#MeToo: Alice Schwarzer stellt Ski-Legende Moser-Prölls Glaubwürdigkeit infrage – und macht selbst unwahre Angaben

Von 7. Februar 2019 Aktualisiert: 7. Februar 2019 13:23
Österreichs Ski-Legende Annemarie Moser-Pröll nimmt ihre früheren Trainer und Teamkollegen gegen Missbrauchsvorwürfe in Schutz. Und brachte in einem Interview nun auch Alice Schwarzer ins Spiel. Diese habe sie damals für ihre feministischen Kampagnen einspannen wollen.

Seit Dienstag läuft im schwedischen Åre die noch bis zum 17. Februar andauernde 45. Alpine Ski-Weltmeisterschaft. In sechs verschiedenen Disziplinen werden dort insgesamt 33 Medaillen vergeben. Am Mittwoch hat Vincent Kriechmayr im Super G der Herren mit Silber die erste Medaille für die stolze Wintersportnation Österreich geholt.

Der 140 000 Mitglieder starke Österreichische Skiverband (ÖSV) steht unterdessen nicht nur im Mittelpunkt des sportlichen Interesses. Vielmehr wirkt der Skandal immer noch nach, der durch  die frühere Rennläuferin Nicola Werdenigg im November 2017 unter dem Eindruck der sogenannten #MeToo-Debatte ausgelöst wurde.

Werdenigg hatte damals gegenüber der linksgerichteten Tageszeitung „Der Standard“ behauptet, unter dem Dach des ÖSV und unter der Oberfläche des österreichischen Skirennsports hätten sich Abgründe aufgetan aus sexualisierter Gewalt, entwürdigendem Verhalten, Erpressung und sogar Pädophilie. Trainer, Betreuer und Mannschaftkollegen seien involviert gewesen – ein Heimleiter an einem Ski-Internat habe sogar schon kleine Jungen mit Pornografie konfrontiert.

Sollte Kompromat gewonnen werden? Sailer schon 1974 in Polen festgenommen

Das Interview Werdeniggs löste eine Kettenreaktion aus. Weitere frühere Teamkolleginnen meldeten sich in Medien zu Wort und bald erreichten die Vorwürfe sogar Säulenheilige des österreichischen Skisports wie den langjährigen Trainer Karl Kahr und den 2009 verstorbenen mehrfachen Sportler des Jahres in Österreich, Toni Sailer.

Bereits 1974 war Sailer in der damaligen Volksrepublik Polen von der Polizei festgenommen worden, weil er an einem Weltcup-Slalomwochenende unter Alkoholeinfluss zusammen mit zwei Mittätern eine polnische Prostituierte vergewaltigt und verletzt haben soll. Gegen die Zahlung einer Kaution wurde er freigelassen, später stuften die polnischen Behörden den Vorfall als Körperverletzung ein und stellten das Verfahren ein. Sailer bestritt die Vorwürfe und sprach von einer „Falle“. Inszenierte Sexskandale mit Politikern, Wirtschaftstreibenden und Prominenten aus nichtsozialistischen Staaten galten in jener Zeit als beliebtes Mittel der Ostblock-Geheimdienste, um Erpressungspotenzial, sogenanntes Kompromat, zu schaffen oder Zugeständnisse zu erzwingen.

Die Debatte, die Werdenigg ausgelöst hatte, geriet schnell außer Kontrolle und wurde zum ideologischen Kampf zwischen links und rechts und zwischen Stadt und Land aufgeladen. Die einen lobten Werdenigg dafür, wie einst Autor Franz Innerhofer der mit seinem Buch „Schöne Tage“ den Mythos von der heilen Welt des Landlebens zertrümmert hätte, nunmehr dem in Österreich so glorifizierten alpinen Skizirkus die Maske vom Gesicht zu reißen.

Die anderen sprachen von Nestbeschmutzung, nahmen vor allem daran Anstoß, dass Toni Sailer sich gegen die Vorwürfe nicht mehr zur Wehr setzen könne oder warfen Werdenigg und den anderen Belastungszeuginnen vor, lediglich Publicity zu suchen. Strafrechtlich sind die Vorwürfe alle verjährt, sie reichen allesamt in die 1960er und 1970er Jahre zurück.

„Was wir damals in einer Saison getrunken haben, trinken die Jungen heute auf einer Party“

Zu den Ersten, die sich mit den Angegriffenen in der Öffentlichkeit solidarisierten, gehörte die mehrmalige Weltcupsiegerin und Weltmeisterin sowie Olympiasiegerin Annemarie Moser-Pröll. Sie betonte in mehreren Interviews, es habe zwar stets einen hohen Leistungsdruck und manchmal einen rauen Umgang gegeben, aber von Vergewaltigungen oder Missbrauchsattacken habe sie nichts mitbekommen.

Auch jüngst erklärte die frühere Rennläuferin in der „Tiroler Tageszeitung“ (TT), die Vorwürfe hätten keinerlei Substanz und entbehrten auch jedweder Logik:

Jeder musste Leistung bringen, um aufgestellt zu werden. Wir haben uns gegenseitig gepusht, deshalb auch die Erfolge. Und wenn von Alkohol geredet wird: Jeder kann sich vorstellen, dass keine Spitzenleistungen möglich sind, wenn Alkohol im Spiel ist. Was wir damals in einer Saison getrunken haben, trinken die Jungen heute auf einer Party.“

Auch am ersten Tag des Privatanklage-Prozesses wegen übler Nachrede, den der mittlerweile 86-jährige Kahr gegen eine ehemalige Athletin und deren Ehemann wegen der Missbrauchsvorwürfe angestrengt hatte und der zurzeit in Bludenz stattfindet, nahm Moser-Pröll Kahr in Schutz und bestritt die Darstellung der Angeklagten, Kahr hätte die spätere Weltklassesportlerin im Alter von 15 Jahren zum Geschlechtsverkehr genötigt.

Nie das Gefühl einer Benachteiligung

Moser-Pröll äußerte die Einschätzung, die Kampagne gegen die ÖSV-Granden früherer Jahre sei „von langer Hand geplant“ gewesen und #MeToo sei da gerade zur rechten Zeit gekommen. Auch habe es einen zeitlichen Zusammenhang zu den Vorwürfen des Ex-Grünen Peter Pilz gegeben, der kurz zuvor mit einer eigenen Liste ins Parlament eingezogen war. Die ehemalige Rennläuferin sieht keinerlei Anlass, die Integrität ihrer früheren Teamkollegen und Trainer in Zweifel zu ziehen und erklärt: „Unsere Helden sollen auch unsere Helden bleiben!“

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Mittlerweile hat die Debatte um die Begleitumstände des österreichischen Skisports der 1960er und 1970er Jahre auch Deutschland erreicht. Dies deshalb, weil Annemarie Moser-Pröll in ihrem Interview mit der TT auch die bekannte deutsche Feministin Alice Schwarzer ins Spiel gebracht hatte. Ihre Einschätzung, wonach die #MeToo-Debatte langsam aber sicher entgleite, illustrierte sie mit der Aussage:

Als ich 1971 an die Weltspitze fuhr, bekam ich jeden Monat von Alice Schwarzer einen Brief. Sie suchte Prominente, damit sie in Sachen Gleichberechtigung unterstützt wird. Ich machte nicht mit, weil ich nie das Gefühl hatte, dass ich irgendwo benachteiligt wurde. Schön langsam tun mir die Männer leid.“

Die Genannte war wenig erbaut über die Aussage und vor allem darüber, dass Moser-Pröll ihren Namen in einem solchen Zusammenhang nannte. In einem offenen Brief bezichtigte Schwarzer die ehemalige Rennläuferin der Lüge und bestritt, in der von Moser-Pröll genannten Zeit brieflichen Kontakt zu Prominenten gesucht zu haben. Schwarzer erklärte:

1971 war ich ganze 28 Jahre alt, lebte in Paris und hatte gerade erst gelernt, dass man Feminismus mit F schreibt.“

Mit Rosi Mittermaier verwechselt

Moser-Pröll hätte sie zudem gar nicht gekannt, weil sie sich kaum für Sport interessiert hätte. Nur in einer Samstagabendshow mit Joachim Fuchsberger in den 1980er Jahren habe sie die Athletin getroffen. Die aus ihrer Sicht unwahren Angaben Moser-Prölls würden Rückschlüsse auf die Glaubwürdigkeit von deren Aussagen in der Sache selbst erlauben, meint Schwarzer:

Liebe Annemarie Moser-Pröll, Sie kennen sicherlich die Volksweisheit: Wer einmal lügt … Ja, wer einmal lügt.“

Moser-Pröll erklärte auf Nachfrage von Medien, die Briefe aus den 1970er Jahren nicht aufgehoben zu haben. Sie bleibe jedoch bei ihrer Darstellung, erklärt sie gegenüber „oe24“. Unterdessen heißt es in oe24, dass sich an den Aussagen Schwarzers ihrerseits Ungereimtheiten ergeben hätten.

So hatte die spätere „Emma“-Herausgeberin 1971 eine über den „Stern“ geführte Aktion koordiniert, im Zuge derer sich 374 Frauen, unter ihnen zahlreiche Prominente, öffentlich dazu bekannt hatten, einen nach damaligem Recht verbotenen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen.

Außerdem habe es keinen gemeinsamen Fuchsberger-Auftritt Schwarzers und Moser-Prölls gegeben, lediglich einen mit der deutschen Rennläuferin Rosi Mittermaier. Dies habe das SWR-Archiv Moser-Pröll gegenüber bestätigt.

Schwarzer, so Moser-Pröll, sei gar nicht in der Lage, eine seriöse Einschätzung zu den damaligen Verhältnissen abzugeben:

Ich glaube, Alice Schwarzer in Deutschland kann nicht abschätzen, was bei uns in Österreich abgelaufen ist. Mehr will ich dazu gar nicht sagen.“

Am heutigen Donnerstag wird in Bludenz die Aussage einer Frau erwartet, die gegenüber dem „Spiegel“ erklärt hatte, von Toni Sailer vergewaltigt worden zu sein. Kahr sei an jenem Tag dabei gewesen. Auch Nicola Werdenigg soll erstmals im Rahmen des Verfahrens als Zeugin aussagen.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.
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