G20-Krawalle: 500 Plünderer, 1.500 linke Randalierer in der Nacht, Polizist gibt Warnschuss ab + Livestreams

Epoch Times7. Juli 2017 Aktualisiert: 8. Juli 2017 11:18
G20-Gipfel-Proteste in Hamburg: Zwischen Polizei und linken Radikalen kam es auch in der 2. Nacht zu massiven gewaltsamen Auseinandersetzungen. Auf beiden Seiten gibt es Verletzte. Gewalttätige Demonstranten zerschlugen Schaufenster, plünderten Läden, setzen Autos in Brand - die Polizei setzte Wasserwerfer ein.

In der Nacht sind 13 Randalierer festgenommen worden – die Zahl der Straftäter ist aber weit höher. Das teilte die Polizei am frühen Samstagmorgen mit.

Aus einer Gruppe von nach Polizeiangaben rund 1.500 Personen hatten etwa 250 meist jugendliche Vermummte immer wieder brennende Barrikaden errichtet und mit Flaschen und anderen Gegenständen auf die Polizei geworfen.

Immer wieder wurde „Ganz Hamburg hasst die Polizei“ skandiert. Ein Beamter erlitt bei den Ausschreitungen einen Unterschenkelbruch. Die Einsatzkräfte antworteten unter anderem vielfach mit Wasserwerfern.

Ob dabei auch Gewalttäter oder Unbeteiligte verletzt wurden, war unklar. Betroffen waren die Hamburger Stadtteile St. Pauli und Altona, dort insbesondere das Schanzenviertel rund um das linke Kulturzentrum „Rote Flora“. In unmittelbarer Umgebung brannten Autos und Scheiben wurden eingeschmissen, unter anderem eines Supermarkts, eines Drogeriemarkts, eines Geldinstituts, eines Backshops sowie diverser Modegeschäfte.

Auch vermeintlich „linke“ Geschäfte wurden nicht verschont, so war ein Laden mit „FCK NZS“-T-Shirts im Schaufenster demoliert. Anschließend fanden auch Plünderungen statt und teilweise wurden Molotowcocktails und Gasflaschen in die geplünderten Läden geworfen.

500 Personen sollen an den Plünderungen teilgenommen haben. Viele Geschäfte hatten sich offenbar aus Angst vor Sachbeschädigungen zuvor Plakate in die Schaufenster gehängt, die einerseits gegen den G20-Gipfel gerichtet waren, andererseits um Gnade der Randalierer baten. „No G20 – Spare our Store“ (Kein G20 – Verschont unseren Laden) war darauf zu lesen.

Begleitet wurden die gewaltsamen Ausschreitungen in dem Ausgehviertel rund um die „Schanze“ von hunderten Schaulustigen, die die Szenerie vielfach mit Smartphones filmten und dabei Bier tranken.

Die Polizei forderte zunächst über soziale Internetnetzwerke dazu auf, das Fotografieren und Filmen zu unterlassen, später bat sie aber um Übermittlung der Dateien auf einem eigens eingerichteten Uploadportal.

„Wir bitten alle Personen, die Videos oder Bilder von Straftätern oder strafrechtlich relevanten Ereignissen gefertigt haben, den Medienupload intensiv zu nutzen, um bei der Ermittlung von Straftätern zu helfen“, hieß es auf der Seite der Hamburger Polizei.

Gegen 20:30 hatte es zuvor eine „Revolutionäre Anti-G20-Demo“ gegeben unter dem Motto „G20 entern – Kapitalismus versenken“. Rund 1.000 Personen zogen dabei noch weitestgehend friedlich aber zum Teil vermummt bis 23 Uhr über die Reeperbahn, bevor im Anschluss die Randale begann.

Erst nach etwa drei Uhr beruhigte sich die Lage und die beiden Hubschrauber, die die Szenerie stundenlang mit Scheinwerfern aus der Luft ausgeleuchtet hatten, landeten.

Video: G20-Proteste, 2. Tag – Livestream

https://www.youtube.com/watch?v=iY3UszAfj3Q

+++  Ende des Liveticker vom Freitag +++

23:00 Uhr: Plünderungen im Schanzenviertel

Die Situation im Schanzenviertel ist sehr angespannt. Die Polizei umstellte eine Kreuzung nahe der Straße „Schulterblatt“, wo sich tausende Randalierer aufhalten. Linksautonome Randalierer plünderten einen Drogeriemarkt und einen Lebensmittelmarkt. Viele Scheiben gehen zu Bruch. Auf der Straße brannten Feuer, teils meterhoch, dichter Rauch stieg auf. Steine flogen. Nach Angaben der Polizei waren mehrere Randalierer mit Eisenstangen unterwegs.

Die Umgebung des linksautonomen Kulturzentrum Roten Flora ist nach Angaben von Andreas Blechschmidt, einem der Sprecher der Demo „Welcome to Hell“ derzeit eine polizeifreie Zone. Die Rote Flora, ein besetztes Theater, ist eines der wichtigsten Zentren der Autonomen-Szene in Deutschland.

Es brennen auf der „Schulterblatt“ drei Barrikaden, etwa 2.000 Randalierer sind unterwegs. Viele kletterten auf Gerüste angrenzender Häuser und bewarfen die Beamten von oben oder schossen aus Zwillen mit Stahlkugeln auf diese.

Video: Livestream der Nacht, Protestmarsch in Hamburg gegen G20

22:50 Uhr: 196 verletzte Polizisten – Keine Schwerverletzten – Keine Angaben zu verletzten Demonstranten

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Bei den Krawallen zum G20-Gipfel in Hamburg sind 196 Polizisten verletzt worden. Es seien keine Schwerverletzten darunter, teilte die Polizei mit.

Zur Zahl der verletzten Demonstranten konnten zunächst weder Polizei noch Feuerwehr Angaben machen.

Ein Feuerwehrsprecher sagte, die Demonstranten hätten eigene Sanitäter dabei, so dass sie in vielen Fällen nicht auf externe Hilfe angewiesen seien.

21:11 Uhr: Heiko Maas – „Diejenigen, die Straftaten begehen, gehören vor Gericht“

Während Polizei und Demonstranten sich gegenseitig für die Zuspitzung verantwortlich machten, forderten Politiker harte Strafen für Gewalttäter.

Wegen der anhaltenden Auseinandersetzungen forderte die Hamburger Polizeiführung im Laufe des Freitags weitere Hundertschaften aus anderen Bundesländern zur Unterstützung nach. Es seien „zusätzliche Alarmierungsstufen“ ausgelöst worden, sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD). Nach Angaben von Polizeipräsident Ralf Martin Meyer sollte die Zahl der eingesetzten Polizisten am Ende wohl bei bis zu 21.000 liegen.

Grote kritisierte am Freitag die „hohe kriminelle Energie“ der Protestierenden. Kanzlerin Merkel sagte, sie habe Verständnis für friedlichen Protest, aber gewalttätige Demonstrationen brächten „Menschenleben in Gefahr“ und seien „nicht zu akzeptieren“. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Ausschreitungen in Hamburg.

Bundesjustizminister Heiko Maas forderte konsequente Strafen. „Diejenigen, die Straftaten begehen unter dem Deckmantel des Demonstrationsrechts, die gehören nicht auf die Straße, sondern die gehören vor ein Gericht.“

20:21 Uhr: Warnschuss im Schanzenviertel – 175 verletzte Polizisten

175 Einsatzkräfte seien dabei bis zum Abend verletzt worden, teilte die Polizei mit. Offizielle Zahlen zu verletzten Demonstranten und Unbeteiligten gibt es zunächst nicht. Der Hamburger Feuerwehr zufolge stürzten auf einem Betriebsgelände in Hamburg-Bahrenfeld mehrere Demonstranten auf der Flucht vor der Polizei beim Versuch über eine Mauer mit Absperrgitter zu klettern aus rund vier Metern Höhe ab, als das Gitter brach.

14 Menschen seien ins Krankenhaus gebracht worden, elf von ihnen hätten schwere Verletzungen erlitten. 71 Personen wurden laut Polizei im Rahmen der Krawalle festgenommen, zahlreiche Menschen wurden in Gewahrsam genommen.

Immer wieder seien Beamte angegriffen und mit Gegenständen beworfen worden. Im Schanzenviertel sei ein Polizist massiv von Gewalttätern bedrängt worden und habe daraufhin einen Warnschuss abgegeben.

Tausende G20-Gegner versuchten, zur abgesperrten Elbphilharmonie vorzudringen, wo am Abend die Gipfelteilnehmer einem Konzert beiwohnten. An mehreren Stellen seien Barrikaden errichtet worden, so die Beamten weiter. Immer wieder wurden Wasserwerfer eingesetzt.

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer rechnet mit einer weiteren unruhigen Nacht. Am Vormittag waren zusätzliche Einsatzkräfte angefordert worden, mehrere Bundesländer sagten personelle Unterstützung zu.

19:07 Uhr: Einigen Journalisten wurde die Akkreditierung entzogen

Mehreren deutschen Journalisten sind während der Berichterstattung vom G20-Treffen in Hamburg die Akkreditierungen entzogen worden. Betroffen waren unter anderem Reporter von „Weser-Kurier“ und „Junge Welt“, wie die Tageszeitungen berichteten.

Das Bundeskriminalamt bestätigte, dass „in einigen Fällen“ wegen sicherheitsrelevanter Erkenntnisse Akkreditierungen entzogen worden seien. Der Deutsche Journalisten-Verband protestierte gegen das Vorgehen.

Einige Bilder aus Hamburg

Barrikaden, Molotowcocktails, S- und U-Bahn Verkehr gestört

Nach Angaben der Polizei wurden weiterhin Beamte und Einsatzfahrzeuge angegriffen, zudem seien an mehreren Stellen Barrikaden errichtet und Fahrzeuge in Brand gesetzt worden. Zahlreiche Störer seien vermummt und mit Schlagwerkzeugen bewaffnet gewesen.

Zudem hätten mehrere Personen Steine und Molotowcocktails geworfen. Die Polizei setzte erneut Wasserwerfer ein. Es kam zu massiven Störungen im S- und U-Bahnverkehr in den von den Protesten betroffenen Bereichen.

An den Landungsbrücken wurden laut Polizei Gegenstände auf Schienen geworfen. Mehrere Beamte seien bei verschiedenen Einsätzen verletzt worden. Feuerwehrangaben zufolge gab es auch zahlreiche verletzte Demonstranten.

Auch auf der Elbe kam es zu Zwischenfällen. So seien mehrere Schwimmer in den gesperrten Bereich eingedrungen, teilte die Polizei weiter mit.

Kanzlerin Merkel verurteilt die gewaltsamen Proteste

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die gewaltsamen Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg verurteilt. Diese gefährdeten Menschenleben und seien „nicht zu akzeptieren“, sagte Merkel am Freitag. Sie dankte den Sicherheitskräften für ihren Einsatz.

Video: Linksautonome zündeten Autos der Hamburger an

Freitagnachmittag – Erneuter Gewaltausbruch

Die gewalttätigen Proteste gegen den Hamburger G20-Gipfel sind am Freitagnachmittag erneut ausgebrochen. Aus dem Stadtteil St. Pauli meldete die Polizei „massiven Bewurf mit Gegenständen“.

Demnach bewegte sich eine Menschenmenge vom Millerntorplatz aus in Richtung Landungsbrücken in der Nähe der Elbphilharmonie, wo gegen Abend die G20-Staats- und Regierungschef zusammenkommen.

In Hamburg gibt es schon seit Donnerstagabend Ausschreitungen sowie Blockadeaktionen von Gipfelgegnern. Militante Gewalttäter griffen wiederholt Beamte an, zündeten Autos an, errichteten Barrikaden und beschädigten Geschäfte

Video: Livestream von Hamburg, Protestmarsch

Ziel erreicht – G20-Gegner sind zufrieden

Die G20-Gegner haben sich zufrieden mit ihren Blockadeaktionen am Freitag gezeigt. „Wir haben unser Ziel erreicht und ein deutliches Zeichen gegen den Wahnsinn der G20 gesetzt“, erklärte die Sprecherin der Organisation Block G20, Jana Schneider, in Hamburg. Durch die Verzögerungen bei der Anreise von einigen G20-Delegationen sei „erfolgreich Sand ins Getriebe des Gipfels gestreut“ worden.

Das Bündnis habe wie angekündigt protestiert, die Aktivisten hätten sich an den angekündigten Punkten in der Stadt versammelt. Scharf kritisierte das Bündnis den Polizeieinsatz bei den Blockaden. Es seien mit großer Brutalität Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt worden.

Krawalle schaden Ansehen Deutschlands

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat sich entsetzt über die gewaltsamen Ausschreitungen in Hamburg gezeigt: „Diese Proteste schaden dem Ansehen Deutschlands in der Welt und schaden der Sache“, sagte Müller der „Berliner Zeitung“ (Samstagsausgabe). Die Gewaltbilder aus Hamburg seien entsetzlich. „Ich verurteile diese schlimmen Gewaltexzesse zutiefst und stehe hinter der Polizei, die unseren Rechtsstaat verteidigt.“

Für friedliche Proteste äußerte Müller Verständnis. Die Globalisierung schaffe Gewinner, aber auch Verlierer. Auf der Verliererseite stehe vor allem Afrika. „Die Ressourcen des Kontinents werden von Industriekonzernen gnadenlos ausgebeutet“, sagte er. Ohne Coltan aus dem Kongo funktioniere kein Smartphone, ohne Kakao aus der Elfenbeinküste gäbe es keine Schokolade. „Aber wir zahlen keine angemessenen Preise dafür und lassen Arbeitsbedingungen zu, die wir zu Hause niemals akzeptieren würden“, kritisierte er. Die globalisierten Märkte dürften nicht aus dem Ruder laufen, soziale und ökologische Mindeststandards müssten weltweit gelten. „Sonst lassen wir Millionen von Menschen in Armut zurück und zerstören die natürlichen Grundlagen unseres Planeten“, warnte er.

Zahl der verletzten Polizisten auf 159 angestiegen

Die Zahl der bei den gewaltsamen G20-Protesten in Hamburg verletzten Polizisten ist auf 159 gestiegen. Das sagte ein Sprecher der Beamten am Freitag in der Hansestadt. Die Polizei hatte demnach auch Kenntnis von einem verletzten Unbeteiligten.

Dem Polizeisprecher zufolge nahmen die Einsatzkräfte bislang 45 Menschen fest, zwölf weitere kamen in Gewahrsam. In Hamburg gibt es seit Donnerstagabend schwere Ausschreitungen und Sachbeschädigungen militanter Gegner des Gipfeltreffens. Am Freitag blockierten Demonstranten außerdem wiederholt Straßen in der Innenstadt, um die Kolonnen der Delegationen zu behindern.

Gabriel kritisiert Gewalt

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die gewaltsamen Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg verurteilt. „Ich kann die Kritik an den G20-Treffen gut verstehen und teile vieles davon“, sagte Gabriel der „Passauer Neuen Presse“ (Samstagsausgabe). In demokratischen Ländern müsse es aber „möglich sein, dass sich Staats- und Regierungschefs aus aller Welt treffen, um miteinander zu reden“.

Die erste Kritik müsse sich nicht „an eine solche Veranstaltung richten, sondern an die gewalttätigen Demonstranten“. Niemand müsse alles richtig finden, was beim G20-Gipfel passiere. „Aber die Welt wird nicht besser, wenn die Regierungen nicht mehr miteinander reden“, sagte Gabriel. Seit Donnerstag gibt es in vielen Teilen Hamburgs gewaltsame Ausschreitungen und Blockaden. Dutzende Demonstranten und Polizisten wurden bereits verletzt.

 Bischöfin Kirsten Fehrs ruft zur Deeskalation auf

Angesichts der gewaltsamen Ausschreitungen bei den Protesten gegen den G20-Gipfel hat Hamburgs evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs zur Deeskalation aufgerufen. „Gewalt darf niemals ein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein“, erklärte die Vertreterin der Nordkirche am Freitag. „Nur friedlicher Protest ist glaubwürdig.“ Seit Donnerstag gibt es in vielen Teilen Hamburgs gewaltsame Ausschreitungen und Blockaden. Dutzende Demonstranten und Polizisten wurden verletzt.

Es stehe „nicht nur die demokratische Kultur auf dem Spiel, sondern die Gesundheit und das Leben von Menschen“, erklärte Fehrs. Sie appellierte „an all jene, die an Demonstrationen teilnehmen, aber auch an die politisch Verantwortlichen, die Sicherheitskräfte und überhaupt an alle, denen Freiheit, Demokratie und Recht wichtig sind: Helft mit, die Situation zu beruhigen – lasst euch nicht provozieren, bleibt besonnen.“

Die Lage in Hamburg eskaliert

Die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Irene Mihalic, hat die Hamburger Polizeiführung für die Zuspitzung bei der Auftaktdemonstration zum G20-Gipfel mitverantwortlich gemacht. „Leider hat das Vorgehen der Einsatzleitung der Hamburger Polizei zur Eskalation der ohnehin angespannten Lage erheblich beigetragen“, sagte Mihalic am Freitag der Zeitung „Die Welt“. „Das ging voll zu Lasten der Einsatzkräfte und des friedlichen Teils der Demonstration.“

Gewalt sei „kein legitimes Mittel um Protest auszudrücken“, sagte Mihalic weiter. Daher sei es „richtig, Ausschreitungen und Angriffe gezielt zu unterbinden und mit einer deeskalierenden Gesamtstrategie darauf zu reagieren“.

„Einfach ungezielt ein Gemisch von Wasser und Reizgasen in den gesamten Demonstrationszug zu werfen, um damit eine bestimmte Gruppe zu treffen, kann nicht der Weg einer modernen, deeskalierenden Einsatzstrategie der Polizei sein“, gab Mihalic aber zu bedenken.

In einer Demokratie sei es Aufgabe der Polizei, „friedliche Proteste zu ermöglichen und zu sichern statt Demonstranten pauschal als Gegner des Staats zu behandeln“. „Wer Druck aus dem Kessel nehmen will, sollte das Feuer austreten statt es weiter anzufachen“, sagte Mihalic weiter.

Die Strategie der Einsatzleitung habe zu dutzenden Verletzten auf Seiten der Demonstranten und der Polizei geführt. „Das wird gründlich aufzuarbeiten sein.“ Zuständig für die Polizei ist im Hamburger rot-grünen Senat Innensenator Andy Grote (SPD).

Mindestens 111 Polizeibeamte verletzt

Bei den Protestaktionen gegen den G20-Gipfel in Hamburg sind am Donnerstagabend mindestens 111 Polizeibeamte verletzt worden. Außerdem kam es nach aktuellem Stand zu 29 Festnahmen und 15 Ingewahrsamnahmen, teilte die Hamburger Polizei am Freitagvormittag mit. Den Angaben zufolge hatten sich bei der Demonstration „Für eine solidarische Welt – gegen den G20-Gipfel in Hamburg“ neben überwiegend friedlichen Teilnehmern rund 2.000 Personen versammelt, die sich nicht an das Vermummungsverbot hielten.

Als sie von den etwa 10.000 friedlichen Teilnehmern getrennt werden sollten, sei es „zu massivem Bewurf der eingesetzten Polizeikräfte mit Steinen und Flaschen durch den schwarzen Block und zu Angriffen mit Stangen“ gekommen. Im weiteren Verlauf kam es den Polizeiangaben zufolge „in angrenzenden Straßen in den Stadtteilen St.Pauli, Altona und Sternschanze zu diversen schweren Straftaten wie Sachbeschädigungen an geparkten Pkw, Baustellen, Lichtzeichenanlagen, Banken, Geschäftshäusern und dem Amtsgericht Altona sowie zahlreichen Brandstiftungen an geparkten Pkw und zuvor auf der Straße errichteten Barrikaden“.

Wasserwerfereinsatz gegen Demonstranten

Bei den Protesten gegen den G20-Gipfel ist die Polizei am Freitagmorgen erneut mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vorgegangen. Diese seien bei der Räumung von Straßenblockaden am Schwanenwik an der Alster und an der Schröderstiftstraße nahe dem Tagunsgort eingesetzt worden, teilten die Beamten mit. Zuvor habe es mehrfache Aufforderungen gegeben, die Strecke freizumachen. „Bittet haltet die Fahrbahnen frei“, hieß es.

Gipfelgegner besetzten am Morgen an verschiedenen Orten in der Innenstadt Straßen, um die Fahrten der Delegationen zu behindern. Laut Polizei wurden erneut auch Barrikaden aufgebaut. An der Feldstraße in der Nähe des Gipfeltagungorts in den Messenhallen würden „Gegenstände auf die Straße gezogen“, erklärte die Polizei. Seit Donnerstagabend gibt es in Hamburg Ausschreitungen. Unter anderem wurden Polizisten attackiert und Autos angezündet.

Polizeigewerkschaft: Friedlicher G20-Protest wird missbraucht

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat die massiven Angriffe gewaltbereiter extremistischer Gruppierungen auf polizeiliche Einsatzkräfte bei einer Demonstration gegen den G20-Gipfel am Donnerstagabend verurteilt. „Der sogenannte Schwarze Block hat den friedlichen Protest von über zehntausend Demonstranten missbraucht, um meine Kolleginnen und Kollegen gewaltsam und zielgerichtet zu attackieren. Vermummungen und Hassparolen gegenüber der Polizei haben mit grundgesetzlich geschützter politischer Meinungsäußerung auf der Straße nichts zu tun“, sagte der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow am Freitagmorgen in Kiel.

Nach offiziellen Angaben sind mindestens 76 Polizeibeamte verletzt worden. Für die deutliche Eskalation machte der Hamburger GdP-Landesvorsitzende Gerhard Kirsch die kriminellen Gewalttäter des Schwarzen Blocks verantwortlich. „Sie waren von Anfang an nicht gewillt, dass Versammlungsgesetz zu respektieren und Aufforderungen, ihre Vermummungen abzulegen, nachzukommen.“ Die jetzige Einsatzlage bezeichnete Kirsch als angespannt, zeigt sich aber zuversichtlich, dass die Polizei dieser Herr werden würde.

Demonstranten setzen Streifenwagen in Brand

Zum Auftakt des G20-Gipfels in Hamburg ist es an mehreren Stellen der Stadt zu gewalttätigen Protesten gekommen. Laut Bundespolizei wurden am Morgen am Bahnhof Altona Streifenwagen in Brand gesetzt.

Außerdem machte sich die Gruppe „Block G20 – Colour the red zone“ von zwei Stellen aus auf den Weg, um den Ablauf es Gipfels zu stören. Es kam zu Rangeleien mit der Polizei, die Schlagstöcke einsetzte. Es kam zu einer Sitzblockade eines möglichen Zufahrtsweges zum G20-Gipfel an der Alster. Die Polizei drohte mit Räumung.

Mehrere Menschen stiegen auf Bahngleise und sorgten so für eine Sperrung der westlichen Strecke zwischen Elmshorn und Hamburg-Altona. Ein ICE nach Berlin konnte nicht rechtzeitig bereitgestellt werden, wie eine Bahnsprecherin sagte. Auf mehreren Regionalstrecken wendeten die Züge bereits auf Stationen vor Hamburg. Die Polizei habe die Menschen im Gleis unter Kontrolle gebracht, sagte ein Sprecher. Bei den Störern habe es sich scheinbar um Gegner des G20-Gipfels gehandelt.

G20-Demo in Hamburg eskaliert

Der Beginn des G20-Gipfels in Hamburg wird durch gewaltsame Proteste überschattet: Dutzende Polizisten und linksgerichtete Demonstranten wurden am Donnerstagabend in Hamburg verletzt, nachdem etwa 12.000 Menschen an dem Protestmarsch „Welcome to hell“ (Wilkommen in der Hölle) gegen den G20-Gipfel teilgenommen hatten. Erst nach Mitternacht beruhigte sich die Lage. Für den frühen Morgen planten die Protest-Veranstalter allerdings bereits weitere Demonstrationen gegen das Treffen der großen Wirtschaftsmächte.

Polizei mit Latten und Feuerwerkskörpern angegriffen

Die Polizei wurde nach eigenen Angaben mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern sowie mit Latten angegriffen. Sie hatte den am Fischmarkt in der Nähe der Reeperbahn gestarteten Aufmarsch am frühen Abend nach wenigen Metern mit Polizeiketten gestoppt und rund 1000 vermummte Autonome aufgefordert, ihre Maskierungen abzulegen. Als die Einsatzkräfte versuchten, diesen „Schwarzen Block“ vom Rest der Kundgebung zu trennen, eskalierte die Lage.  Die Polizei setzte Wasserwerfer sowie Pfefferspray ein.

Danach zogen verschiedene Gruppen von Linksautonomen durch St. Pauli und Altona, setzten Barrikaden und Autos in Brand und attackierten immer wieder Beamte, wie die Polizei mitteilte. Die Polizei sprach von mindestens 76 verletzten Polizisten, von den fünf ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Die meisten Beamten wurden nur leicht verletzt.  Über den Onlinedienst Twitter berichtete die Polizei, dass auch Piloten eines Polizeihubschraubers durch einen Laserpointer geblendet worden seien.

Auch Einsatzkräfte, die die Wohnung des Hamburger Innensenators Andy Grote (SPD) bewachten, seien attackiert worden. Sie blieben unverletzt. Mit dem Schrecken kam auch der Pressesprecher der Hamburger Polizei davon, der sich in einen Rettungswagen flüchten musste. „Die Täter versuchten immer wieder die Tür des Rettungswagen aufzureißen und schlugen auf diese ein“, erklärte die Polizei. Der Rettungswagen fuhr daraufhin mit dem Sprecher ab.

 Demonstranten sprechen von „Polizeiterror“

Vertreter des linksradikalen Protestspektrums sprachen im Onlinedienst Twitter dagegen von „Polizeiterror“. Sprecher Georg Ismael erklärte, die Polizei habe die Demonstranten angegriffen. Er gehe von über hundert verletzten Demonstranten aus. Der Staat lasse „null Demokratie für alle jene“ zu, „die gegen Kapitalismus und Krieg kämpfen“. Die globalisierungskritische Initiative Attac sprach von einer „Eskalation mit Ansage“, für die die Sicherheitskräfte verantwortlich seien.

Der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Steffen Seibert, machte deutlich, dass es keine Rechtfertigung für gewalttätigen Protest gebe. Er verwies am späten Abend im Onlinedienst Twitter auf ein Interview der Kanzlerin vor dem G20-Gipfel. Daraus zitierte er: „Vor den friedlichen Demonstranten habe ich Respekt, sie nehmen ihr demokratisches Grundrecht war. Wer gewalttätig wird, der verhöhnt die Demokratie.“

Schon im Vorfeld der von Mitgliedern des linksradikalen Spektrums angemeldeten „Welcome to hell“- Demonstration waren Ausschreitungen befürchtet worden, sie galt als eine der krawallträchtigsten Protestaktionen während des am Freitag offiziell beginnenden G20-Gipfels der Staats- und Regierungschefs der großen Industrie- und Schwellenländer. Ab Freitagmorgen wollen Aktivisten die Abläufe des Gipfels unter anderem durch Massenblockaden behindern. Am frühen Morgen war die Lage aber zunächst ruhig, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Mindestens 19.000 Polizisten sollen das internationale Spitzentreffen sichern. (afp/dpa/dts/so/ks)