Der Streit um den Marmorschmuck des Parthenon geht in die nächste Runde.Foto: LOUISA GOULIAMAKI/AFP/Getty Images

Streit um Parthenon-Skulpturen geht in die nächste Runde: „Befreit sie aus ihrem dunklen Gefängnis“

Epoch Times31. Januar 2019 Aktualisiert: 26. April 2019 11:18
Bereits seit Beginn des Jahres streiten sich das British Museum und das Akropolismuseum um die berühmten Parthenon-Skulpturen. Die Griechen fordern die Rückgabe der griechischen Kunstgegenstände, die einst durch illegale Handlungen in die Hände des British Museum gelangt sein sollen.

Seit Langem beharrt das British Museum auf den rechtmäßigen Besitz der Parthenon-Skulpturen. Laut eigenen Angaben haben sie die Marmorplastiken legal erworben und Lord Elgin die Erlaubnis gehabt, sie nach Großbritannien zu bringen.

Das Akropolismuseum in Athen ist da allerdings ganz anderer Meinung. Laut ihnen habe Elgin weder eine offizielle Erlaubnis gehabt, auf der Akropolis zu graben, noch die Skulpturen des Parthenon abzubauen. Nun fordert der griechische Präsident eine Entlassung des Schatzes aus seinem „finsteren Gefängnis“.

15. April 2019: Griechischer Präsident fordert die Befreiung der Skulpturen „aus dem finsteren Gefängnis des British Museum“

Der griechische Präsident Prokopis Pavlopoulos forderte vergangene Woche Großbritannien auf, die Parthenon-Marmore aus dem „finsteren Gefängnis“ seines Nationalmuseums zu befreien. Sein Aufruf ist Teil einer fast 200 Jahre alten Kampagne für die Rückkehr der Skulpturen. Pavlopoulos sprach dabei von der Hoffnung, eines Tages die berühmten Plastiken in „ihrem“ Museum in Athen beherbergen zu können.

„Lasst das British Museum hierherkommen und den Vergleich zwischen diesem (Akropolis-)Lichtmuseum und dem trüben, wenn ich so sagen darf, Gefängnis des British Museum anstellen, in dem die Parthenon-Skulpturen als Trophäen aufbewahrt werden“, sagte der Präsident gegenüber Reuters.

Entwendung von Kulturgut während der Besatzung durch die Osmanen

Der britische Lord und Kunsträuber Elgin entfernte die 2.500 Jahre alten Skulpturen aus dem Parthenon in Athen während einer Zeit, in der Griechenland unter osmanischer Herrschaft stand. Seit der Unabhängigkeit Griechenlands 1832 bat das Land wiederholt um die Rückkehr seines entwendeten Kulturgutes. Mit dem Bau eines neuen Museums und einer Kampagne aus dem Jahr 2009 verstärkten sie ihre Wünsche.

In diesem Museum am Fuß der Akropolis befinden sich noch heute die Skulpturen, die Elgin einst zurückließ. Ergänzt werden sie von den Gipsabdrücken der fehlenden Stücke. „Dieses Museum kann die Skulpturen beherbergen“, sagte Pavlopoulos. „Wir kämpfen in einem heiligen Kampf um ein einzigartiges Denkmal.“

Direktor des Akropolismuseums fechtet Behauptung des British Museum an

Auf der Grundlage von Daten aus osmanischen Archiven des 19. Jahrhunderts hat der Direktor des Akropolismuseums, Dimitrios Pandermalis, die Behauptung des British Museum nun angefochten. Laut dem British Museum habe Lord Elgin einst die Erlaubnis des türkischen Sultans eingeholt und erhalten, die Parthenon-Skulpturen nach London zu bringen.

„Es gab keinen Firman – also ein sultanisches Dekret – für die Entfernung und Übergabe der Skulpturen durch Lord Elgin“, so Pandermalis in einer Ansprache. Konkret erklärte der Direktor, dass eine Untersuchung des osmanischen Archivs durch zwei türkische Experten ergab, dass Elgin nur die Erlaubnis zum Graben um die Akropolis herum erhielt. Nicht aber auf der Akropolis!

„Das Dokument, das gerettet und als Firman bezeichnet wurde, ist in Wirklichkeit kein Befehl von Sultan Selim III“, sagte Pandermalis. Es war vielmehr, sagte er, „ein Verwaltungsschreiben“ an die osmanischen Behörden in Athen, das ihm die Erlaubnis erteilte, die Erdhügel rund um die Akropolis herum zu graben. „Es gab keine Genehmigung für Ausgrabungen oder für eine Entfernung der Parthenon-Skulpturen“, sagte er.

26. Januar 2019: Direktor des British Museum äußert sich zum legitimen britischen Eigentumsrecht an den Skulpturen

Bereits im Januar 2019 äußerte sich Hartwig Fischer, deutscher Kunsthistoriker und seit 2016 Direktor des British Museum, zu Forderungen des Akropolismuseums. Dabei schloss er auch eine Möglichkeit zur „unbestimmten Ausleihe“ der Parthenon-Skulpturen an Griechenland kategorisch aus. So werden alle Ausleihen an Griechenland abgelehnt, wenn Griechenland nicht erkenne, dass die Parthenon-Skulpturen zu Großbritannien gehören.

In einem Ende Januar von der griechischen Tageszeitung Ta Nea veröffentlichten Interview sprach Fischer „über das legitime britische Eigentumsrecht an den Skulpturen“ und bezeichnete ihren Umzug nach London als „kreativen Akt“.

„Ich kann verstehen, dass die Griechen eine besondere und leidenschaftliche Beziehung zu diesem Teil ihres kulturellen Erbes haben. Und kann verstehen, dass sie alle Skulpturen in Athen sehen wollen“, so Fischer.

Die Geschichte des Monuments werde durch „mehrere Ausstellungsorte bereichert“

„Wir stellen die Parthenon-Skulpturen im Kontext der globalen Zivilisationen aus und heben Errungenschaften aus der ganzen Welt unter einem Dach hervor“, sagte er. Außerdem vertritt Fischer die Ansicht, dass die Geschichte des Monuments „dadurch bereichert wird, dass einige seiner Teile in Athen und andere in London ausgestellt sind“.

„An jedem dieser beiden Orte zeigen die Skulpturen verschiedene Aspekte einer unglaublich reichen und vielschichtigen Geschichte“, sagte Fischer. „Es ist natürlich eine Sache, die Skulpturen im Akropolismuseum gegenüber ihrem Ursprungsdenkmal auszustellen. Aber es ist auch eine andere, sie in London auszustellen.“

„Wir haben ausgezeichnete Beziehungen zu unseren Kollegen im Akropolismuseum“, sagte er, „aber das British Museum verleiht Objekte nur an diejenigen, die unser legitimes Eigentum anerkennen.“

Griechenland sei nicht der rechtmäßige Eigentümer der Skulpturen

Der Vorstand der britischen Labour-Partei Jeremy Corbyn versprach, die Skulpturen an Athen zurückzugeben, wenn er Premierminister wird. Doch Fischer hat eine andere Ansicht: „Ich denke, das ist Mr. Corbyn’s persönliche Meinung zu diesem Thema. Offensichtlich ist das weder die Haltung noch die Ansicht des Kuratoriums des British Museum.“

Was die Ansicht betrifft, dass Griechenland der rechtmäßige Eigentümer der Skulpturen ist, so antwortete Fischer: „Ich würde es nicht akzeptieren. Die Objekte sind Teil der Sammlung des British Museum und damit im treuhänderischen Eigentum des Kuratoriums des Museums.“

Das Wahrzeichen Athens: Der Parthenon auf der Akropolis

Mit 156 Metern ist die Akropolis (deutsch: Oberstadt oder Oberburg) eine der höchsten Erhebungen Athens. In der Bronzezeit befand sich hier ein mykenischer Palast und war der Sitz der Elite. Mit der Polisbildung (Stadtbildung) im 8. Jahrhundert vor Christus wurde die Akropolis zu einem reinen Heiligtum umgebaut. Wenig später erbauten die Griechen hier den ersten Vorgängerbau des heutigen Parthenon.

Im Jahre 480 vor Christus fielen die Perser in Athen ein und zerstörten die Stadt massiv. Bei ihrem Neuaufbau in den folgenden Jahren errichteten die Bürger Athens unter anderem eine neue Toranlage, sowie einen neuen Parthenon auf der Akropolis. Dieser war mit aufwendigen Giebelfiguren, sowie einem Fries aus Metopen und Triglyphen verziert.

Laut Schriftquellen soll in diesem Gebäude außerdem ein Kultbild aus Gold und Elfenbein der Stadtgöttin Athena gestanden haben. Noch heute diskutiert die Forschung viel über die mögliche Funktion des Parthenon. Die Theorien reichen von Tempeln, bis hin zu einem Schatzhaus für Tributzahlungen und Kriegsbeute.


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