Riesenspeer, Statuen & ein antiker Mechanismus – Das Geheimnis von Antikythera

Epoch Times29. Juli 2018 Aktualisiert: 24. Oktober 2019 12:15
Seit mehr als 100 Jahren erforschen Wissenschaftler das Antikythera-Schiffswrack und fördern immer wieder neue interessante Funde zu Tage. Ein Riesenspeer aus Bronze, Statuen aus Stein und Metall sowie der berühmte Antikythera-Mechanismus.

Das Antikythera-Schiffswrack ist das reichste antike Wrack, das bislang entdeckt wurde. 1900 fanden griechische Schwammtaucher das Wrack zufällig in der Nähe der Insel Antikythera. Mithilfe der griechischen Marine verbrachten sie mehr als ein Jahr damit, ihre Schätze zu bergen.

Insgesamt hatten die Taucher Hunderte Kunstwerke geborgen, darunter kunstvoll gestaltete Bronze- und Marmorstatuen. Heute füllen sie die Galerien des Nationalen Archäologischen Museums in Athen. Doch der wohl mysteriöseste Fund des Wracks war ein Uhrwerk, der sogenannte Antikythera-Mechanismus.

Aus der Vergessenheit zurückgeholt

Nach den unglaublichen Funden in den 1900-er Jahren geriet das Schiffswrack in Vergessenheit. Erst 1953 wurde es durch den Kapitän Jacques-Yves Cousteau und Ingenieur Professor Harold „Doc“ Edgerton wieder in das Gedächtnis der Menschen zurückgeholt. Beim Test eines neuen Unterwassergerätes entdeckten sie unzählige weitere Funde, darunter auch ein weiteres Schiffswrack mit Amphoren.

In der Zwischenzeit fragten sich Wissenschaftler und Hobbyforscher, ob der Ort vielleicht weitere Funde beherbergt. Sie hofften vor allem auf einen weiteren Antikythera-Mechanismus, weitere Teile des Originals oder Hinweise auf den Besitzer.

1976 kehrten der Kapitän und der Professor in Begleitung eines Kamerateams zum Wrack zurück. Die zahlreichen Funde aus dem Jahr 1953 brachten sie auf die Idee, eine Fernsehshow unter dem Namen „Diving for Roman Plunder“ zu drehen. Dafür baggerte das Team einen Teil des Wracks aus, um weitere Artefakte für die Kameras aufzudecken.

Ein Grabungsfoto aus dem Jahre 1953 (links) und 2016 (rechts).

Mehr als 30 Jahre später …

Im Oktober 2012 war die Begeisterung groß, als erneut ein Projekt („Return to Antikythera„) zur Untersuchung des Wracks gestartet wurde. Ein Team aus Tauchern der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) und des Hellenic Ephorate of Underwater Antiquities, ausgestattet mit hochauflösenden Videokameras, umrundete die Insel in acht Einsatztagen.

Tauchern der Woods Hole Oceanographic Institution beim Bergen einer Amphore.

In etwa 40 Metern Tiefe entdeckten sie weitere weit verstreute Artefakte. Dazu gehören teils intakte Keramikgefäße, Schiffsanker und ein rätselhaftes Bronzeobjekt. Weitere hunderte Objekte vermutet das Team noch vergraben im Meeresboden.

Seit September 2014 nehmen die Forscher an dem Standort weitere Untersuchungen mit autonomen Robotern, Kameras und Sonar vor. Für die folgenden Ausgrabungen, die von speziell ausgebildeten technischen Tauchteams geleitet wurden, kartierten sie die Fundstelle genau.

3D-Video des fragmentierten Ankers.

Das wohl faszinierendste Objekt des Wracks …

Während große kunstvoll gearbeitete Statuen den Betrachter auf den ersten Blick faszinieren, ist eine kleine unscheinbare Bronzescheibe viel mysteriöser. Mit Löchern durchsetzt und dem Bild eines Stieres versehen, ist dieses Objekt, das wohl faszinierendste des Wracks. „Es ist völlig unklar, wofür die Scheibe verwendet wurde“, sagt Expeditionsleiterin Aggeliki Simossi.

Die Marmorstatue eines jungen Mannes.

Eine der vier 1900 entdeckten Pferdestatue.

„Es ist vielleicht eine Dekoration für Möbel oder ein Siegel, oder es könnte ein Instrument sein“, sagte sie. „Aber es ist noch zu früh, etwas zu sagen.“

Es erinnert vor allem an den Antikythera-Mechanismus: Eine kleine Bronzescheibe, die Himmelsbewegungen mit beeindruckender Genauigkeit misst. Der Mechanismus ist so genau, dass er oft als „antiker Computer“ bezeichnet wird.

Eine durchlochte Bronzescheibe mit dem Bild eines Stieres.

Ein Schiff beladen mit Luxusgütern der besonderen Art

Bislang ergaben die Ausgrabungen Keramikgefäße, Öllampen, Goldschmuck, Silber- und Bronzemünzen, Bronzestatuetten, feine Glasobjekte, Elemente von Marmorskulpturen und sogar menschliche Skelettreste.

Ein Video der menschlichen Oberschenkelknochen.

Außerdem entdeckten die Taucher Komponenten des Schiffes, darunter mehrere über einen Meter lange Bleianker und ein Bronze-Rigging-Ring mit noch angebrachten Holzfragmenten. Der Streuradius sowie die enorme Größe der Anker und der geborgenen Rumpfplanken beweisen, dass das Antikythera-Schiff mit 50 Metern Länge viel größer war als bisher angenommen.

„Die Beweise zeigen, dass dies das größte antike Schiffswrack ist, das je entdeckt wurde“, sagt Brendan Foley von der WHOI. „Es ist die Titanic der Antike.“

Taucher bei der Ausgrabung und Dokumentation von Funden.

Die Titanic der Antike

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Die Archäologen fanden auch einen schönen intakten Tischkrug, ein Teil einer Kline (eine Art Bett) und vor allem einen zwei Meter langen Bronzespeer. Er war direkt unter der Sandoberfläche vergraben und viel zu groß und schwer, um als Waffe benutzt worden zu sein. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass der Speer zu einer riesigen Statue gehörte. Diese stellte vermutlich einen Krieger oder die Göttin Athena dar.

Marmorstatue der Athena.

Und die Spekulationen gehen weiter: Die im Jahre 1901 entdeckten vier riesigen Marmorpferde sollen ein Teil eines Statuenkomplexes gewesen sein. So soll die Gruppe aus einen Krieger beziehungsweise der Göttin Athena in einem von vier Pferden gezogenen Wagen bestanden haben.

Das Schiffswrack datiert zwischen 70 und 60 vor Christus und soll die Luxusgüter von der Küste Kleinasiens nach Rom transportiert haben. Antikythera liegt in der Mitte dieser Schifffahrtsroute und so sank das Schiff wahrscheinlich, als ein heftiger Sturm es gegen die steilen Klippen der Insel schmetterte.

Ein 2 Meter langer Bronzespeer nach der Restaurierung.

Erfahren Sie mehr über Antikythera im Video …