Völkermord & Todeslager: Zwei Millionen unschuldige Menschen für Chinas Organhandel ermordet

Von 17. August 2015 Aktualisiert: 25. April 2017 16:13
Chinas staatlich organisierter Organraub an Gefangenen hat Völkermord-Dimension. Dies ist die Aussage eines Untersuchungsberichtes, den die Weltorganisation zur Untersuchung der Verfolgung von Falun Gong (WOIPFG) vor kurzem in Washington vorstellte. Zwei Millionen Menschen starben laut WOIPFG in China, weil sie lebendig ausgeweidet und ihre Organe verkauft wurden.

Chinas staatlich organisierter Organraub an Gefangenen hat Völkermord-Dimension. Dies ist die Aussage eines Untersuchungsberichtes, den die Weltorganisation zur Untersuchung der Verfolgung von Falun Gong (WOIPFG) vor kurzem in Washington vorstellte. Zwei Millionen Menschen starben laut WOIPFG in China, weil sie lebendig ausgeweidet und ihre Organe verkauft wurden.

Diese schockierende Aussage macht die Organisation, nachdem sie mit einem internationalen Team neun Jahre lang ermittelt und hunderttausende Materialien zu Chinas Transplantations-Business gesichtet hat.

Wang Zhiyuan, der Gründer der WOIPFG stellte das Ergebnis am 15.07. auf einer Kundgebung in Washington D.C. vor. Den kompletten Bericht gibt es seit dem 9.07. in chinesischer Sprache. Alle Beweismaterialien und Telefonmitschnitte sind online einsehbar und zum freien Download verfügbar.

Die WOIPFG führte zigtausende Telefonate und sammelte 2.000 beweiskräftige Mitschnitte. Parteibeamte auf allen Regierungsebenen wurden von Undercover-Ermittlern angerufen, darunter auch fünf ständige Mitglieder des Politbüros, ein Vizemilitärchef und ein Ex-Verteidigungsminister.

Sehr viele Beamte des Büros 610 und Angehörige der Militärpolizei, die Organentnahmen und Transplantations-OPs überwachten, wurden von den Ermittlern „interviewt“. Ebenso Ärzte aus Militär- und zivilen Krankenhäusern und Organhändler.

Insgesamt 865 Krankenhäuser, die Transplantationen durchführen, wurden systematisch unter die Lupe genommen und ihre Daten ausgewertet. Medizinische Berichte von über 9.500 Chirurgen, Medienberichte, Websites und Datenbanken wurden durchkämmt und zehntausende Beweise gesichert.

Alle präsentierten Beweisstücke wurden mehrfach überprüft, verbinden sich miteinander und weisen in dieselbe Richtung: Dass Chinas Regime heimlich missliebige Bürger ermordet, um Geld an ihren Organen zu verdienen.

Mysteriöser Transplantations-Boom

Chinas bemerkenswerter Boom der Transplantationsmedizin begann nach der ersten Verhaftungswelle im Zuge der Verfolgung von Falun Gong im Jahr 1999. Die leichte Verfügbarkeit von Organen erstaunte westliche Mediziner. Bis Ende 2005 kamen viele Transplantationstouristen aus aller Welt nach China.

Bisherige Schätzungen gingen von 65.000 Todesopfern bis zum Jahr 2008 aus. Der US-Journalist Ethan Gutman, der seit sieben Jahren zum Thema recherchiert, schätzt, dass 95 Prozent der Organraub-Opfer Falun Gong-Praktizierende sind und 5 Prozent sich aus anderen verfolgten Gruppen zusammensetzen, wie Tibeter, Uighuren und Haus-Christen.

Die Kernaussagen des Berichtes:

Der Organraub findet als staatlich organisiertes Verbrechen statt. Die WOIPFG legt hierzu 35 Telefonmitschnitte als Beweise vor, die belegen, dass der Befehl zum Organraub von Chinas Ex-Staatschef Jiang Zemin persönlich gegeben wurde und dass sowohl das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei als auch die Militärkommission direkt darin verstrickt sind. Landesweit arbeiten verschiedene Institutionen Hand in Hand mit den Krankenhäusern: Die Armee und die Militärpolizei, Staatsanwaltschaften und Gerichte, das Justizministerium und das „Komitee für Politik und Recht“.

In China existiert eine riesige Organbank aus lebenden Menschen. Die Betroffenen sind hauptsächlich Falun Gong-Praktizierende, die bei ihrer Verhaftung anonym blieben.

Diese Gruppe der „Namenlosen“ stellt in China eine Gefängnis-Population von mehreren Millionen Menschen. (Falun Gong-Anhänger, die seit 1999 nach Peking gingen, um Petitionen einzureichen und dabei illegal festgenommen wurden, hielten meistens ihren Namen geheim, um Familie und Arbeitgeber vor Repressalien zu schützen.)

Es gibt Beweise, dass „die Namenlosen“ in speziellen Geheimlagern gefangen gehalten werden – sie sind numeriert und in einer riesigen Datenbank als Organspender registriert.

Für die Existenz der riesigen Organbank gibt es laut WOIPFG sieben Beweise:

1. Eine extrem kurze Wartezeit für Organempfänger (dafür werden 35 Krankenhäuser genannt).
2. Es gibt in China erstaunlich viele sogenannte „Transplantations-Notdienste“ – im Westen undenkbar, da Organe nur dann transplantiert werden können, wenn sie zufällig vorhanden sind.

3. Es finden routinemäßig mehrere Transplantations-OPs gleichzeitig statt, täglich bis zu mehreren Dutzend. Als Beispiel wird das Xinqiao-Krankenhaus der 3. Militäruniversität Chongqing erwähnt: An einem Tag bis zu 24 Nierentransplantationen.
4. Lebende Menschen werden direkt ins Krankenhaus transportiert und dort als „Spender“ verfügbar gehalten. Gesundheitsminister Wang Jiefu erwähnte einmal in einer Rede zwei „Spender“, die mit ihm in einem Krankenwagen mitgefahren seien. Falls die Organe des einen nicht gepasst hätten, habe man noch einen zweiten parat gehabt.
5. In ganz China wird nach dem Verfahren „Suche Spender für Empfänger“ gearbeitet – es gibt kein anderes.
6. 2006 veranstalteten Chinas Krankenhäuser eine große Menge spontaner „Sonderaktionen“, die für OPs warben, ähnlich wie bei einem Schlussverkauf. Grund hierfür war eine Gesetzesänderung, die in Folge des ersten Kilgour-Matas-Berichts zum Organraub in Kraft trat. Ein Krankenhaus warb sogar mit dem Slogan „Wer zuerst kommt, bekommt es gratis!“
7. Aus Berichten von Betroffenen ist bekannt, dass in China fast alle inhaftierten Falun Gong-Anhänger brutal gefoltert und gedemütigt werden – trotzdem wird bei fast allen Blut abgenommen und ein detaillierter medizinischer Check durchgeführt. Das Ergebnis der Untersuchung erfahren sie nie.

Das Fazit: Bis zu 2 Millionen Todesopfer

Wie kommt die WOIPFG zu dieser erschreckenden Einschätzung?

Die Ermittler fanden heraus, dass die tatsächliche Anzahl der Transplantations-OPs zehn bis zwanzigfach so hoch ist, wie in öffentlichen Statistiken behauptet.

Sie analysierten die Daten von 712 Krankenhäusern, die Nieren- und Leber-Transplantationen durchführen. Die Zahl der öffentlich zugegebenen OPs belief sich in den vergangenen 15 Jahren auf 400.000.

Tatsächlich waren es jedoch mindestens 10 bis 20mal so viele, also mindestens 4 Millionen Transplantationen. WOIPFG stellte bei der Untersuchung von 43 regulären und 40 militärbetriebenen Krankenhäusern fest, dass diese jährlich 2.000 bis 3.000 Transplantationen durchführten. Weitere 72 Ortskrankenhäuser brachten es jedes Jahr auf mindestens 600 bis 2.400 Transplantationen.

Allein diese 155 Krankenhäuser stemmten nach dieser Einschätzung 220.000 bis 360.000 Transplantationen pro Jahr! Über einen Zeitraum von 15 Jahren bedeutet das: Zwischen 3,38 Millionen bis 5,4 Millionen OPs. Davon wurde ein Mittelwert gebildet. 75,7 Prozent der OPs waren Nierentransplantationen. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Nieren eines Opfers in verschiedene Empfänger verpflanzt wurden, beträgt weniger als 50 Prozent. WOIPFG ging davon aus, das pro Opfer 1,5 Nieren nutzbar waren.

Das lässt auf rund 2,21 Millionen Todesopfern schließen – in nur 155 Krankenhäusern über einen Zeitraum von 15 Jahren. Die anderen 731 Krankenhäuser sind da noch gar nicht eingerechnet.

Um dem Leser die Glaubwürdigkeit dieser Einschätzung zu verdeutlichen, veröffentlichte WOIPFG ausführlichste Daten von 55 Krankenhäusern.

Die Studie liegt derzeit in chinesischer Sprache vor, eine englische Übersetzung befindet sich in Arbeit.

Aktuelle Entwicklung

Gegen Chinas Ex-Staatschef Jiang Zemin gingen in den vergangenen Wochen 80.000 Anzeigen wegen „Massenmord“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bei Chinas Oberstem Gerichtshof ein. Alle wichtigen Personen, die Chinas amtierender Führer Xi Jinping bisher ins Gefängnis brachte, waren maßgeblich in den Organraub verstrickt, am prominentesten Ex-Stasichef Zhou Yongkang und sein Schützling Bo Xilai.

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