Geschlechtsneutrales WC-Schild mit der Aufschrift "Wen kümmerts?".Foto: iStock

„Ideologische Sprachdekrete und lächerliche Wortgebilde“: 100 Prominente starten Petition gegen Genderdeutsch

Von 8. März 2019 Aktualisiert: 8. März 2019 18:28
Die zunehmenden Versuche, im Zeichen der „Geschlechtergerechtigkeit“ politischen Einfluss auf die Sprachentwicklung zu nehmen, haben den „Verein Deutsche Sprache“ zu einer Petition veranlasst. Zu den Erstunterzeichnern gehören unter anderem Reiner Kunze, Michael Stürmer und Hans-Georg Maaßen.

Der „Verein Deutsche Sprache e.V.“ (VDS) hat einen Aufruf veröffentlicht, mit dem sich mehrere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gegen eine ideologisch motivierte Gängelung der deutschen Sprache unter dem Banner der „Geschlechtergerechtigkeit“ wenden.

Zu den Initiatoren gehören die Schriftstellerin Monika Maron, Journalistenausbilder Wolf Schneider, der Vorsitzende des VDS, Walter Krämer und der ehemalige Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus.

Anlass für die Initiative war eine Anordnung der Stadt Hannover, die als erste in Deutschland die ausschließliche Verwendung geschlechtsneutraler Begriffe wie „Mitarbeitende“ statt „Mitarbeiter“ sowie des sogenannten Gendersterns in amtlichen Schreiben vorschrieb. Die Maßnahme war bereits zum Zeitpunkt ihrer Einführung Anfang des Jahres auf heftige Kritik gestoßen.

Der VDS lehnt die sogenannte „gendergerechte Sprache“ ab, denn diese „beruht erstens auf einem Generalirrtum, erzeugt zweitens eine Fülle lächerlicher Sprachgebilde und ist drittens konsequent gar nicht durchzuhalten. Und viertens ist sie auch kein Beitrag zur Besserstellung der Frau in der Gesellschaft.“

„Wir wollen uns nicht an den Gender-Neusprech gewöhnen“

Es gebe zum einen keinen Zusammenhang zwischen dem natürlichen und dem grammatischen Geschlecht. Sprachgebilde wie „Fahrzeugführende“ und „Arbeitnehmende“ seien lächerlich. Mit Genderstern würden gar „Idiot*innen“ möglich und müsste man die Doktrin bis zum Ende durchhalten, wären auch das „Christ*innentum“ oder das „Einwohnerinnen- und Einwohnermeldeamt“ nur noch eine Frage der Zeit.

Die Initiatoren der Sprachschutzpetition fragen: „Wie ertragen wir es, in der Fernsehwerbung täglich dutzendfach zu hören, wir sollten uns über Risiken und Nebenwirkungen bei unserem Arzt oder Apotheker informieren?“

Obwohl auch das Grundgesetz sprachlich „ungerecht“ sei, konnte Angela Merkel zur Bundeskanzlerin werden und eine mögliche neue Bundeskanzlerin fühle sich inmitten dieses Missstands offensichtlich ziemlich wohl.

„Wir wollen uns nicht an den Gender-Neusprech gewöhnen“, bekennen die Initiatoren und weisen das Ansinnen zurück, mittels ideologisch motivierter Dekrete die natürliche Sprachentwicklung zu beeinflussen.

Wir verbitten uns den Eingriff von oben in unsere Sprache. Die staatlich verordnete Indoktrinierung darf nicht Schule machen. Sprache darf kein Spielball politischer Interessen werden.“

Der Bund solle „mit den Milliarden-Etats, die dem unsäglichen Gender-Mainstreaming zufließen, die Zivilgesellschaft stärken und in gemeinschaftsstiftende Projekte investieren“.

Soziale Wirklichkeit per Dekret überformt

Sprache mache uns Menschen einzigartig. Sie sei Ausdruck des Denkens und Fühlens, stifte Identität, unterscheide und verbinde uns.

Sie ist ein historisch gewachsenes Ausdrucksmedium, das stetig verwandelt wird — durch unser aller Gebrauch: Wir denken und dichten, schreiben und schäkern, verhöhnen und versöhnen uns in diesem Medium. Politik und Verwaltung versuchen leider, unser Sprechen und Denken und damit unsere soziale Wirklichkeit per Dekret zu überformen.“

Nach über zwanzig Jahren Geschlechter-Gleichstellung (Gender Mainstreaming) würden die Vorstöße der Gender-Lobby „immer dreister“. Der Gender-Verwaltungsakt von Hannover sei ein bezeichnendes Beispiel.

„Die Gender-Ideologie ist auf dem Vormarsch zur Staatsdoktrin“, heißt es weiter. „Fundamentalistische Feministinnen und Queer-Theoretiker haben den Diskurs gekapert und erweisen mit ihrer Impertinenz dem Kampf um die Rechte von Frauen und Minderheiten einen Bärendienst.“

Lehrpläne von Schulen und Universitäten würden „gendergerecht“, Schüler und Studenten würden unrechtmäßig zum Gendern gezwungen, Verlage genderten Neuauflagen von literarischen Klassikern.

Öffentlich finanzierte Leitfäden beten uns vor, wie wir schreiben, sprechen und denken sollen, ‚1984‘ mit seinem ‚Neusprech‘ lässt grüßen.“

Zum Ende wird an Politiker, Behörden, Firmen, Gewerkschaften, Betriebsräte und Journalisten appelliert: „Setzt die deutsche Sprache gegen diesen Gender-Unfug wieder durch!“

Sprache wird „verhunzt und vergewaltigt“

Unter den 100 Erstunterzeichnern finden sich mehrere klingende Namen. Der Lyriker Reiner Kunze gehört ebenso dazu wie Historiker und Helmut-Kohl-Berater Michael Stürmer, Autorin Cora Stephan, Chefredakteur Robert Tichy oder Politologie Prof. Werner Patzelt.

Wenig angetan von dem Appell zeigte sich etwa die „Süddeutsche Zeitung“, die am Freitag bedauerte, dass „einige respektable Gelehrte und Persönlichkeiten“ diesen unterzeichnet und sich damit „in eine trübe Gesellschaft begeben“ hätten.

Damit meinte die selbst bereits mehrfach in den Verdacht antisemitischer Anklänge geratene Zeitung den „wegen Verschwörungstheorien in den Ruhestand versetzten früheren Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen“ oder den „dubiosen Fernsehprediger Peter Hahne“.

Rückendeckung bekamen die Bestrebungen gegen eine politische Sprachentwicklungs-Steuerung auch aus dem Kabinett.

„Ich finde das alles total gaga, sowohl das Binnen-I als auch das Gender-Sternchen“, sagte die Bundestagsabgeordnete und Staatsministerin im Kanzleramt für Digitalisierung laut FAZ dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Dass man Sprache so verhunzt und vergewaltigt – da halte ich gar nichts davon.“


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