Simbabwe stoppt Export von Rohlithium

Die größten Lithiumvorkommen in ganz Afrika befinden sich in der Bikita-Mine. Nun stellt Simbabwe erstmal die Ausfuhr des Rohstoffs ein. Der Präsident hat andere Pläne.
Simbabwe stoppt Rohlithium-Export – Wichtige Entscheidung fürs Land
Ein Muldenkipper an einer Lithiummine. Simbabwe will kein Rohlithium mehr ausliefern.Foto: iStock
Von 4. Januar 2023

Simbabwe hat den Export von Rohlithium aus seinen Minen verboten. Damit will das Land die Wertschöpfung aus dem Alkalimetall steigern und nicht mehr Milliarden Dollar an ausländische Unternehmen verlieren. Stattdessen setzt die Regierung nun auf die lukrativere Weiterverarbeitung des begehrten Rohstoffs.

Am 20. Dezember veröffentlichte das Ministerium für Bergbau und Bergbauentwicklung ein Rundschreiben, dass die Ausfuhr von Bodenschätzen gesetzlich kontrolliert werden soll. Damit stellt die Regierung sicher, „dass die Vision des Präsidenten verwirklicht wird, das Land zu einer Wirtschaft mit mittlerem Einkommen zu machen.“

Laut der Regierung gehen dem Land aufgrund von Schmuggel und der Ausfuhr nach Südafrika und in die Vereinigten Arabischen Emirate Einnahmen in Höhe von jährlich 1,8 Milliarden US-Dollar verloren.

Industrie soll wachsen

Bergbauminister Winston Chitando sagte, dass „keine lithiumhaltigen Erze oder unbehandeltes Lithium aus Simbabwe in ein anderes Land exportiert werden dürfen. Es sei denn, es liegt eine schriftliche Genehmigung des Ministers vor“, berichtete das Wirtschaftsportal „Quartz“.

Laut dem stellvertretenden Bergbauminister Polite Kambamura sind jedoch Bergbauunternehmen mit landesinternen Verarbeitungsanlagen von der Richtlinie ausgenommen.

„Wenn wir weiterhin rohes Lithium exportieren, werden wir nicht weiterkommen. Wir wollen, dass Lithiumbatterien im Lande entwickelt werden. Wir haben dies in gutem Glauben für das Wachstum der Industrie getan“, unterstreicht Kambamura.

Gewaltiges Potenzial

Die internationale Nachfrage nach Lithium bleibt hoch. Mit seinen Plänen will Simbabwe einer der weltgrößten Lithiumexporteure werden. 20 Prozent der globalen Gesamtnachfrage will das zentralafrikanische Binnenland künftig abdecken. Dabei ist geplant, landesweit alle bekannten Lithiumressourcen vollständig auszuschöpfen.

Simbabwe verfügt über die größten Lithiumvorkommen in Afrika – und inzwischen wahrscheinlich weltweit. Die Bikita-Mine, 308 km südlich der Hauptstadt Harare gelegen, verfügt über die größten Lithiumminen des Landes. Hier lagern Reserven mit geschätzten 10,8 Millionen Tonnen Lithiumerz. Es wird erwartet, dass allein die Lithiummine Arcadia nach Inbetriebnahme eine jährliche Produktion von 2,5 Millionen Tonnen Lithiumerz erreicht. Dies entspreche ungefähr drei Milliarden US-Dollar an Exporten.

Simbabwe hatte laut Statista im Jahr 2021 mit einem Bestand von 220.000 Tonnen noch die sechstgrößten Lithiumreserven der Welt. Mit den Reserven der Bikita-Mine überholt Simbabwe sogar Chile, den Spitzenreiter des Jahres 2021 (9,2 Millionen Tonnen Lithium). Damit gewinnt das Land immens an Bedeutung für den internationalen Lithiummarkt. Mit den dadurch gewonnenen Mehreinnahmen will die Landesregierung unter anderem seine Auslandsschulden in Höhe von 13,7 Milliarden Dollar begleichen.

Das „weiße Gold“

Lithium, oft auch als „weißes Gold“ bezeichnet, gilt als wichtiger Rohstoff für Schlüsseltechnologien. Weltweit sollen überhaupt nur wenige Länder über Vorkommen an Lithium verfügen. Seine besonderen Eigenschaften sind die hohe Siedetemperatur und Wärmekapazität. Somit kommt es beispielsweise bei aufladbaren Batterien und Lithium-Ionen-Batterien zum Einsatz. Verwendung finden diese gerade in der Elektromobilität und für Energiespeicher von erneuerbaren Energien.

Die weltweiten Gesamtreserven belaufen sich auf ein geschätztes Volumen von 89 Millionen Tonnen (2021). Lithium wird aus verschiedenen Vorkommen gewonnen, besonders aus Festgestein und Sole.

Abbau auch bald in Deutschland?

Auch Deutschland verfügt laut einem Bericht der „Tagesschau“ über möglicherweise gigantische Lithiumreserven. Geologe Horst Kreuter sprach dabei von insgesamt 15 Millionen Tonnen des „weißen Goldes“, die allein in einem untersuchten Teil des Oberrheintals liegen sollen. Aus mineralhaltigem Wasser könnte die Industrie jährlich 40.000 Tonnen Lithiumhydroxid gewinnen. „Damit ließe sich dann eine Million E-Autos ausstatten, abhängig von der Batterieleistung und der Art der Batterie“, sagt Kreuter.

Das gesamte Oberrheintal ist damit die größte Lithiumlagerstätte Europas und eine der größten der Welt.“

Die theoretisch mögliche Fördermenge ist laut dem Magazin GEO allerdings von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum einen ist die Forschung zur Lithiumgewinnung aus Grundwasser noch relativ jung und Langzeitstudien stehen aus. Zudem können sowohl der Lithiumgehalt des Thermalwassers als auch die sogenannte Fließrate des jeweiligen Standorts stark variieren.

Bei einer „optimistischen Abschätzung“ könnten jährlich etwa 2.600 bis 4.700 Tonnen Lithiumcarbonat gefördert werden. Jedoch nur, wenn alle deutschen Geothermie-Standorte mit entsprechenden Anlagen zur Lithiumgewinnung ausgerüstet werden.

Aufgrund weiterer Entdeckungen ist es möglich, dass Lithium weltweit in weit größeren Mengen vorkommt, als bisher angenommen wird.



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