Aus einer Gedenkkundgebung in Brüssel zum Tod von Ibrahima Barrie wurde eine Verwüstungsorgie.Foto: Screenshot Youtube/RT France

Brüssel: Schwere Straßenkrawalle nach Herztod von jungem Schwarzen in Polizeihaft

Von 15. Januar 2021 Aktualisiert: 15. Januar 2021 11:46
Während einer Gedenkkundgebung in Brüssel anlässlich des Tods von Ibrahima Barrie kam es zu Gewaltausschreitungen.

In Brüssel kam es am Mittwoch, 13. Januar, zu schweren Straßenkrawallen. Eine anfangs friedliche Demonstration für den am Samstag, 9. Januar, in Polizeigewahrsam gestorbenen Ibrahima Barrie, der bei einer Corona-Kontrolle von Polizisten aufgegriffen worden war, geriet am Ende außer Kontrolle.

Kundgebung mit Sondergenehmigung

Mehrere hundert Menschen hatten sich vor der Polizeistation am Nordbahnhof im Stadtteil Schaerbeek zu der Kundgebung „Gerechtigkeit für Ibrahima“ versammelt, so der belgische Rundfunk. Als gegen 16 Uhr die Stimmung kippte. Zuvor hatten unter anderem Familienangehörige von Barrie gesprochen und zu Frieden aufgerufen.

Wie die belgische Tageszeitung „Het Laatste Nieuws“ (HLN) berichtet, seien Proteste mit so vielen Menschen derzeit wegen der Coronamaßnahmen verboten. Vor Beginn der Demonstration hat die Polizei rund 100 Personen angehalten, um sie an der Teilnahme der Demonstration zu hindern.

Stadtteilbürgermeister Emir Kir (Saint-Josse-ten-Noode) gab jedoch die Erlaubnis für ein Treffen bei der Polizeistation an der Brabantstraat, die in seinem Gebiet liegt und in der sich der Vorfall um Ibrahima Barrie ereignete. Vor Ort versammelten sich schließlich etwa 400 Demonstranten.

Im Nachhinein äußerte sich Kir enttäuscht vom Ausgang der Kundgebung: „Ich möchte das friedliche Verhalten aller unterstreichen, die ihm heute Nachmittag leise gedacht haben. Ich verurteile in jeder Hinsicht das unverantwortliche Verhalten derer, die dieses Gedenken genutzt haben, um Vorfälle mit der Polizei zu provozieren und Zerstörung zu verursachen“, so Kir.

Friedliche Kundgebung wird zu Straßenschlacht

Laut einer Polizeisprecherin war es zu einer Straßenschlacht gekommen, bei der Polizisten mit „Wurfgeschossen“ angegriffen wurden. Auf eine Polizeistation wurde sogar ein Brandanschlag verübt. Gegen das Garagentor einer weiteren Polizeistation wurde ein brennender Müllcontainer gefahren.

Sechs Polizeifahrzeuge wurden demoliert, eine Straßenbahn, mehrere Bushaltestellen, eine Apotheke, mehrere Geschäfte sowie geparkte Autos beschädigt. An einem Kindergarten wurde ein Fenster eingeschlagen, in einem Geschäft Feuer gelegt.

Auch das Fahrzeug von König Philippe – erkennbar an der Nummer „1“  auf dem Nummernschild – wurde am Rande der Unruhen mit Steinen beworfen, als das Staatsoberhaupt auf dem Weg von seinem Arbeitsplatz in Brüssel zum Schloss von Laeken war.

Justizminister: Sie werden nicht davonkommen

Justizminister Vincent Van Quickenborne berichtete auf Twitter, dass die Polizei „mehr als 100 Personen festgenommen“ habe. Der Minister versicherte zudem: „Wir können unter keinen Umständen akzeptieren, was heute in Schaerbeek passiert ist. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Die Randalierer werden nicht ungeschoren davonkommen.“

Das Gericht bestätigt laut „HLN“ insgesamt 116 verhaftete Personen, darunter 30 Minderjährige.

Wie es zu Barries Tod kam

Der 23-jährige Ibrahima Barrie wurde bei einer Corona-Kontrolle am Norbahnhof von Polizisten aufgegriffen, als er dort mit mehreren anderen Personen versammelt war. Er flüchtete zunächst, wurde von der Polizei jedoch verfolgt und gegen 19 Uhr vorläufig festgenommen. Bei seiner Verhaftung hatte er drei Ecstasy-Pillen bei sich.

Berrie wurde zur Befragung zur Polizeistation Brabantstraat gebracht. Dort brach er plötzlich zusammen und verlor das Bewusstsein. Nach Angaben von Alexis Deswaef, dem Anwalt von Barries Familie, tragen die Polizisten Mitschuld am Tod des jungen Mannes: „Es dauerte zwischen fünf und sieben Minuten, bis jemand handelte. Sie hätten ihm helfen sollen, denn solange Ibrahima in Polizeigewahrsam war, war die Polizei für ihn verantwortlich.“

Schließlich wurde der Rettungsdienst alarmiert und der 23-Jährige mit guineischen Wurzeln ins Krankenhaus gebracht, wo er um 20:22 Uhr verstarb. Laut dem Anwalt würde Barrie noch leben, wenn er nicht schwarz gewesen wäre.

Laut „HLN“ ergab die Autopsie einen Herzinfarkt aufgrund eines Herzfehlers. Eine toxikologische Untersuchung erbrachte keinen Drogenkonsum unmittelbar vor seinem Tod.



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