Ein Blick auf das moderne Tokio.Foto: Inka Ehrbar

Japan, das Land des Lächelns

Von 16. August 2007 Aktualisiert: 16. August 2007 11:00
Ein Blick auf das moderne Tokio.Ein Blick auf das moderne Tokio.Foto: Inka Ehrbar

Je mehr ich über Japan gelesen und gehört habe, umso mehr zog mich dieses Land in seinen Bann. Seine alten Tempel, Schreine und Zen-Gärten zu sehen, die rauchenden Vulkane und brodelnden Geysire zu erleben und durch seine lieblichen Kulturlandschaften zu wandern begeistert mich. Aber auch das heutige Japan im Zeitalter des High-Tech, der großen Städte und der Hochgeschwindigkeitszüge fasziniert mich. Wie können die alten Traditionen neben der Hypermodernität bestehen? Fragen, die mich immer wieder beschäftigen.

Dieses Jahr verwirklicht sich nun mein Traum und ich reise, begleitet von meinem Mann, zur Kirschblütenzeit in dieses so rätselhafte Land. Drei Wochen standen uns zur Verfügung. Begleitet wurden wir von Herrn Ito Satoshi, einem Japaner, der alles daran setzte, uns sein geliebtes Land mit all seiner Schönheit und Rätselhaftigkeit – nicht ohne Kritik – näher zu bringen. Ein Land, das sich selbst Nippon, „das Land, in dem die Sonne ihre Wurzeln hat“ nennt, ein Land der Extreme und Widersprüche.

Japans Hauptstadt Tokio

Nach elfstündigem Flug erreichen wir Narita, den Flughafen von Tokio. Mit dem Bus geht es ins Zentrum der Stadt. Ein verwirrendes Netz von Hochstraßen und Stadtautobahnen führt an einem schier endlosen Häusermeer vorbei, auf dessen Dächern große grüne Netze gespannt sind, die Driving Ranges für die Golfspieler, wie wir erfahren. Unser Hotel liegt im Shinjuku-Viertel, einem Vergnügungs-, Einkaufs- und Verwaltungszentrum, wo sich auch die Zentralen vieler Topkonzerne befinden. Im ultramodernen Rathaus Tokyo-to Cho e von 243 Metern Höhe gelangt man in rasanten Aufzügen in die obersten Geschosse der beiden Verwaltungstürme hinauf, wo man einen großartigen Eindruck von der pulsierenden Stadt erhält.

Ruheoasen findet man meist um jede Ecke - hier entspannen sich Vater und Sohn.Ruheoasen findet man meist um jede Ecke – hier entspannen sich Vater und Sohn.Foto: Inka Ehrbar

Neben der Geschäftigkeit finden sich ganz in der Nähe auch Orte der Stille

Im Hamarikyu-Garten, zeigen anmutig gebogene und geschwungene Kiefern zu Ehren des Kaisers ihre Schönheit. Speziell ausgebildete Gärtner sind mit Leitern und Scheren unterwegs, um die Bäume in Form zu schneiden. Mir tut fast das Herz weh beim Anblick, wie immer wieder geschnitten und gestutzt wird. Herr Ito sieht das völlig anders und erklärt uns, welches Glück die Bäume doch haben: Erst mit Hilfe der Schere, Kordel und nach langer Zeit erlangen die Bäume ihre vollkommene Schönheit. Sonst würde vielleicht ein Ast in eine ganz andere Richtung wachsen und das harmonische Bild des Baumes, seine Anmut und Schönheit völlig verdecken. Ja, so ist es. Es kommt immer auf die Betrachtungsweise an, ob uns etwas richtig oder falsch erscheint.

Wir gelangen zum Sumida Fluss und besteigen ein Boot

Es geht weiter durch einen Park, dessen Weg an kleinen Seen und einem Teehaus vorbei führt. Kirschbäume lassen ihre Blütenpracht ahnen, alte Kiefern recken sich dem Wasser entgegen und die Weidenbäume schmeicheln mit ihren weichen im Frühlingsgrün geschmückten Ästen dem Wind, ein junger Vater unterhält seinen Sohn, den er in einem Tragetuch vor der Brust trägt, und ein Eichhörnchen eilt über den Weg. Am Sumida Fluss besteigen wir ein Boot. In gemütlicher Fahrt folgen wir dem Flusslauf. Mehrstöckige Häuser säumen beide Ufer. Doch hin und wieder behaupten kleine Einfamilienhäuser ihren Platz zwischen den Giganten. Doch jetzt trauen wir zunächst unseren Augen nicht, begeistert klicken die Fotoapparate, denn die erste Allee mit blühenden Kirschbäumen ist zu sehen. Es ist Mittagszeit, unter den Bäumen sitzen überall Menschen und verzehren ihre mitgebrachten Mahlzeiten.

Fastfood auf japanisch

Auch für uns wird es Zeit etwas zu essen; Herr Ito will uns heute Fastfood auf Japanisch zeigen. Im Schaufenster des Lokals hängen nummerierte Fotos der angebotenen Speisen aus. Man merkt sich die Nummer und den Preis des ausgewählten Gerichtes und zieht am Automaten einen Bon. Diesen legt man dem Koch oder einer Bedienung vor, und das Gericht wird frisch – meistens direkt an der Theke – zubereitet. In wenigen Minuten erhält man eine schmackhafte Suppe, ein Reisgericht oder Sushi serviert. Aber Vorsicht, ganz so einfach ist das beim ersten Mal nicht, denn die Beschriftung ist ausschließlich in Japanisch. Zum Glück hat uns Herr Ito alles mit einer Engelsgeduld übersetzt.

Gut gestärkt mit frischem Gemüse und Reis geht es zum Nationalmuseum. Die vier Sammlungen sollen von außerordentlicher Qualität sein. Wir schauen uns eine Auswahl japanischer Kunst an. Neben vielem anderen sind Keramik, Wandbehänge, Gewänder des berühmten Kabuki-Theaters, Kalligraphien und Lackarbeiten ausgestellt.

Das steinerne Tor zum Rinno-ji Tempel. In früheren Zeiten durfte das gewöhnliche Volk nur bis hierhin gehen.Das steinerne Tor zum Rinno-ji Tempel. In früheren Zeiten durfte das gewöhnliche Volk nur bis hierhin gehen.Foto: Inka Ehrbar

Durch das größte Stein-Torii Japans zum Meiji-Schrein

Er ist im Jahre 1920 zu Ehren des 1912 verstorbenen Kaisers Meiji geweiht worden. Ein Duft von Räucherstäbchen liegt in der Luft. Menschen kaufen kleine Päckchen, darin befinden sich Zettel, die in die Zukunft blicken lassen. Sind die Voraussagen gut, freut man sich, sind sie schlecht, bindet man sie an eigens dafür errichtete Holzgitter, damit sie sich durch Gebet und Fürbitten bessern sollen. Ich bin überwältigt von der Zeitlosigkeit und Würde, die diese Tempelanlage vermittelt.

Es ist kaum zu glauben, dass es von hier aus nur wenige U-Bahn-Stationen sind bis zur Ginza, der eleganten Einkaufsstraße mit noblen Kaufhäusern, Boutiquen und nicht zuletzt dem berühmten Kabuki-Theater.

„Sag nicht wunderbar, ehe du nicht Nikko gesehen hast“

… lautet ein japanisches Sprichwort. Mit dem Bus erreichen wir die Bergregion des Nikko-Nationalparks. Mächtige Wälder, Schluchten und Wasserfälle säumen die kurvenreiche Strecke hinauf zu den Tempeln und Schreinen.

Der erste Tokugawa-Shogun wählte den Nordosten Tokios für seine Grablegung. Man glaubte, dass aus dieser Richtung die bösen Geister kämen und so wollte er sein Volk über seinen Tod hinaus schützen. Zwanzig Jahre nach seinem Tod rief sein Enkel 15.000 Handwerker und 100 der größten Künstler seiner Zeit zusammen und ließ in nur zwei Jahren die bekannten Monumente in den Bergen des Nikko errichten.

"Nichts Böses sprechen, hören oder sehen" symbolisieren diese geschnitzten Affen an einem Stall."Nichts Böses sprechen, hören oder sehen" symbolisieren diese geschnitzten Affen an einem Stall.Foto: Inka Ehrbar

Wenn man durch die von Zedern gesäumte Allee zur großen Steintreppe hinauf geht, ist man von der Natur und den von Menschenhand geschaffenen Bauten überwältigt. Übergroße Holzwächter stehen in buntbemalten Häusern. Die Tempelanlage ist mit einer solchen Perfektion von Schnitzkunst und Farbenpracht ausgestattet, dass man stundenlang immer wieder Neues entdecken könnte. Selbst die Künstler hatten ob der geschaffenen Schönheit Angst vor den Göttern und fürchteten ihren Neid. So brachte man an einer Säule zum Yomei-mon Tor die Verzierungen verkehrt herum an. Der Stall blieb als einziges Gebäude unbemalt, man versah ihn aber mit dem Schnitzwerk der drei berühmten Affen, die sich Augen, Ohren und Mund zuhalten. Sie sind das Urbild für all die nachgemachten Tiere, die die buddhistischen Tugenden symbolisieren: nichts Böses sehen, hören oder sprechen. Shintoistische und buddhistische Elemente, beide Glaubensrichtungen existieren hier friedlich nebeneinander und sind sogar miteinander verschmolzen. Der Buddhismus ist eher für die Toten, der Shintoismus für das Leben zu ständig.

Es ist Feierabendverkehr

Von der nahe gelegenen Bahnstation Nikko erreichen wir bequem mit dem Zug die Innenstadt und unseren Bahnhof Shinjuku. Es ist Feierabendverkehr. Tausende von Menschen strömen von allen Seiten den Ausgängen zu. Alles sehr schnell, freundlich und diszipliniert. Man fühlt sich keinen Augenblick überfordert. Und so machen wir uns am Abend alleine auf, um noch einmal die gute Suppe mit Buchweizennudeln zu genießen. Mit den Automaten war das kein Problem, hat uns doch eine dienstfertige Japanerin hilfreich zur Seite gestanden.

Mit der Gewissheit, dass man für Tokio Monate braucht, um die Stadt in ihrer Vielfältigkeit kennen zu lernen, verabschieden wir uns mit einem guten Gefühl von ihr, durften wir doch etwas von ihrem Glanz und Zauber und nicht zuletzt von ihren höflichen und freundlichen Bewohnern kennen lernen.



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