Frauenmorde in Österreich: In 50 Prozent der tödlichen Beziehungstaten sind Täter Ausländer

Von 26. November 2019 Aktualisiert: 26. November 2019 17:23
Nach einer Serie tödlicher Beziehungstaten mit nichtösterreichischen Tätern hatte das damalige türkis-blaue Kabinett im Mai eine Screening-Gruppe zum Thema "Frauenmorde" eingerichtet. Heute präsentierte diese ihre Erkenntnisse.

Noch in der Amtszeit des im vergangenen Mai entlassenen österreichischen Bundesinnenministers Herbert Kickl wurde im Bundeskriminalamt (BKA) des Landes eine Screening-Gruppe eingerichtet. Diese sollte sich in Zusammenarbeit mit der Universität Wien in Bezug auf „Frauenmorde“ Gefährdungsszenarien ermitteln oder Präventionsmaßnahmen ableiten. Forschungsschwerpunkte dabei sollten Beziehungstaten mit weiblichen Opfern sein.

Nachdem die Ergebnisse der Auswertung längere Zeit unter Verschluss geblieben waren, stellte Kickls Nachfolger in der seit Juni amtierenden Expertenregierung, Wolfgang Peschorn, am Dienstag (26.11.), einen Tag nach dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, diese erstmals der Öffentlichkeit vor. In diesem Jahr seien in Österreich bereits 18 Frauen durch den (Ex-)Partner oder ein Familienmitglied getötet worden. Peschorn weist jedoch darauf hin, dass die Zahl der Morde rückläufig ist.

Trennung und Alkohol als Faktoren zur Risikoerhöhung

Insgesamt habe die Expertengruppe alle Mordfälle untersucht, die sich zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 25. Januar 2019 begangen wurden und aufgeklärt werden konnten. Es soll sich um 174 Akten gehandelt haben, 55 davon betrafen vollendete Morde. Wie die Zeitung „Österreich“ berichtet, sprach Peschorn davon, dass es „Anzeichen für Gemeinsamkeiten der Morde“ gebe.

Von den 23 Morden, die als sogenannte Intimtaten in das Untersuchungsraster der Screening-Gruppe passten, wurden jene 18 ausgewertet, bei denen physische Erkrankungen des Opfers keine Rolle spielten. In allen Fällen dieser vollendeten Tötungsdelikte waren die Opfer weiblich und die Täter männlich, in 50 Prozent der Fälle waren die Täter nichtösterreichische Staatsbürger. Zu 47 Prozent ereigneten sich die Taten zu einem Zeitpunkt, da die Beziehungen bereits getrennt waren.

Den Ergebnissen der Untersuchung zufolge schafften Umstände wie Trennungen (46 Prozent), Arbeitslosigkeit (48 Prozent), Alkohol- oder Drogenmissbrauch (30 Prozent) bzw. fortdauernde Konflikte ein erhöhtes Risikopotenzial. In 44 Prozent aller Fälle wurde zuvor ein Betretungsverbot erwirkt, in 16 Prozent sogar mehrmals.

Hauptsächlich Stichwaffen als Tatwerkzeuge

Wie der stellvertretende Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit im Innenministerium, Franz Lang, der bei der Vorstellung des Berichts mit von der Partie war, ergänzte, seien in den meisten untersuchten Fällen Stichwaffen die Tatwerkzeuge gewesen – im familiären Bereich Küchenmesser, außerhalb davon Klappmesser. Die Täter seien in ihrer klaren Mehrheit vorbestraft und bereits durch exzessives Aggressionsverhalten aufgefallen. Hauptrisikofaktor für Taten im innerfamiliären Bereich seien Trennungen.

Empfehlungen, die von der Screening-Gruppe formuliert wurden, beziehen sich auf die Bereiche Gefährdungserkennung, Vernetzung von beteiligten Behörden und Institutionen sowie Täterarbeit. Sie umfassen unter anderem die Einführung von Risikoeinschätzungstools, die Erstellung von Vernehmungsleitfäden bei Amtshandlungen wegen Gewalt in der Partnerschaft, bis zur Bildung von Kompetenzteams in den örtlichen Polizeibehörden.

Um den Opferschutz zu verbessern, sollen Gefährderansprachen und Normverdeutlichungsgespräche sowie verpflichtende therapeutische Anti-Aggressionstrainings und soziale Kompetenztrainings nach Betretungsverboten ausgeweitet werden. Infolge des hohen Anteils von Tätern mit Migrationshintergrund sollen für die Zusammenarbeit in den entsprechenden Communitys entsprechende Ansprechpartner aus diesen selbst für die Täterarbeit bei der Gefährderansprache gewonnen werden.

Zahlen für Deutschland gestern von Giffey präsentiert

Bereits am gestrigen Montag hatte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey die Zahlen für Deutschland präsentiert. Mehr als 114 000 Frauen sind nach Angaben von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) im vergangenen Jahr in Deutschland Opfer von Partnerschaftsgewalt geworden.

Insgesamt seien 140 755 Menschen betroffen gewesen, über 81 Prozent davon Frauen, sagte Giffey am Montag im ARD-„Morgenmagazin“. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl leicht angestiegen. Giffey führte dies auf eine höhere Bereitschaft, Anzeige zu erstatten, zurück. Die Gewalttaten reichen demnach von Körperverletzung bis hin zu Mord und Totschlag. Die Dunkelziffer sei weiterhin hoch.

122 Frauen seien im vergangenen Jahr von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet worden. „Jeden Tag findet ein Versuch statt, jeden dritten Tag wird der Versuch vollendet“, sagte Giffey.

Der Bund will als Reaktion darauf unter anderem innerhalb der nächsten vier Jahre 120 Millionen Euro für Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen bereitstellen. Das Geld fließe in die Erweiterung von Frauenhäusern und die Schaffung neuer Plätze, sagte Giffey.

(Mit Material von afp)

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