Reisen zu Corona-Zeiten – da kann man was erleben!

Von 24. April 2021 Aktualisiert: 24. April 2021 16:19

So schnell ändern sich die Zeiten. Es gab sie, die Jahre, da man in der EU problemlos hin- und her reisen konnte. Sobald das Flugzeug gelandet war, spielte nur ein Rolle, wie schnell man beim Aussteigen war und am Gepäckband seinen Koffer bekam. Dann war man schon weg.

In Corona-Zeiten wird dafür gesorgt, dass die Passagiere, die im Flugzeug sitzen, noch möglichst lange eng gedrängt beieinanderbleiben, in einer Schlange, die vom Flugzeuginneren bis zu den Polizeibeamten reicht, die das kürzlich erfundene „Einreiseformular“ kontrollieren. Darin muss man angeben, wohin man sich in Quarantäne genannte Einzelhaft begibt.

Den vorgeschriebenen Abstand kann niemand einhalten. Das ging schon im Flugzeug nicht und jetzt auch nicht, denn einen 1,5m Abstand Schlange würde sich durch den halben BER winden, theoretisch jedenfalls. Die Formulare waren im Flugzeug verteilt worden und wurden von allen ausgefüllt, die es nicht, wie ich, schon online gemacht hatten.

Unser Flug von Teneriffa Süd war ruhig verlaufen, sogar heiter, jedenfalls dort, wo die vielen Babys, die an Bord waren, aufeinander zukrabbelten und sich bekannt machten. Eine Stewardess, die wie ihre Kolleginnen nicht mehr viel zu tun hat, denn Bordservice ist gestrichen, übte begeistert mit einem der Krabbler das richtige Laufen.

Nun mussten die Mütter mit ihren Säuglingen im Arm endlos warten, denn wer hinten gesessen hatte, war zuletzt dran. Nur die Crew wurde an den Wartenden vorbeigelotst.

Nach endlosen zwanzig Minuten oder stand ich vor einem der Bundespolizeibeamten. Nachdem er das Bild auf meinem Handy kontrolliert hatte, musste er sich noch überzeugen, dass ich wirklich ich war. Nach einem Blick in meinen Pass gab er sich zufrieden. Ich hatte überlegt, ob ich das Zauberwort Asyl aussprechen sollte, um das Verfahren zu beschleunigen, aber so braun bin ich auf den Kanaren nicht geworden, als dass ich damit Erfolg gehabt hätte.

Immerhin musste ich nicht auf meinen Koffer warten, das Gepäck kreiste seit geraumer Zeit auf dem Band.

Wir waren um 22.30 pünktlich auf dem BER gelandet. Auf der Hinfahrt war ich beeindruckt vom Tempo des FEX gewesen, der mich in 20 Minuten von Berlin-Gesundbrunnen zum BER gebracht hatte. Also schlug ich das Taxi-Angebot aus und begab mich hoffnungsfroh zum Tiefbahnhof.

Da sollte um 23.15 ein FEX abfahren, leider nur bis Ostkreuz, aber von dort ist man mit der S-Bahn auch schnell in Berlin-Pankow. Aber dieser FEX kam nicht. Es hätte ein Problem mit einem anderen Zug gegeben, wurde uns mitgeteilt „Wir bitten für eventuelle Unannehmlichkeiten um Entschuldigung“.

Naja, der nächste FEX war für 23.34 angekündigt. Er sollte schon um 23.27 am Bahnsteig bereitgestellt werden, kam aber nicht. Dafür las ich auf der Anzeige hinter dieser Mitteilung klein „heute 23.47“. Ich wollte gerade sauer werden, da verkündete eine angenehme Stimme, der FEX würde jetzt einfahren. Fehlanzeige, da hatte wohl jemand auf den falschen Knopf gedrückt. Dann die Mitteilung, wegen eines Weichenfehlers käme der FEX eine halbe Stunde später.

Wir Wartenden hatten schon angefangen, auf unseren Handys nach Alternativen zu suchen. Um 23.47 sollte ein S-Bahn nach Spandau abfahren. mit der bis zum Alex und dann in die U-Bahn.

Wir bemühten uns, noch rechtzeitig auf den anderen Bahnsteig zu kommen. Nicht einfach, denn die Rolltreppen im neuen BER haben schon den Geist aufgegeben. Glücklicherweise funktionierten die Fahrstühle noch, die wir bedenkenlos, ohne auf Abstandsregeln zu achten, benutzen. Niemand wollte wegen der Corona-Maßnahmen, die jede fünf Minuten verkündet wurden, noch länger auf eine Bahn warten müssen.

In der S-Bahn saßen Partygänger, brav mit FFP2-Maske, die sie ab und zu anhoben, um aus den mitgebrachten Bierflaschen einen Schluck zu nehmen und Angestellte des BER, die nach dem Ausfall des FEX nun herauszufinden versuchten, wie sie irgendwie mit der S-Bahn nach Hause kommen könnten. Eine Frau äußerte mehrmals ihre Dankbarkeit, dass sie mit ihren Kollegen zusammen fahren konnte.

Dafür schien sie sogar einen Umweg in Kauf nehmen zu wollen. Nach Mitternacht allein In Berlin unterwegs zu sein, schien sie als Problem zu empfinden. Die Truppe stieg am, Treptower Park aus, wollte in die Ring-Bahn umsteigen und zuckte zurück. Was da schief lief, konnte ich nicht mehr feststellen, denn meine Bahn fuhr los.

Am Alexanderplatz staunte ich über die gähnende Leere. Das soll der kriminelle Hotspot der Hauptstadt sein? Das war wohl in einem anderen Leben. Jetzt liegt der Alex ausgestorben wie zu DDR-Zeiten.

Ich erwischte die U-Bahn gerade so, denn sie verließ den Bahnhof zwei, drei Minuten vor der von der BVG angegebenen Zeit. Die wenigen Passagiere trugen vorschriftsmäßige Masken. Das scheint in Berlin als Einziges noch zuverlässig zu klappen.

Am Bahnhof Pankow funktionierte die Rolltreppe, dafür ging der Fahrstuhl nicht. Der Nachtbus war pünktlich, aber ich hatte mich nicht darauf verlassen, also holte er mich auf halber Strecke ein. Ich war aber nicht traurig, denn eigentlich war ich froh, nach dem langen Sitzen, etwas laufen zu können. Heutzutage muss man Koffer nicht mehr schleppen, sondern kann sie neben sich her rollen.

Als ich am Morgen den Laptop aufmachte, hatte ich schon eine E-Mail vom Gesundheitsamt, in der mir die Einzelheiten meiner Quarantäne, die ich anzutreten habe, mitgeteilt wurden. Zwar bin ich gesund und habe einen Negativ-Test, der noch keine 24 Stunden alt ist, wie alle meine Mitflieger. Aber die Gesundheitsbürokratie ist unerbittlich.

Teneriffa, das einen sehr viel niedrigeren Inzidenzwert hat, als Deutschland, ist zum Risikogebiet erklärt worden. In fünf Tagen darf ich mich noch einmal testen lassen und kann bei Negativ-Bescheid meine Isolationshaft abkürzen.

Danke, liebe Bundesregierung! Ich fühle mich so behütet und beschützt, dass ich am liebsten das nächste Flugzeug besteigen und nach Teneriffa zurückkehren würde. Das beste Deutschland, das wir je hatten, ist am besten von außen zu ertragen.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.

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