FAZ-Analyse: „Informierte Öffentlichkeit“ ist so stark von allgemeinem Vertrauen erfüllt wie noch nie zuvor

Von 22. Januar 2019 Aktualisiert: 22. Januar 2019 14:21
Vertrauen Gebildete stärker in Politik, Medien oder NGOs als der Normalbürger, weil sie besser informiert sind – oder nur, weil diese mit ihnen eine Filterblase teilen? Das Edelman Trust Barometer 2019 stellt eine immer stärkere Diskrepanz in der öffentlichen Wahrnehmung fest.

Pünktlich zum Weltwirtschaftsgipfel in Davos hat die US-amerikanische Kommunikationsagentur Edelman die Ergebnisse ihrer mittlerweile 19. Studie zum „Edelman Trust Barometer“ vorgelegt. Dazu befragte die Einrichtung, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) mitteilt, etwa 33 000 Personen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren aus 27 Ländern.

Die Resultate, die Sven Astheimer für die FAZ analysiert, lassen einen eindeutigen Trend erkennen: Die sogenannte „informierte Öffentlichkeit“ ist so stark von allgemeinem Vertrauen erfüllt wie noch nie zuvor. Waren es 2012 weltweit erst 54 Prozent derjenigen, die über einen Hochschulabschluss verfügen, ein überdurchschnittliches Einkommen beziehen sowie regelmäßig und in höherer Frequenz Medien und Nachrichten konsumieren, die von sich behauptet hatten, Institutionen grundsätzlich zu vertrauen, sind es mittlerweile 65 Prozent.

Mit 60 Prozent unter den Akademikern liegt Deutschland dabei europaweit im Spitzenfeld, weltweit ist das Vertrauen der „informierten Öffentlichkeit“ in der Volksrepublik China (88 Prozent) und in Indien (83 Prozent) am höchsten. Unter deutschen Akademikern glauben immerhin 38 Prozent, dass die Zukunft Positives für sie bereithält. Zudem vertrauen in Europa dem Edelman-Barometer zufolge 60 Prozent aller Befragten den traditionellen Medien – hingegen nur 34 den sozialen.

„Bedarf nach solider Einordnung“

Diese Entwicklung, die in Deutschland mit 68 zu 32 Prozent noch eindeutiger sei, habe nicht zuletzt mit den „Datenskandalen“ um Facebook und Berichten über Wahlmanipulationen zu tun – über die traditionelle Medien berichtet hatten. Wie die FAZ unter Berufung auf Edelman-Manager Ernst Primosch erklärt, sei ein „Bedarf nach solider Einordnung in einer Welt, die viele Menschen als zunehmend komplexer empfinden“, vorhanden. Der Wunsch nach mehr Informationen habe global um volle 22 Prozentpunkte zugelegt, in Deutschland um 18 Punkte.

Der Wermutstropfen aus Sicht des FAZ-Analysten: Nicht alle wollen dem Zukunftsoptimismus der akademisch Gebildeten folgen. Die einfache Bevölkerung sei systemkritischer und skeptischer denn je. Zwar ist in der „breiten Öffentlichkeit“, die der „informierten“ gegenübergestellt wird, der globale Gesamtpunktewert im Vertrauensindex 2019 auf 49 Prozent gestiegen, was einem Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Diesen Wert hatte es jedoch auch 2016 schon einmal gegeben und in den Jahren seit 2012 lag dieser nie darüber, sondern bewegte sich stets im Korridor zwischen 45 und 49 Prozent.

Der prozentuale Abstand zwischen Akademikern und Normalbürgern ist somit von nur neun Prozent vor sieben Jahren auf 16 Prozent angewachsen. Zwar sei das Zutrauen der Menschen in die Wirtschaft, in Nichtregierungsorganisationen und die Medien leicht gewachsen. „Besorgniserregend“ sei jedoch der Vertrauensrückgang für die deutsche Politik um drei Punkte auf 40 Prozent der Befragten, so die Autoren. Im Ländervergleich rutsche Deutschland damit von Platz 19 auf 21 ab.

Größtes Vertrauen in der Volksrepublik China?

Mit 76 Prozent sei das Vertrauen einer breiten Bevölkerung in die Institutionen in der Volksrepublik China am größten – wobei der Umstand, dass es sich bei dem Land um eine totalitäre Diktatur ohne Medienfreiheit und mit einem immensen Aufwand für soziale Kontrolle handelt, nicht in die Tiefe Erörterung findet. In Indien, wo die Äußerung von Misstrauen gegenüber der Obrigkeit in Interviews weniger risikobehaftet sein dürfte, vertrauen immerhin noch 66 Prozent der Befragten aus der breiten Bevölkerung ihren Institutionen.

In Deutschland beträgt der Anteil unter der Normalbevölkerung mit 42 Prozent ganze 18 Prozent weniger als jeder der Akademiker. Einen noch größeren Abstand gibt es nur in Großbritannien (64:40) und Kanada (74:54). Generell unterdurchschnittliche Werte hinsichtlich des Vertrauens in Institutionen weisen beispielsweise Irland (48:41), Spanien (47:39) und Russland aus, wo unter Akademikern nur 35 und in der Normalbevölkerung sogar nur 28 Prozent ihren Institutionen vertrauen.

Insgesamt genießen die Arbeitgeber mit 75 Prozent das höchste Vertrauen, mit 57 Prozent und damit einem deutlichen Abstand liegen NGOs an zweiter Stelle, die Wirtschaft folgt mit 56 und die Medien mit 47 Prozent.

Politische Projekte könnten mehr Schaden anrichten als Automatisierung

Der zunehmende Abstand zwischen Bildungsbürgertum und Normalbevölkerung bezüglich des Vertrauens in die Institutionen zeuge von einem Auseinanderdriften der Gesellschaften. „Die breite Öffentlichkeit bleibt zurück“, erklärt Primosch gegenüber der FAZ. „Hier muss die Kommunikation verbessert werden, um die Unterstützung der Mehrheit nicht zu verlieren.“

In der breiten Bevölkerung glauben nur 26 Prozent, dass es ihnen und ihrer Familie in den kommenden fünf Jahren besser gehen werde. Deutschland steht mit diesen Werten nicht allein. Am häufigsten werden Ängste wie jene angeführt, mit der technologischen Entwicklung nicht schritthalten zu können oder im Wege von Automation und Innovation ersetzt zu werden. Bis dato lässt sich ein solcher Effekt jedoch nicht beobachten – in den am stärksten automatisierten Industrieländern wie Japan, Deutschland oder den USA ist die Arbeitslosigkeit verhältnismäßig niedrig.

Was nicht explizit abgefragt wurde, aber möglicherweise noch stärker den Wohlstand und die Zukunftschancen der Menschen beeinflussen könnte, sind ideologisch motivierte politische Entscheidungen mit potenziell gravierenden praktischen Folgen.

Ein Beispiel dafür nannte jüngst Volkswagen-Aufsichtsratschef Dieter Pötsch. Er erklärte gegenüber der „Welt am Sonntag“, dass die von der Politik forcierte „Mobilitätswende“ und der damit verbundene Zwang zum Umstieg auf Elektroautos insbesondere im Kleinwagensegment erhebliche Preiserhöhungen zu erwarten seien.

Menschen mit niedrigen Einkommen dürften sich demzufolge künftig die Frage stellen, ob sie sich ein Auto überhaupt noch leisten können. Diesbezüglich und auch hinsichtlich der möglichen Folgen für den Arbeitsmarkt seien „unseres Erachtens die unvermeidlichen Folgewirkungen einer politischen Entscheidung nicht angemessen berücksichtigt worden“.

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Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.