„Fedha“: Kuwaits erste Nachrichtensprecherin aus künstlicher Intelligenz

Das Medium „Kuwait News“ geht neue Wege und lässt seit dem Osterwochenende eine virtuelle Moderatorin die Nachrichten vorlesen. Die Reaktionen auf die KI-Frau sind gemischt.
Titelbild
Ein Journalist sieht sich ein Einführungsvideo der KI-Moderatorin „Fedha“ am 9. April 2023 auf dem Twitter-Account des Senders „Kuwait News“ an.Foto: YASSER AL-ZAYYAT/AFP via Getty Images
Von 11. April 2023

Ein kuwaitisches Medienunternehmen hat am 8. April eine virtuelle Nachrichtensprecherin auf seinem Twitter-Account vorgestellt. Die Sprecherin sei mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt worden und soll künftig Onlinenachrichten vorlesen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.

„Fedha“ erschien am Samstag auf dem Twitter-Account der Website „Kuwait News“ als eine Frau mit unbedecktem hellen Haar, die eine schwarze Jacke und ein weißes T-Shirt trägt.

„Ich bin Fedha, die erste Moderatorin in Kuwait, die mit künstlicher Intelligenz bei ‚Kuwait News‘ arbeitet. Welche Art von Nachrichten bevorzugen Sie? Lassen Sie uns Ihre Meinung hören“, sagte sie in klassischem Arabisch.

Die Website „Kuwait News“ ist mit der „Kuwait Times“ verbunden, die 1961 als erste englischsprachige Tageszeitung der Golfregion gegründet wurde. Abdullah Boftain, stellvertretender Chefredakteur beider Blätter, sagte, der Schritt sei ein Test für das Potenzial von KI, „neue und innovative Inhalte“ anzubieten.

Künftig könnte Fedha den kuwaitischen Akzent übernehmen und Nachrichten auf dem Twitter-Account der Seite präsentieren, die 1,2 Millionen Follower hat, sagte er.

„Fedha ist ein beliebter, alter kuwaitischer Name, der sich auf das Metall Silber bezieht. Wir stellen uns Roboter immer silbern und metallisch vor, also haben wir beides kombiniert“, sagte Boftain.

Das blonde Haar und die hellen Augen des Moderators spiegeln laut Boftain die vielfältige Bevölkerung des ölreichen Landes wider, die aus Kuwaitis und Auswanderern besteht. „Fedha repräsentiert jeden“, sagte er.

Twitter-Reaktionen auf „Fedha“

Das erste 13-Sekunden-Video der virtuellen Sprecherin löste eine Flut von Reaktionen in den sozialen Medien aus. Ein Twitter-Nutzer lobte die Entwicklung und meinte, man solle die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz und der Technologie nutzen, um zukünftig nicht hinterherzuhinken.

Eine andere Stimme meinte dagegen, wie verrückt die Welt mittlerweile geworden sei. Ihrer Meinung nach sei nichts mehr normal – was eine Schande sei. Eine andere Person verwies auf George Orwells Roman „1984“. Ferner gab es Leute, die das Aussehen der Sprecherin kritisierten. Demnach würde diese nicht wie eine Frau aus dem Osten aussehen, sondern eher wie eine Europäerin.

Wieder andere machten sich lustig und jemand stellte die Frage, ob die Dame noch „Single“ sei.

Kuwait ist ein Land im Nahen Osten und grenzt an den Irak und Saudi-Arabien. Der Staat ist zwar einer der kleinsten, aber auch einer der reichsten der Erde. Im Index der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen für das Jahr 2022 belegt es den Platz 158 von 180 Ländern und Territorien. Das bedeutet, die politische Lage wird dort als „sehr ernst“ eingestuft.

Erste KI-Sprecherin im Jahr 2018 in China

Der Versuch des kuwaitischen Medienunternehmens ist nicht das erste Mal, dass ein künstlicher Nachrichtensprecher eingesetzt wird.

Bereits im Februar 2018 veröffentlichte die chinesische Nachrichtenagentur „Xinhua“ ein Video, in dem die „erste weibliche KI-Nachrichtensprecherin der Welt“ namens Xin Xiaomeng vorgestellt wurde. Ihr Erscheinungsbild imitierte eine reale Nachrichtensprecherin des Unternehmens.

Später folgte ein männlicher KI-Nachrichtensprecher nach, der auch Englisch sprach, wie der KI-Experte Michael Katzlberger auf seinem Blog berichtete.

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Der Sprecher zog damals viel Spott auf sich und einige bezeichneten ihn als „digitale Marionette” und ein „Sprachrohr der chinesischen Regierung”. Der künstliche Sprecher habe gelobt, „unermüdlich” zu arbeiten, um das Publikum auf dem Laufenden zu halten. Wie „Xinhua“ zu der Zeit berichtete, sei der virtuelle Anker bereits „ein Mitglied des Berichtsteams” und in der Lage, „24 Stunden am Tag […] die Kosten für die Nachrichtenproduktion zu senken und die Effizienz zu verbessern”.

Mittlerweile sind fünf Jahre vergangen und über die weitere Entwicklung ist nichts bekannt. Doch im Zuge von Chinas Entwicklungsplan „Made in China 2025” hatten bereits im Jahr 2019 35 Universitäten die Genehmigung erhalten, vierjährige KI-relevante Studiengänge zu etablieren.

Südkorea etablierte im Jahr 2020 eine virtuelle Sprecherin

Im November 2020 startete bereits auch Südkorea einen Versuch mit einer künstlichen Nachrichtensprecherin. Der Kabelsender MBN war dort der erste Sender, in dem eine virtuelle Sprecherin die Nachrichten verlas. Die KI-Moderatorin, die einer realen Nachrichtensprecherin namens Kim Ju-ha nachempfunden ist, ist seit dem 6. November 2020 im Einsatz.

„Ich wurde durch Deep Learning aus 10 Stunden Videomaterial von Kim Ju-ha erstellt, wobei ich die Details ihrer Stimme, die Art, wie sie spricht, ihre Mimik, die Art, wie sich ihre Lippen bewegen, und die Art, wie sie ihren Körper bewegt, gelernt habe”, hatte die KI-Doppelgängerin laut Katzlbergers Blog damals selbst erklärt.

Die Reaktionen darauf seien sehr unterschiedlich gewesen: Einige hätten die starke Ähnlichkeit der KI-Moderatorin mit der echten Kim gelobt, andere hätten irritiert reagiert. Die KI-Frau sei in der Lage gewesen, 1.000 Wörter pro Minute zu imitieren.

Nachfolgendes Video zeigt die reale Nachrichtensprecherin, wie sie sich mit ihrem KI-Imitat unterhält:

 



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