Fehlgeleitete Klimahysterie: Flugzeuge bis zu 40 Prozent sauberer als PKW

Epoch Times16. Dezember 2019 Aktualisiert: 16. Dezember 2019 18:38
Zugunsten des Klimaschutzes mehr zu fliegen, klingt widersprüchlich, ist es aber unter Umständen nicht. Schon heute verursacht eine Flugreise bis zu 40 Prozent weniger Emissionen als eine Autofahrt mit demselben Ziel.

Bis 2035 könnte sich der weltweite Flugverkehr verdoppeln – und das zugunsten des Klimas. Obwohl es widersprüchlich klingt, befindet sich eine Flugreise schon heute am unteren Ende der CO2-Skala. Noch grüner reist man über weite Strecken nur mit dem Schiff, jedoch nicht mit einer High-Tech-Carbon-Rennyacht.

Während die Fahrt auf der Carbon-Regatta-Yacht tatsächlich klimaneutral ist, ist die Herstellung alles andere als umweltfreundlich. Zudem ist das Problem mit der Entsorgung von laminierten Carbonfasern bis heute ungelöst. Wer also wirklich umwelt- und klimabewusst zur See fahren möchte, braucht ein hölzernes Segelboot wie vor 200 Jahren.

Doch zurück aufs Festland. Grundsätzlich stehen dem Reisenden drei Möglichkeiten zur Wahl, um in angemessener Zeit von A nach B zu kommen: das Auto, der Bus, der Zug, und eben das Flugzeug. Mit zunehmender Reisedistanz steigt jedoch die benötigte Zeit im PKW, Bus oder Zug, sodass das Flugzeug auf lange Sicht und Strecke das einzige Verkehrsmittel bleibt.

Peter Hitchcock, Mitarbeiter vom Luftfahrtzulieferer Thales, ist sich sicher: Innerhalb von nur 15 Jahren wird sich der weltweite Flugverkehr verdoppeln und dabei immer weniger CO2 emittieren.

Allein ein Auto verursacht 40 Prozent mehr CO2 als ein vollbesetztes Flugzeug

Bereits heute ist das Auto auf einer 500 Km langen Strecke bei weitem nicht mehr das sauberste Fahrzeug. Auf einer Fahrt von Berlin nach München (505 Kilometer) verursacht ein PKW mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 7 l/100 km etwa 90 kg CO2 und damit etwa 13 Prozent mehr als das Flugzeug (78 kg). Deutlich sauberer reist der Fahrgast der deutschen Bahn, denn eine Reise im ICE verursacht mit dem aktuellen Strommix nur 17,2 kg CO2.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass diese Emissionen für eine einzelne Person gelten. Während der CO2-Ausstoß der Bahn und im Flugzeug proportional mit der Anzahl der Personen steigt, erhöht sich der CO2-Ausstoß des PKW nur minimal, wenn mehrere Mitfahrer einsteigen.

Für einen Kegelclub, der zu neunt im Minibus diese Strecke zurücklegt, bleibt der PKW das klimafreundlichste Fortbewegungsmittel. Ohne Berücksichtigung der Herstellung der Fahrzeuge und der Kraftstoffe, betragen die CO2-Emissionen für die Reise der neun Kegelbrüder im PKW etwa 100 kg, in der Bahn etwa 155 kg und im Flugzeug etwa 702 kg.

Flugzeugtriebwerke sind dafür optimiert, in großen Höhen zu funktionieren, wodurch die Effizienz am Boden sinkt. Mit anderen Worten, je länger die Flugstrecke ist, desto besser ist die Klimabilanz pro Kilometer. Die BBC rechnet sogar mit bis zu 40 Prozent CO2-Einsparung eines Flugzeugs gegenüber dem PKW – wenn man die sekundären Belastungen und Effekte des Flugzeugs ignoriert.

Doch es gibt einen Fall, wo der Flieger tatsächlich klimafreundlicher ist als das Auto. Fernab geteerter Straßen steigen der Spritverbrauch und damit die Emissionen eines PKW enorm an, während die Luft über der russischen Tundra ebenso dünn ist wie die über den verstopften Straßen von Berlin.

Aus diesem Grund ist ein Flug (ca. 600 kg CO2-Äquivalente einschließlich „Nebenwirkungen“) von Jakutsk im Norden Russland bis zur Arktisstation Samoylov tatsächlich klimafreundlicher als die 13-tägige Fahrt im allradgetriebenen LKW (mindestens 1.800 kg CO2).

Zeit ist Geld

Ein weiterer Punkt den es zu berücksichtigen gilt, ist die Zeit pro zurückgelegter Strecke. Für die Reise von Berlin nach München braucht der umweltbewusste Autofahrer etwa 5,5 Stunden, jener mit Bleifuß und dem entsprechenden Auto idealerweise etwa eineinhalb Stunden weniger. Ebenfalls vier Stunden unterwegs ist der ICE. Nochmals deutlich schneller ist das Flugzeug, das bereits nach gut einer Stunde in München landet.

Auch hier gilt: Je länger die Reisestrecke, desto besser schneidet das Flugzeug ab. Für die 1.000 km lange Reise von Berlin nach Paris benötigt der Autofahrer schon elf Stunden, die Bahn etwa acht Stunden und das Flugzeug nur knapp zwei Stunden.

Neben Zeit und Klimaschutz ist jedoch auch der Preis für eine solche Fahrt für viele Reisende entscheidend. Vorausgesetzt, ein Reisender hat kostenlosen Zugriff auf einen PKW, dann fallen für ihn lediglich Kraftstoffkosten an, die mit ca. 50 Euro für die Strecke Berlin-München zu Buche schlagen. Bei der Lufthansa bezahlt ein Reisender im Mittel mit 60 Euro nur unwesentlich mehr als der Autofahrer, ist jedoch etwa drei Stunden eher in München. Das Bahn-Ticket ohne Vergünstigungen kostet mit 150 Euro schon dreimal soviel.

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Wer es eilig hat, greift also besser auf den Flieger zurück. Wer aufs Geld achtet, nimmt das Auto und wer klimabewusst (und stressfrei) reisen möchte, fährt Zug – solange dieser nicht von einer Diesel-Lok gezogen werden muss.

„Bis 25 Tonnen CO2 pro Tag“ – Spritsparen im Flugzeug beginnt am Boden

Auch im Flugzeug gibt es selbstverständlich Möglichkeiten, Treibstoff und damit Emissionen zu sparen und die beginnen bereits am Boden. Besonders Start und Landung, also Flüge in „dicker“ Luft und unvorhergesehene Streckenänderungen, zum Beispiel aufgrund von Gewittern, treiben den Kerosinverbrauch in die Höhe.

Markus Pohanka von der Flugsicherung Austro Control erläutert vier Maßnahmen gegenüber der österreichischen Kronenzeitung, die das Fliegen effizienter machen und spricht von einer Einsparung von bis zu 25 Tonnen CO2 pro Tag.

Solange das Flugzeug am Gate wartet, kann es wie bei Schiffen mit einem Landstromanschluss die benötigte Energie für die Instrumente, Klimaanlagen und technische Anlagen aus dem Stromnetz beziehen. Ist also abzusehen, dass es entweder zu Start- oder Landeverzögerungen am Zielflughafen kommt, kann die Flugfreigabe herausgezögert werden. So entfallen umweltschädliches Warten am Boden oder überflüssige Warteschleifen in „dicker“ Luft.

Nach der Flugfreigabe rollt das Flugzeug zur Startposition und auch hier gilt, jede Minute, die die Triebwerke nicht laufen, dient der Umwelt. Durch optimierte Rollwege und reibungslose Taktung von Starts und Landungen können Emissionen vermieden werden. „Fluglinie, Flughafen und die Flugsicherung stimmen gemeinsam ab, wer wann in welche Richtung startet“, erklärt Pohanka. „Gibt es einen Konflikt, darf die Maschine ihre Triebwerke nicht anwerfen.“

Wie beim Autofahren können Piloten auch während des Fluges Treibstoff sparen. In Österreich wird versucht, startenden und landenden Flugzeuge möglich ungehinderte Steig- und Sinkflüge zu ermöglichen. Dadurch erreichen Piloten zeitiger die vorhergesehene Reiseflughöhe, auf die die Triebwerke optimiert sind, beziehungsweise, können diese später verlassen.

Außerdem versuchen Airlines und Piloten ihre Flugrouten möglichst zielstrebig abzufliegen. Das „Free Route Airspace“-Konzept, so Pohanka, kann dabei helfen, indem es Piloten lediglich einen Ein- und Ausflugspunkt in den Luftraum vorgibt.

Während früher bestimmte Flugkorridore eingehalten werden mussten, können Piloten heute „weitgehend beliebig – meist direkt – navigieren.“ Dies ermöglicht zudem, Gewitterwolken großräumig und ohne lange Umwege zu meiden, sodass die tatsächliche Flugstrecke durchschnittlich nur 3,7 Prozent von der kürzesten möglichen Route abweicht. (ts)