Die Führer der BRICS-Staaten 2016: Michel Temer (Brasiliens Präsident), Russlands Staatschef Wladimir Putin, Indiens Premier Narendra Modi, Chians Staatschef Xi Jinping und der Präsident Südafrikas, Jacob Zuma in Goa.Foto: MONEY SHARMA/AFP/Getty Images

Schachzug vor BRICS-Treffen: Warum China und Indien Grenzstreit unerwartet beilegten

Von und 30. August 2017 Aktualisiert: 11. September 2017 14:44
Ein Grenzstreit zwischen Indien und China wurde überraschend entschärft. Experten vermuten einen Zusammenhang mit dem kommenden BRICS-Gipfel. Die Hintergründe.

Warum wurde die Grenzstreitigkeit zwischen China und Indien plötzlich beigelegt? Die chinesische Ausgabe von EPOCH TIMES analysierte dazu außen-und innenpolitische Gründe.

Der BRICS-Gipfel

Ein wichtiger außenpolitischer Grund für Verständigung zwischen Indien und China ist das kommende BRICS-Treffen am 3. September in Xiamen. Erstmals wird Xi Jinping als chinesischer Staatschef Gastgeber des Treffens sein, bei dem Russland, China, Indien, Brasilien und Südafrika an einem Tisch sitzen werden. Falls bei diesem wichtigen Ereignis Indiens Premier Narendra Modi gefehlt hätte, wäre dies blamabel gewesen.

Der Grenzstreit hatte bereits mehrere Monate angedauert und es gab Gerüchte, dass Modi absagen und einen Vertreter zum BRICS-Gipfel schicken wollte – ähnlich wie er es im Mai beim Seidenstraßen-Gipfel in Peking getan hatte. Momentan sieht es so aus, als ob Modi am Sonntag teilnimmt. Einige indische Medien hatten berichtet, dass der Streit durch Vermittlung Putins beigelegt worden sei.

Innenpolitische Gründe

In Indien gab es in der letzten Zeit viel Unruhe, welche die Regierung unter Druck setzte. Aber auch China ist an außenpolitischer Ruhe interessiert.

In Peking findet bald der 19. Parteitag statt, der die Machtverhältnisse innerhalb der Kommunistischen Partei (KP) für die nächsten fünf Jahre bestimmt. EPOCH TIMES-Kommentator Xia Xiaoqiang sagt dazu: Für Xi Jinping sind inländische Probleme drängender als die Außenpolitik, da er schon seit 5 Jahren an der Macht ist und durch seine Antikorruptionspolitik den Flügel um Ex-KP-Chef Jiang Zemin schwer getroffen hat. Aber Xi hat auch Gegenwehr erfahren. Aktuell kann sich Xi aus dem Kampf nicht mehr zurückziehen. Falls er Jiang und sein verbliebenes Personal nicht gründlich beseitigen kann, wird Xi sich nicht an der Macht halten können. Deshalb ist ein ruhiges außenpolitische Klima für seine Reformen unerlässlich, so Xia.

Völlig konträre Signale

Dieser interne chinesische Machtkampf spiegelte sich nun auch im Grenzstreit mit Indien wider. Innerhalb Chinas gab es zwei völlig unterschiedliche Signale: Die linken KP-Medien wie die „Global Times“ propagierte, China solle militärisch handeln. Gleichzeitig lud das Pekinger Verteidigungsministerium indische Medien zu einem Briefing ein und verneinte die Möglichkeit eines Krieges. Bei dieser Pressekonferenz hieß es dann, Stimmen wie die Global Times würden nicht die offizielle Linie vertreten.

Auch der New Yorker China-Experte und Kommentator Zhu Ming meinte, die Pressekonferenz des Verteidigungsministeriums für indische Medien sei ein sehr ungewöhnliches Ereignis gewesen. In der KP gab es deutlich zwei konträre Stimmen: Die eine plädierte für sofortigen Krieg, die andere für Deeskalation und Einigung.

Chinas interner Machtkampf zeigte sich damit bereits auf internationaler Ebene, kommentierte Xia.

Krieg wäre Wirtschaftsdesaster

Hinzukommt: Wirtschaftlich gesehen gäbe es bei einem Konflikt von China und Indien nur Verlierer. Beide Länder sind sehr stark mit einander verbunden – mit einem Handelsvolumen von 71,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016.

Allein Indiens Smartphone-Markt hat ein Volumen von 10 Mrd. US-Dollar und chinesische Hersteller wie Xiaomi und Oppo halten daran einen Marktanteil von über 50 Prozent.

Geopolitik

Das Staatspolitische Forschungsinstitut der KP schrieb am 10. August in seinem Magazin, dass Krieg zwischen China und Indien nicht entstehen würde, weil die internationale Lage Indien begünstigte. Neu Delhi habe gute Beziehungen mit Russland, den USA, Japan und anderen westlichen Ländern. Der Westen würde Indien stärker unterstützen als China.

Chinas außenpolitischer Schwerpunkt liege mehr auf Korea und Taiwan, so der Artikel. Der Grenzstreit mit Indien sei sekundär. Hinzukommt: Indien liegt seit mehreren Monaten in Grenzstreit mit Pakistan. Wenn das Land nun noch mit China in Konflikt käme, hätte es Konflikte mit zwei Nachbarn.

Fazit: Kleinere Streitigkeiten sind auch in Zukunft wahrscheinlicher, als ein Krieg von Indien und China.

Siehe auch:

Indien kündigt Truppenabzug von umstrittenem Plateau an

 


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