Jürgen Fritz auf Hamburger Anti-Merkel-Demo: „Das Ganze wirkt vollkommen surreal“

Von 14. February 2018 Aktualisiert: 14. Februar 2018 15:12
Montag Abend ging unser Gastautor Jürgen Fritz auf seine erste Demo - auf eine Merkel-muss-weg-Demo in Hamburg. Was er dabei erlebte, schildert er uns in einem ausführlichen Bericht.

Erstmal an der Antifa vorbei

Montagabend, kurz vor 19 Uhr. Ich komme mit der U1 am Jungfernstieg an, gehe die Stufen hinauf. Noch ehe ich oben ankomme Polizisten, überall stehen Polizisten. Ich gehe die nächste Treppe hoch, bin jetzt am Jungfernstieg, direkt vorm Apple-Store. Hier noch mehr Polizisten und Menschen, enorme Menschenmessen. Man spürt sofort, hier ist was los heute Abend. Aber wo sind die Merkel-muss-weg-Demonstranten?

Ich schaue mich um, kann sie nirgends sehen. Also laufe ich los, den Jungfernstieg entlang, eine der schönsten Flecken Hamburgs. Rechts nur wenige zig Meter entfernt die wunderschöne Binnenalster, links Geschäfte vom Feinsten. Dann höre ich die ersten Rufe, nein eher Schreie. Ich spüre die extreme Aggression. Mir ist sofort klar: Das sind sicherlich nicht die Merkel-muss-weg-Leute. Und mir ist angesichts der Lautstärke auch sofort bewusst: das sind nicht nur einige wenige, die das schreien, das sind viele.

Normalerweise bin ich nicht besonders ängstlich, aber einen ganz kurzen Moment bekomme ich ein leicht flaues Gefühl. Dann denke ich „Ach, hier erkennt dich keiner und die wissen ja nicht, wo ich hin will.“ Zur Sicherheit ziehe ich aber meine Kappe ein ganz klein wenig tiefer nach unten und laufe weiter. Vorbei an den Schreihälsen um die ich einen leichten Bogen mache, aber nicht zu groß. Soll ja nicht auffallen.

Okay, geschafft. Durch dieses Nadelöhr bin ich durch. Nichts passiert. Ich laufe weiter, sehe jetzt eine Polizeikette mitten auf dem Jungfernstieg. Mann neben Mann in ganz engen Abständen, nicht mal eine Armlänge zwischen den einzelnen Beamten. Die Polizeikette geht über die gesamte Flaniermeile und über die breite Straße rüber bis zur anderen Seite, wo überall Gitter aufgestellt sind. Hier kommt keiner durch, der nur durchgelassen werden soll. Mir ist sofort klar: Die sperren die Merkel-muss-weg-Demo vor diesen Schreihälsen ab, um jene zu schützen.

Uta Ogilvie und ihr Vater werden schon auf dem Weg zum Veranstaltungsort angegriffen

Ich gehe auf die Polizisten zu, frage, ob ich durch darf. Ein Polizist fragt zurück, wo ich hin möchte. Ich sage „Zur Demo, zur Merkel-muss-weg-Demo“. Er schaut mich kurz an und lässt mich durch. Später erfahre ich, andere sind nicht so leicht durch die Polizeiabsperrungen durchgekommen. Eine Freundin erzählt mir, sie kam erst etwas nach 19 Uhr an und hatte gleich drei Polizeisperren zu durchqueren, musste erklären, wo sie hin möchte und erst als sie mit Nachdruck erklärte, unbedingt zur Merkel-muss-weg-Demo zu wollen, ließ man sie schließlich durch. Andere haben es gar nicht geschafft, zum Veranstaltungsort durchzukommen.

Noch heftiger hat es die Initiatorin des Ganzen, Uta Ogilvie erwischt. Sie kam mit ihrem Vater zusammen, der extra aus Köln angereist war, und die beiden wurden von der Antifa angegriffen. Es gab eine Rangelei, man riss ihr das Schild aus der Hand, machte es kaputt und schmiss es zu Boden. Die beiden erhielten einige Stöße, aber dann kamen Polizeibeamte und eskortierten sie unter Polizeischutz zur Demo.

Wo ist denn die Demo?

Aber zurück zu mir. Ich laufe weiter den Jungfernstieg entlang, die Schreie hinter mir werden leiser. Aber wo ist denn die Anti-Merkel-Demo? Ich kann noch immer nichts davon sehen. Ich laufe und laufe, bin schon fast am Ende der Flaniermeile. Noch immer sehe ich nicht die, zu denen ich mich dazu gesellen möchte. Jetzt bin ich schon am Ende angelangt. Wo sind die denn, verdammt nochmal?

Okay, auf der anderen Straßenseite sehe ich was. Hinter all den Polizeifahrzeugen könnte was sein. Ich überquere die Straße, gehe auf die Alster zu. Ja, tatsächlich, da sind sie. Gut versteckt. „Aber da sieht uns doch kein Mensch an der Stelle“, denke ich mir. Noch dazu, da überall außen herum Polizisten stehen. Geschickt gemacht von denen, die das so festgelegt haben. Man gewährt uns das grundgesetzlich garantierte Recht auf Versammlungsfreiheit (Art. 8 GG), verfrachtet uns aber an einen Ort, wo uns kaum jemand auch nur zu Gesicht bekommt.

Über 1.200 Polizeibeamte im Einsatz

Etwas später sagt ein Bekannter: „Gleich schicken sie uns noch weiter hier runter, direkt ans Wasser“ und ich denke mir, wenn dann der eine oder andere ins eiskalte Wasser fiele, gäbe es auf der Straßenseite gegenüber ein Riesengejaule. Ich schaue mich um und habe den Eindruck, selbst hier sind fast mehr Polizisten als Demonstranten. Und in der Umgebung ja noch viel mehr von ihnen. Rein gefühlsmäßig schätze ich zehn Polizisten auf einen Demonstranten. Später wird sich herausstellen, dass es diese Menge wohl auch gebraucht hat. Laut offiziellem Polizeibericht sollen mehr als 1.200 Polizisten im Einsatz gewesen sein.

Ich laufe durch die Menge, die noch überschaubar ist, ob ich jemanden sehe, den ich kenne. Nach ein paar Minuten entdecke ich einen Freund. Der hat sich ein tolles Schild gebastelt mit der Aufschrift „Merkel muss weg“. Wir unterhalten uns kurz und er drückt es mir in die Hand, will irgendwas am Handschuh machen. Ich hab den Eindruck, er ist froh, das Ding nicht die ganze Zeit halten zu müssen und ich bin froh, mit dem Schild in der Hand die Aktion, die ich absolut grandios finde, so noch ein bisschen mehr unterstützen zu können. Also behalte ich das Schild, was ihm sehr Recht zu sein scheint.

In einigen Zeitungen ist zu lesen, es seien hier „Rechte“ oder „Rechtsradikale“. Davon kann ich nicht das Geringste sehen. Alles ganz normale, gut bürgerliche Leute von jung bis alt.

Friedlicher kann man ja gar nicht mehr demonstrieren

Da stehen wir nun am Montagabend, kurz nach 19 Uhr. Es ist kalt, die Straße ist teilweise spiegelglatt, wir stehen einfach da und unterhalten uns, wir rufen nicht mal „Merkel muss weg“. Eine Möglichkeit, auf und ab zu marschieren, haben wir nicht. Dafür ist kein Platz.

Weiter vorne ist schon der Alex, ein tolles Alsterpavillon mitten auf dem Platz vor der Binnenalster. Und die Polizisten haben uns irgendwie eingezäunt. Wir können nur dastehen. Das sei eine Standveranstaltung sagt mir ein Polizist, den ich frage. Auf die andere Straßenseite, wo uns viel eher Leute sehen könnten, dürfen wir ohnehin nicht.

Dann sehe ich Uta, die umringt ist von Leuten und wohl gerade ein Interview gibt. Vor ihr hat sich jemand mit großer Kamera und ein anderer mit einem Mikrofon aufgebaut. Später begrüße ich sie kurz. Auf sie stürmen wohl noch viel mehr Eindrücke ein. Und wenn man bedenkt, was für einen Tag sie hinter sich hat. Unglaublich! Dafür wirkt sie noch erstaunlich ruhig, aber ich ahne, sonst ist sie noch zigmal ruhiger und gelassener.

Jetzt kommt die gefährlichste Passage

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Nach etwa einer Stunde ist die Aktion beendet. Jemand ruft laut, dass gleich Busse kommen werden, die uns von hier wegschaffen würden. Das sei notwendig, um unseren Schutz zu gewährleisten. Denn ansonsten müssten wir wohl befürchten, dass die Schreihälse, vermutlich zum Teil militante „Antifaschisten“ – die Sturmabteilung der Sozis beziehungsweise neuerdings auch der CDU wäre wohl richtiger – über uns herfallen würden.

Ein Freund hatte mir schon im Vorfeld gesagt, des Gefährlichste sei die An- und Abreise. Da dürfe man auf keinen Fall erkannt werden, weil da der Polizeischutz nicht gewährleistet sei und die Antifa-ler dort am liebsten über Einzelne oder kleine Gruppen herfallen würden.

Dann ein paar Minuten später marschieren wir geschlossen unter strengem Polizeischutz – unzählige Polizisten überall um uns herum – ab, aber nicht, wie sich kurze Zeit später herausstellen wird, zu Bussen, sondern zu einer U-Bahnstation.

Wenige Minuten zuvor sind schon etliche Polizisten in diese Richtung losgerannt. Ich ahne, die haben dort den Weg gesichert. Tatsächlich stehen sie jetzt dort überall links und rechts und bewachen uns quasi. Jetzt hört man wieder Schreie von links. Laut – aggressiv. Man kann nur ahnen, was die mit uns machen würden, wären all die Hundertschaften Polizei inklusive Wasserwerfer nicht da. Ich hätte Lust, ganz laut zu schreien „Merkel muss weg!“, traue mich aber nicht so richtig. Vielleicht wäre das auch zu gefährlich, die Schreihälse zu provozieren. Einige von uns rufen „Wir sind friedlich und was seid ihr“, aber die Rufe ebben immer ganz schnell wieder ab.

Dann ganz kurz vor der U-Bahnstation ruft jemand „Vorsicht, die werfen Steine!“. Jetzt geht alles sehr schnell. Jemand drückt uns zur Seite, wir sollen wohl schnell weg hier. Dann bekommt eine Freundin, die sich bei mir eingehakt hat, etwas Hartes ab, vermutlich einen Stein. Sie ist ganz dick eingepackt, fast wie ein Michelin-Männchen. Zum Glück! Denn sie hat den Stein voll auf die Brust bekommen. „Ich hab an der Stelle noch einen dicken Schal drunter“ sagt sie, „aber es tut trotzdem weh“. Das Ding muss also mit Karacho geworfen worden sein. Jetzt gehen wir schnell die Treppen zur U-Bahn runter. Hier sind wir in Sicherheit. Und wieder Polizisten, überall Polizisten.

Das ist der Anfang von etwas ganz Großem

Man sagt uns, dass wir mit der U-Bahn hier aus der Gefahrenzone weggeschafft werden und dass die Polizisten dann mit der nächsten U-Bahn gleich hinterfahren. Dann steigen wir alle in die nächste kommende Bahn ein und fahren weg. Die nächste Station wird durchgefahren, sagt man uns, um möglichst weit von der Antifa weg zu kommen. Wir unterhalten uns über das, war wir heute erlebt haben. „Surreal“, sagt eine Freundin, „Das Ganze wirkt vollkommen surreal“. Ja, das ist es, denke ich sofort. Sie hat es auf den Punkt getroffen.

Wir unterhalten uns über Uta. Wir alle bewundern ihren Mut und es tut uns unendlich leid, was sie und ihre ganze Familie, selbst die kleinen Kinder erleiden müssen, nur weil die Mutti es wagte, ein Schild auszupacken mit der Aufschrift „Merkel muss weg“, mehr nicht. Sie hat nicht einmal etwas gerufen oder gar geschrien. Nichts. Aber sie blieb nicht allein. Andere haben sich von ihrem Beispiel sofort anstecken lassen. Eine Woche später bereits zig Leute und jetzt noch viel mehr.

Über den Autor: Jürgen Fritz studierte in Heidelberg Philosophie, Erziehungswissenschaft, Mathematik, Physik und Geschichte (Lehramt). Nach dem zweiten Staatsexamen absolvierte er eine zusätzliche Ausbildung zum Financial Consultant unter anderem an der heutigen MLP Corporate University. Er ist seit Jahren als freier Autor tätig. Sein Blog: Jürgen.Fritz.com

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