„Die Tür wird zugeschweißt“ – Die Realität der chinesischen Null-Covid-Politik

Von 3. Februar 2021 Aktualisiert: 3. Februar 2021 19:34
Die WHO ist aktuell in China. Ob die Expertengruppe die wahren Zustände wie in Tonghua zu sehen bekommt, ist fraglich. Denn Beamte werden bestraft, wenn sie COVID-19-Fälle melden – aber nicht, wenn Bewohner verhungern.

Dieser Artikel ist der Text zum Video: „Tonghua: Wie die Null-Covid-Politik in China aussieht“ vom Youtube-Kanal „Leas Einblick“.

Es ist nun ein Jahr her, seitdem das neuartige Coronavirus in der zentralchinesischen Stadt Wuhan ausgebrochen ist. Und noch immer versucht die chinesische Führung, sich als Held im Kampf gegen das Virus darzustellen.

Die WHO hat nun endlich eine Expertengruppe nach China geschickt mit der Aufgabe, die Herkunft des Coronavirus in Wuhan ausfindig zu machen. Und gleich am Anfang ihres offiziellen Besuchsprogramms in China stand der Besuch einer Ausstellung auf dem Programm. Eine Ausstellung darüber, wie China über das Virus siegte.

Ob die Experten von der Ausstellung beeindruckt sind, wissen wir noch nicht. Was uns allerdings bekannt ist, dass viele Chinesen und auch westliche Politiker tatsächlich davon überzeugt sind, dass das Virus in China besiegt wurde. Und das alles dank des blitzschnellen Handelns von Chinas „Null-Covid-Politik“.

Wohin diese „Null-Covid-Politik“ führt, zeigt der aktuelle Lockdown der Stadt Tonghua im Nordosten Chinas.

400.000 Menschen eingesperrt: „Die Tür wird zugeschweißt“

Die Stadt Tonghua befindet sich im Nordosten Chinas. Seit Mitte Januar wurde ein Teil dieser Stadt als Hochrisikogebiet eingestuft. Das hat zur Folge, dass 400.000 Menschen in der Stadt ihre Wohnungen nicht mehr verlassen dürfen.

„Achtung, alle Einwohner! Bleibt zu Hause. Die Tür wird zugeschweißt. Achtung! Verlasst die Wohnungen nicht. Die Tür ist zugeschweißt.“

Damit sich das Virus nicht verbreitet, werden Menschen kompromisslos eingesperrt. Die Absperrmaßnahmen sind so extrem, dass sämtliche Türen der Wohnhäuser versiegelt oder zugeschweißt wurden.

Die Einwohner der Stadt Tonghua sitzen zu Hause fest. Die Nahrung wird immer knapper; den Babys fehlen Milchpulver, Kranken Medikamente, ganz zu schweigen von Damenhygieneartikeln. Diese stehen noch nicht einmal auf der Liste der Notlieferungen. Keiner weiß, woher man sie bekommt – noch nicht einmal das medizinische Personal.

Wer Glück hat, fragt bei Nachbarn, die Rationen auf Vorrat haben könnten.

Wie dieses Video zeigt, benutzt ein Bewohner aus einem höheren Stock eines Hauses ein Seil, um eine Tüte mit Lebensmitteln von einem Nachbar nach oben zu ziehen.

Im Grunde genommen, können die Menschen Lebensmittel nur noch online oder bei der Verwaltung bestellen. Jeder Haushalt bekommt eine feste Portion an Gemüse und Instant-Nudeln. Wenn das Gemüse nicht mehr verfügbar ist, bekommt jeder Haushalt vier Packungen Instant-Nudeln.

Wann die nächste Lieferung kommt, ist reine Glückssache

Viele Einwohner beklagen, ihre Bestellungen seien nach fünf Tagen immer noch nicht da. Aus der Not heraus haben manche sogar angefangen, ihre Haustiere zu essen. Im Internet hat ein Mann Fotos von seiner Schildkröte gezeigt, die gerade gekocht wurde.

Ein Anderer beklagte im Internet, dass er fast 10 Tage lang gehungert hat. Sein Post wurde schnell gelöscht und es hat nicht lange gedauert, bis ihn die Polizei gefunden und festgenommen hat. Er wurde beschuldigt, falsche Informationen verbreitet und somit dem Image der Behörden geschadet zu haben. Der Mann muss 10 Tage in Haft sitzen. Das ist Glück im Unglück – denn im Gefängnis bekam er zumindest etwas zu essen.

Auch das ist typisch für China: Anstatt Lösungen für die Probleme zu finden, werden Menschen, die die Probleme ansprechen, schnell mundtot gemacht.

Die Behörden haben eine Belohnung von 5.000 Yuan (etwa 640 Euro) für jeden ausgesetzt, der Verstöße entdeckt und verrät. Denunziation wird offen gefördert.

Aus Angst vor Strafe trauen sich immer weniger Menschen, Fotos und Videos über ihre miserablen Zustände im harten Lockdown im Internet zu veröffentlichen. Stattdessen schreien die Bewohner in einem ganzen Wohnblock laut nach Hilfe, wie dieses Video zeigt. „Wir brauchen was zu essen“, rufen die Bewohner eines Wohnkomplexes. Für die Polizei ist es in diesem Fall schwierig, einzelne Personen dafür haftbar zu machen.

Beamte bestraft wegen COVID-19-Fällen – aber nicht, wenn Bewohner verhungern

Seit dem Ausbruch von Covid-19 in Tonghua am 12. Januar sind inzwischen 203 Personen positiv getestet worden, eine ist gestorben. 14 Beamte der Lokalregierung wurden bestraft.

Nachdem die Stadt alle 400.000 Einwohner bereits dreimal auf Covid-19 getestet hat, haben die Behörden vor drei Tagen erneut angefangen, hochgefährdete Einwohner zu testen. Warum reagiert die Stadt Tonghua gleich mit einem extrem harten Lockdown? Und warum wird so ein großer Aufwand betrieben?

Zum einen liegt es an Chinas „Null-Covid-Politik“. Die Beamten der Lokalregierung müssen dafür haften, wenn sie nicht in der Lage sind, das Virus im Griff zu haben. Sie würden ihren Posten verlieren. Wenn aber die Menschen, die eingesperrt sind, aufgrund mangelnder Versorgung verhungern, an anderen Krankheiten sterben oder sogar aus Verzweiflung Selbstmord begehen, werden die Beamten dafür nicht zur Rechenschaft gezogen. Der hohe Druck von oben und die Angst vor einer Degradierung in der eigenen Karriere erklären den Grund, warum die Lokalregierungen lieber auf harsche Maßnahmen zurückgreifen.

Zum Zweiten können sich die Beamten mit vielen Tests und strengen Kontrollmaßnahmen besser herausreden, wenn sie es doch nicht schaffen, die Infektionswelle zu stoppen. Ihren Vorgesetzten und der Öffentlichkeit gegenüber können sie dann sagen: Schaut, wir haben unser Bestes getan.

Zum Dritten ist der Corona-Test ein profitables Geschäft. Die Testgebühr liegt zwischen 10 und 35 Euro pro Test in China. Wenn einer sich selbst in China testen lassen will, muss er privat bezahlen. Wenn der Test durch die Verordnung einer Lokalregierung durchgeführt werden soll, übernimmt die Krankenversicherung die Kosten.

Wenn wir uns den steigenden Aktienkurs des chinesischen Unternehmens BGI Genomics anschauen, die Corona-Tests produzieren, werden wir sofort erkennen, wie lukrativ das Geschäft mit dem Corona-Test ist.

Vor einem Jahr lag der Aktienkurs von BGI Genomics bei etwa 88 Yuan, danach steigt der Wert steil nach oben.

Laut einem chinesischen Pressebericht gibt es in China zurzeit 8.437 medizinische Institute, die berechtigt sind, PCR-Tests durchzuführen. Im letzten März gab es nur etwas mehr als 2.000 Institute, die solche Corona-Tests machen konnten.

Sind die Tests zuverlässig?

Inzwischen sind auch viele verschiedene Testmethoden entstanden. Wie zum Beispiel 5-in-1 und 10-in-1 Methoden. Das heißt, es werden dabei 5 bis 10 Prüfstifte in ein Prüfröhrchen gesteckt. Wenn das Prüfergebnis von einem Prüfröhrchen positiv anzeigt, dann werden diese fünf Personen erneut getestet.

Eine Videoaufnahme über den Corona-Test in einer chinesischen Schule vom letzten August zeigt, wie das medizinische Personal jedem Kind einen Prüfstift in den Mund steckt und dann jeweils fünf Stifte in ein Prüfröhrchen einführt. Dabei hört man, wie ein Erwachsener, der nicht im Bild zu sehen ist, voller Entsetzen fragt, ob diese Art von Test zuverlässig ist. Empört fragt er, ob es bei dem Test nur um eine Show gehe, um Geld zu kassieren.

Eine Beamtin der chinesischen Gesundheitsbehörde sagte in einem Interview mit der chinesischen Presse, mit der 10-in-1 Testmethode sei China in der Lage, 100 Millionen Menschen an einem Tag zu testen.

Mit solchen Methoden hat die Stadt Shijiazhuang Anfang Januar über 10 Millionen Einwohner innerhalb von 4 Tagen getestet. Innerhalb von zwei Wochen wurden sämtliche Einwohner in Shijiazhuang dreimal getestet.

Entwürdigende Anal-Tests

Neben der Erhörung der Prüfkapazität hat China weitere neue Testmethoden entwickelt. Die neuste Methode heißt: Anal-Test. Corona-Tests werden per Anal-Abstrich vorgenommen. Für die Testperson ist dies eine demütigende und menschenunwürdige Methode. Ein Koreaner wurde nach der Einreise in China aufgefordert, einen Anal-Test zu machen.

Empört lehnte er den Test ab und wandte sich an die koreanische Botschaft in China. Mit der Hilfe koreanischer Diplomaten konnte er eine andere Art von Corona-Test machen. Alle anderen chinesischen Fluggäste, die mit derselben Maschine gelandet sind, haben den Anal-Test ohne Widerstand machen lassen.

Vorbild China?

Ich erinnere mich an einen Videobeitrag von einer China-Korrespondentin einer deutschen Zeitung, in dem die Selbstdisziplin und die verständnisvolle Kooperation der chinesischen Bürger als Erfolgsformel beim Kampf gegen das Coronavirus in China dargestellt wurde.

In China sind die Bürger entsetzt, wenn sie über die Anti-Corona-Proteste in Europa lesen. Aufgrund jahrelanger Gehirnwäsche glauben wirklich viele Chinesen daran, dass die Regierung es nur gut mit ihnen meint. Selbst wenn sich einige gegen die Staatsgewalt wehren wollten, würden die meisten Klagen auch nicht in die Tat umgesetzt werden – einfach, weil sie wissen, wie brutal Chinas Staatsapparat vorgehen kann.

Menschen im Westen, die China als Benchmark nehmen wollen, müssen an sich das Gesamtbild Chinas kennen. Wer China als Vorbild nehmen möchte, dem möchte ich vorschlagen, dort ein paar Jahre wie ein ganz normaler Bürger zu leben. Denn das ist der beste Weg, das sozialistische System mit vollen chinesischen Charakterzügen kennenzulernen.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.

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