen, aber auch ohne PSA – die Besatzung lief nur herum, und die Beamten des Gesundheits- und Arbeitsministeriums liefen auch nur herum. DMAT-Mitglieder liefen herum, Psychiater liefen herum. Und da, wo alle gegessen haben, trugen manche PSA, manche haben aber die PSA ausgezogen und aßen nur mit Handschuhen zu Mittag. Manche gingen mit dem Smartphone mit voller PSA umher – es war völlig chaotisch.

Einige Besatzungsmitglieder hatten Fieber und gingen dann mit einer N95-Maske in das medizinische Zentrum, aber es gab keinen Schutz zwischen dem Zimmer und dem medizinischen Raum, und die medizinische Beamtin schützte sich auch nicht. Sie war sehr glücklich und sagte, dass sie bereits infiziert sei, „da bin ich sicher“, so dass sie ihren eigenen Schutz völlig aufgab.

Jedenfalls hatte ich mit vielen Infektionen in meinem Leben zu tun, mehr als 20 Jahre lang. Ich war in Afrika, wo ich mit dem Ebola-Ausbruch zu tun hatte; ich war in einem anderen Land, wo ich mit dem Cholera-Ausbruch zu tun hatte; ich war 2003 in China, wo ich mit SARS zu tun hatte, und ich sah dort viele Patienten mit Fieber. Ich hatte nie Angst davor, mich selbst mit Ebola, SARS und Cholera anzustecken, weil ich wusste, wie ich mich und andere schützen kann und wie die Infektionskontrolle aussehen sollte. Eigentlich könnte ich die angemessene Infektionskontrolle durchführen, mich selbst und andere schützen.im

Im Inneren der „Diamond Princess“ hatte ich solche Angst

Aber im Inneren der „Diamond Princess“ hatte ich solche Angst. Ich hatte Angst davor, Covid-19 zu bekommen, weil es keine Möglichkeit gab, zu sagen, wo das Virus ist. Keine grüne Zone, keine rote Zone – das Virus konnte überall sein. Keiner war vorsichtig, es gab keine einzige professionelle Person zur Infektionskontrolle auf dem Schiff, und niemand war als Fachmann für die Infektionsprävention zuständig. Die Bürokraten waren für alles zuständig, und ich sprach mit dem Leiter des Ministeriums für Gesundheit und Arbeit. Er war sehr unzufrieden mit meinem Vorschlag, die DMAT-Leute und andere Mitarbeiter zu schützen, damit es zu keiner weiteren sekundären Übertragung kommt.

Nach mehreren Stunden, in denen ich mit den Leuten geredet und Schwierigkeiten gefunden hatte, fand ich dort eine Menge Problemfälle; zum Beispiel stand die Genehmigung zur Einholung eines PCR für das Schiff auf einem Papier, und dieses Papier wurde hin und hergereicht. Das Papier kam in Berührung mit dem Raum, wo die Infizierten waren. Also schlug ich vor, dass es besser ist, die Genehmigung in Papierform aufzugeben. Die mündliche Genehmigung wäre besser geeignet, um sich zu schützen, und so weiter.

Ich denke, ich war vernünftig, und ich habe nie jemanden angeschrien und nie jemanden persönlich kritisiert. Ich habe versucht, konstruktiv zu sein. Ich habe versucht, nach konstruktiven Verbesserungen zu suchen, um alle auf dem Schiff zu schützen.

Dann kam gegen fünf Uhr eine Person vom Quarantäne-Büro herein, kam auf mich zu und sagte: „Sie müssen gehen, weil Sie nicht mehr im Schiff bleiben dürfen“. Ich war eigentlich zeitweilig der Quarantäne-Offizier im Schiff, aber anscheinend wurde mein Rang von jemandem – niemand sagte, wer – entfernt und ich war draußen.

„Was wollen Sie tun? Wollen Sie alle auf dem Schiff infizieren?“

Der Offizier, der mir den Job der Infektionskontrolle angeboten hatte, sagte, es täte ihm leid. Ich fragte ihn: „Was wollen Sie tun? Wollen Sie alle auf dem Schiff infizieren?“ Es wären Tausende von Menschen, die möglicherweise Covid-19 bekommen könnten. Ich kritisiere nicht die DMAT-Angestellte, sie waren keine Spezialisten für Infektionskontrolle.

Die Organisation zur Infektionsprävention trat ein, viele Spezialisten kamen, aber sie verbrachten da nur ein paar Tage und gingen wieder. Sie sagten, sie hätten Angst davor, sich selbst anzustecken. Ich habe die gleiche Angst, weil ich jetzt in einem einzigen Raum bin und mich von meiner Familie getrennt habe; ich habe große Angst, mich selbst anzustecken, und ich habe große Angst, meine Familie anzustecken.

Ich werde vielleicht für die nächsten zwei Wochen nicht mehr in der Universitätsklinik Kobe arbeiten, um eine weitere Infektion zu vermeiden. Das ist sehr wahrscheinlich, wenn sie weiterhin absolut keine Infektionskontrolle im Inneren des Schiffes „Diamond Princess“ haben. Sie wissen vielleicht, dass es in Japan keine Gesundheitsbehörde gibt, aber ich dachte, es muss doch einen Spezialisten geben, der für die Infektionskontrolle auf dem Schiff zuständig ist. Ich hatte nicht erwartet, dass es gar keinen professionellen Spezialisten für die Infektionskontrolle gibt und nur die Bürokraten die Arbeit machen, eine reine Laienarbeit, die gegen alle Prinzipien der Infektionskontrolle und die gefährdeten Personen im Inneren des Schiffes verstößt. Daher bin ich nicht sehr überrascht, dass jeden Tag viele neue positive Fälle gemeldet werden.

Hunderte von Menschen wurden bisher infiziert, und viele Menschen außerhalb Japans haben beschlossen, die Menschen vom Schiff runterzunehmen und mit dem Flugzeug in ihre Heimatländer zu bringen. Sie boten ihnen weitere 14 Tage Quarantäne an. Ich hoffe, dass dies die Gelegenheit bieten wird, die Fragen zu beantworten, was wirklich im Inneren des Schiffes geschieht.

Ich hoffe, dass alle internationalen Gremien Japan zu einer Veränderung auffordern, ich wünsche, dass jeder zum Schutz der Menschen in der „Diamond Princess“ aufruft. Andernfalls wird es weitaus mehr Infektionen für Passagiere, Besatzungen, DMAT-Mitglieder, Psychiater und Beamte des Gesundheits- und Arbeitsministeriums geben.

Die DMAT-Mitglieder bestehen aus Krankenschwestern und Ärzten und sie werden in das Krankenhaus zurückkehren, in dem sie routinemäßig arbeiten. Da könnten sie ihre Patienten weiter infizieren und die Krankheit verbreiten.

Ich kann das nicht ertragen. Ich kann es nicht ertragen. Wir müssen uns ändern, wir müssen etwas gegen diese Kreuzfahrt unternehmen, und wir müssen den Menschen im Schiff helfen, damit ihr Leben in Sicherheit ist.

Noch mal, ich bin Professor Kentaro Iwata, Spezialist für Infektionskrankheiten. Danke, dass Sie zugehört haben. (reuters)

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