„Sebastian Vollmer – German Champion“ – Aus dem Leben eines Football-Profis

Von 11. Oktober 2019 Aktualisiert: 12. Oktober 2019 18:38
Das Buch „Sebastian Vollmer – German Champion“ ist die Autobiografie des NFL-Stars Sebastian Vollmer. Hierin beschreibt er zusammen mit Dominik Hechler seinen Aufstieg, die Karriere und die privaten Begleiterscheinungen eines Football-Profis.

Dieser im Jahr 1984 in Kaarst geborene Athlet Sebastian Vollmer kann wohl ohne Zweifel als der erfolgreichste Deutsche, der bisher in der NFL-Geschichte gespielt hat, bezeichnet werden. Drei mal stand er mit seinem Team New England Patriots im Super Bowl und konnte diesen sogar zweimal gewinnen. Fast acht Jahre „beschützte“ Vollmer als „Tackle“ seinen Quaterback Tom Brady. Dieser, von vielen Fachleuten als the „G.O.A.T.“ (Greatest of all Time) bezeichnete Brady sagt im Vorwort über Vollmer:

„Ich war froh, dass wir ihn für uns gewinnen konnten….. Für mich war er (…) eine wunderbare Persönlichkeit und ein guter Freund. (….) Aber so liebenswürdig und sanftmütig er auch privat war, so unglaublich ehrgeizig und zielstrebig war »Seabass« auf dem Rasen (…..) Ich bewundere seine Geschichte, woher er kam und wie er sich mit viel Willen und Ehrgeiz nach oben gekämpft hat“.

In der Einleitung beschreibt Vollmer den Super Bowl vom 1.Februar 2015. Er gewährt dem Leser Einblicke in die Vorbereitung für das Spiel gegen die Seattle Seahawks, wie er sich gewissenhaft vorbereitete und was er im Locker Room für Musik hörte. Auch jene, die nicht wie ich dieses spannende Endspiel im American Football gesehen haben, können durch die spannende Erzählung diesen Super Bowl noch einmal aus der Sicht des Spielers Vollmer miterleben. Trotz mehrerer vorangegangener Verletzungen lief Vollmer aufs Spielfeld: „Ich war innerlich ruhig, dachte nur: ‚Mach deinen Job, dann wird das schon gut werden.‘ So ging es mir vor jedem Spiel. Denn ich hatte mich in den Wochen vor den Partien immer gewissenhaft vorbereitet, und das verlieh mir das nötige Selbstvertrauen. Ich glaubte einfach an meine Stärke.“

Im nächsten Kapitel wird beschrieben, wie er den Weg zum American Football fand; dass er vorher ein sehr guter Leistungsschwimmer war und in Norf (bei Neuss) als Libero Fußball gespielt hatte. Dort entdeckte er auch seine Liebe zum Mannschaftssport: „Ich habe einfach geglaubt, in einer Einzelsportart auf Dauer erfolgreicher sein zu können, weil ich meine Karriere ja selbst bestimmen konnte und mein Schicksal somit in meiner eigenen Hand hielt. Später habe ich meine Meinung darüber geändert. Mit einer Mannschaft gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten – das war es, was ich eigentlich wollte. Denn es ist eines der schönsten Gefühle, gemeinsam als Team etwas zu gewinnen.“

Trotzdem war Vollmer bewusst, dass er einer Mannschaft nur helfen kann, wenn er alles gibt. „Jeder ist doch selbst dafür verantwortlich, sein gesamtes Potenzial auszuschöpfen. Wieso sollte ich also nicht auch bei den Düsseldorfer Panthern der Beste sein? Denn das war mein Anspruch und er ist es bis heute. Mein Ehrgeiz und Wille sind einfach zu groß. So war es beim Schwimmen und so sollte es auch beim American Football sein. Ganz nach dem Motto: Don’t put a limit on what I can do! Ich war überaus motiviert und wollte es allen beweisen. Also fing ich tatsächlich an, bei den Panthern American Football zu spielen …“

Um alles über American Football zu lernen, holte er sich in der Neusser Bibliothek sämtliche Bücher über diesen faszinierenden Sport. „Damals war American Football in Deutschland nur eine Randsportart, doch ich blühte darin auf!“ Er trainierte hart und auch Verletzungen wie zum Beispiel Beinbrüche konnten ihn nicht aufhalten.

Eines Tages war er in der Düsseldorfer Altstadt unterwegs als sein Telefon klingelte und am anderen Ende jemand etwas über ein Stipendium in den USA erzählte. Drei Tage später saßen dann Coach Esume und Jeff Reinebold – der Offensive Coordinator des Team Europe – bei ihm im Wohnzimmer und informierten die Familie Vollmer über die Möglichkeiten eines Stipendiums in den USA …

 

Im Folgenden wird beschrieben, wie der junge Sebastian mit zwei Koffern und vielen, vielen Sprachproblemen in den Vereinigten Staaten von Amerika ankam. Er beschreibt aber auch in einer erfrischenden Ehrlichkeit, wie er vor der Reise in die USA Selbstsabotage betrieb und Angst hatte nach Houston zu fliegen: „Ich hatte eine kleine Panikattacke und heulte hemmungslos. Mir wurde auf einmal bewusst, dass sich mein Leben radikal verändern würde.“ Diese Beschreibung seiner kleinen Schwäche von damals lässt ihn beim Leser heute einfach noch stärker wirken als er ohnehin schon ist.

Im weiteren Verlauf wird im „German Champion“ erzählt, wie er sich bei seiner ersten Krafteinheit mehrfach übergeben musste; wie er beim Training im Ghetto von Houston manchmal Schüsse hörte; wie er das Stipendium am College nutzte und wie schwierig diese ganzen Umstellungen für ihn waren: „Nach etwa sechs Monaten in den USA habe ich zum ersten Mal auf Englisch geträumt. Das war für mich ein gutes Zeichen. Ich war zwar nach wie vor sprachlich nicht perfekt, wusste ab diesem Zeitpunkt aber, dass ich wenigstens kommunizieren und mir zur Not ein Sandwich bestellen konnte. Das gab mir ein gutes Gefühl. Zumal, da ich mich in diesem Land integrieren wollte.“

Seine gesamte (Lebens-) Einstellung wird im Folgenden sichtbar: „Ich war im Erlernen der Sprache extrem motiviert und ehrgeizig. Wie im Sport. Denn auch beim American Football lautete mein Motto: Es ist okay, einen Fehler zu machen – aber es ist nicht okay, ihn zweimal zu machen. Ich mag es einfach nicht, etwas nicht zu können. Wenn das so ist, muss ich es ändern. Damals und auch heute noch wollte ich meine Zeit nicht verschwenden.“

In dieser Zeit lernte er auch seine Frau Lindsey kennen und anfangs fand er es besser „… ihr SMS zu schreiben, damit ich zur Not im Wörterbuch nachschauen konnte, was sie von mir wollte und ich mich selbst korrigieren konnte.“ Da sein Einkommen später als Spieler bei den New England Patriots mutmaßlich etwas besser als das einer Putzfrau gewesen sein könnte, ist es aus heutiger Sicht drollig zu erfahren, wie sich sein erstes Essen mit seiner zukünftigen Frau gestaltete. Er selbst schreibt rückblickend dazu dass es „… wohl eher nicht klassisch romantisch“ war.

Aber nicht nur sportlich (5 Mal die Woche Training bei den Houston Cougars und jeden Morgen 4:45 Uhr die ersten Laufeinheiten) musste er sich dort noch mehr Mühe geben, denn auch das Studium verlangte ihm alles ab. Da war viel Druck dahinter. Trotzdem machte er zwei Abschlüsse: einen in Kommunikationswissenschaften und einen in Volkswirtschaft.

Bereits am College, bei den Houston Cougars, wurde er von Verletzungen heimgesucht. Dies zog sich durch seine gesamte Karriere und er schreibt dazu: „ … musste ich außerdem am Rücken operiert werden. Aber: Ich wachte nach dieser Operation auf und dachte: „Super. Das erste Mal schmerzfrei seit sechs oder sieben Monaten. Ein wirklich überragendes Gefühl. …. aber ich ließ mich nicht unterkriegen. Ganz im Gegenteil: Ich kämpfte weiter. Rückblickend machte mich jede Verletzung in meiner Karriere sogar noch ein bisschen stärker.“

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Bildhaft beschreibt er im Folgenden, wie sich seine Zeit am College dem Ende entgegen neigt und er noch nicht so richtig wusste, wie es weitergehen sollte. Falls alle Stricke reißen sollten, wollte er sogar bei seinem Schwiegervater als LKW- Fahrer anheuern. Doch es kam wieder einmal ganz anders und innerhalb kürzester Zeit musste er sich bei 14 verschiedenen NFL-Teams vorstellen. Wie es dazu kam, dass er schließlich mit gebrochener Nase bei den Pats landete, wird im Kapitel „Du bist echt noch nicht gut“ beschrieben. Auch dass er gleich am Anfang in New England hunderte von Spielzügen auswendig lernen musste, um daraufhin noch einen Ordner in die Hand gedrückt zu bekommen, in welchem noch einmal so an die 1.000 Spielzüge zum auswendiglernen standen.

 

Jeden Tag war Vollmer nun zwischen 5:30 und 6:00 Uhr auf dem Trainingsgelände der Pats und absolvierte die ersten Einheiten: „Ich war um diese Uhrzeit einer der Ersten oder zum Teil sogar der Allererste im Locker Room. So hatte ich schon rund zwei Stunden Arbeit hinter mir, bis es überhaupt richtig losging. Meine Hoffnung damals war, dass es sich über die Jahre auszahlen würde, wenn ich mehr arbeitete als viele andere im Team. Meine Philosophie lautete: „Outwork everybody. Niemand sollte härter oder mehr arbeiten als ich. Vielleicht mal genauso viel, das könnte ich dann nicht ändern. Aber auf keinen Fall mehr.“ Und an einer anderen Stelle schreibt er: „Es kommen jedes Jahr Spieler, die deinen Platz im Team haben wollen. Diese Jungs waren vielleicht noch am College oder bei einem anderen Klub, konnten aber schon bald zu einer Gefahr werden. Und dann wollte ich mir nicht vorwerfen müssen, nicht hart genug gearbeitet zu haben.“

Sehr anschaulich beschreibt Vollmer im weiteren, wie liebevoll sich seine Frau Lindsey bei seinen vielen schweren Verletzungen um ihn kümmerte und wie er sich mit ihrer Hilfe immer wieder ins Team zurück kämpfte. Aber auch die kleinen Fallstricke, in denen sich ein NFL-Profi außerhalb des Spielfeldes verheddern konnte, werden thematisiert.

Hier ein kleiner Auszug: „In dieser Zeit in Foxborough gingen wir regelmäßig gemeinsam zur sogenannten Couples Study. Diese wurde von Paul und Virginia Friesen geleitet. Die beiden sind Eheberater und Theologen. Sie hatten die Couples Study schon vor meiner Zeit in New England mit einem ehemaligen Patriots-Spieler gegründet und boten sie nun bereits seit rund 20 Jahren an. Jeden Donnerstag erklärte sich also ein anderer Patriots-Spieler mit seiner Ehefrau bereit, die Couples Study bei sich zu Hause auszurichten. (…..) Die Friesens wählten dabei pro Woche ein bestimmtes Thema aus. Zum Beispiel erzählten sie aus ihren eigenen Erfahrungen als Ehepaar und wie man mit bestimmten Krisen oder Problemen umgeht. Meist ging es aber um religiöse Vorstellungen über das Zusammenleben zwischen Mann und Frau. Die Friesens versuchten, diese Vorstellungen auf das Leben in und mit der NFL zu übertragen, spezifisch auf unsere Situation als Footballer und deren Ehefrauen. Sie nannten auch Beispiele von anderen, älteren Patriots-Spielern, die ihr Angebot in der Vergangenheit ebenfalls wahrgenommen hatten. Die Kernfrage lautete: Wie kann man die Fallen der NFL in einer Beziehung bewältigen? Also wie geht man zum Beispiel als Spieler, aber auch als Ehefrau damit um, wenn man auf einmal entlassen wird? Das Leben würde sich ja schlagartig verändern. Ich hatte das Glück, acht Jahre lang beim gleichen Klub gewesen sein zu dürfen. Es gibt aber andere Spieler, die in der gleichen Zeit bei 20 verschiedenen Teams und somit immer wieder mit Entlassungen konfrontiert waren. Außerdem wurde uns klargemacht, dass dieses Leben in der NFL nicht das echte Leben ist, sondern eine Art Traumwelt, aus der man täglich rausgeworfen werden konnte. Wir konnten bei diesen Diskussionsrunden mit den Friesens jederzeit mitreden, hatten aber auch die Möglichkeit, einfach nur zuzuhören. Diese Tipps und Tricks, wie man als NFL-Spieler und Spielerfrau eine glückliche Ehe führen kann, empfanden wir als sehr hilfreich. Vor allem Lindsey meinte einmal, dass die Friesens das Beste waren, was uns in New England passieren konnte. Zumal wir beide sehr gläubig sind und die Beratung der Friesens eine biblische Basis hatte. Wir glaubten an Gott und deswegen betete ich auch vor jedem Spiel. Das wurde zu einer Art Ritual.“

Als Autor dieser Rezension muss ich gestehen, dass mich die Beschreibungen der Super Bowl Teilnahmen von Sebastian Vollmer besonders beeindruckten. Da ich alle diese Spiele live im Fernseher gesehen habe, machte es mir besondere Freude, davon noch einmal aus der Sichtweise eines Spielers lesen zu dürfen. Besonders krass war dies bei der Erwähnung des Super Bowl vom 5. Februar 2017, als die New England Patriots einen 3:28 Rückstand aufholten und letztendlich die Vince Lombardi Trophy noch in die Höhe recken konnten: ich legte das Buch zur Seite und schaute mir noch einmal dieses historische Endspiel an, welches ich seitdem nicht gelöscht hatte …

Gibt es eine Kaufempfehlung? Diese Frage kann mit einem ganz klaren „JA“ beantwortet werden. Aber dieses Buch ist nicht nur für Fans des American Football interessant. Da es die harte Arbeit, die vielen schlimmen Verletzungen und den Aufstieg eines sympathischen Jungen aus Nordrhein-Westfalen bis an die Weltspitze seines Sports beschreibt, ist es auch ein Buch, welches Mut macht. Mut für die Bewältigung eines nicht immer leichten Alltags eines jeden von uns. Es beschreibt den Grundsatz im Leben: „wenn ich etwas möchte, so muss ich auch etwas dafür tun!“ Oder: „Ohne Fleiß kein Preis!“

Es verdeutlicht auch wieder einmal, dass hinter jedem starken Mann immer auch eine starke Frau steht. Es ist durchaus bemerkenswert (und auch lobenswert), dass Sebastian Vollmer an einer Stelle schreibt, dass sein Verhalten gegenüber einem anderen nicht richtig war. Eine solche Selbstkritik findet man heute nicht sehr oft. Aber vielleicht ist das ja auch ein Baustein seines Charakters, der ebenfalls mit dazu beigetragen hat, dass er es in seinem Leben weit gebracht hat.

Wer sich zu einem Kauf des „German Champion“ entscheidet, wird lesen, wie Vollmer den Sprung vom Talent zum harten Arbeiter schaffte; wie er mit einem Arzt diskutierte, damit dieser seine Hose an der Naht auftrennt; warum er mit Rostflecken auf seinem weißen Hemd zu seinen Vorstellungsgesprächen ging; wie er sich anschreien lassen musste, weil man ihn testen wollte wie er mit Druck umgeht; mit welchen Streichen sein Teamkollege Matt Light die Mannschaft erheiterte; was es mit „Codeworten“, „fat friday“ und Kreditkarten- Roulette auf sich hat; wie die zwei Besuche im Weißen Haus bei Obama und Donald Trump verlaufen sind und wie es ist mit 1,5 Millionen Patriots-Fans in den Straßen von Boston zu feiern.

„Sebastian Vollmer – German Champion“

Erschienen im riva – Verlag

Hardcover, 192 Seiten

Preis 19,99 Euro

ISBN: 978-3-7423-0696-8