Luftwaffen-Flieger Kurt Schuhmacher landet in Frankfurt mit China-Rückkehrern.Foto: Reutersvideoscreenshot

Quarantäne nur für Rückkehr-Deutsche – Sind Einreisende aus China eine potentielle Gefahr?

Von 31. Januar 2020 Aktualisiert: 12. Februar 2020 9:26
Höchste Sicherheit für die aus Wuhan zurückkehrenden Deutschen ist angesagt. Dafür brauche es eine "zentrale Unterbringung während der Inkubationszeit, solange möglicherweise noch keine Symptome da sind", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn. Doch warum gilt diese Sonderbehandlung nicht für alle?

Unzählige Infektionen, zahlreiche Tote. Das neuartige Coronavirus 2019-CoV aus China breitet sich rasant aus. Inzwischen hat die WHO den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Und in Wuhan warten heute über 100 Deutsche auf die Ankunft des Airbus 310 „Kurt Schumacher“ der deutschen Luftwaffe.

Unter den Deutschen gäbe es niemanden, der infiziert sei, und auch keine Verdachtsfälle, sagte Außenminister Heiko Maas in Berlin. Nachdem nun alle Genehmigungen der chinesischen Behörden vorliegen, konnte die Maschine am Vormittag aus Köln in die schwer vom Coronavirus betroffene Provinz Hubei starten. Die Rück-Ankunft in Deutschland ist für morgen vorgesehen. Beim Hinflug sollen auf Bitten Chinas 10.000 Schutzanzüge mitgenommen werden, die vor Ort gebraucht würden.

„Wir hoffen, dass alle, die zurückkehren, auch wenn sie in medizinischer Betreuung hier sein werden, gesund sind und auch gesund bleiben“, sagte der Außenminister.

Nach Angaben des Außenministers baten auch andere Länder darum, ihre Staatsbürger in den Flieger aufzunehmen und mit auszufliegen. „Im Moment ist die Situation aber so, dass wir davon ausgehen, dass alle verfügbaren Plätze in der Bundeswehrmaschine belegt sind“, so Maas.

Quarantäne für Deutsche aus Wuhan

Um die Sicherheit der Bevölkerung in Deutschland zu gewährleisten, werden diejenigen, die ausgeflogen werden, für zwei Wochen in Quarantäne genommen an einem Bundeswehrstandort: „um sicherzugehen, dass keine Infektion, keine Infizierung bei einem der Ausgeflogenen vorliegt“, sagte Maas. Die Maschine soll zunächst in Frankfurt am Main landen.

Sollten die Ärzte dort einen Verdacht auf eine Erkrankung haben, werden die Betroffenen in die Frankfurter Universitätsklinik gebracht, die auf die Therapie derartiger Krankheiten vorbereitet ist. Alle anderen werden zunächst im „Medical Assessment Center“ (einer umfunktionierten Turnhalle) betreut. Im Anschluss werden sie zu einem Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Germersheim gebracht.

Gesundheitsminister Jens Spahn sagte in einer Pressekonferenz am 30. Januar, es sei wichtig „zum Schutz sowohl der Bürger,  die zurückkommen aus China wie auch zum Schutz ihres Umfeldes und der Bürgerinnen und Bürger hier in Deutschland, dass wir sicherstellen können, dass niemand mit dem Virus infiziert ist.“

Dafür brauche es eine „zentrale Unterbringung während der Inkubationszeit, solange möglicherweise noch keine Symptome da sind.“ Ob möglicherweise eine Infektion vorliege oder nicht, das würde sich während der Inkubationszeit von zwei Wochen entscheiden.

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums sagte in Berlin, die Betroffenen sollten wegen der Inkubationszeit des Virus 14 Tage lang in der Ausbildungskaserne der Luftwaffe bleiben. „Die Kontakte nach außen werden auf ein Minimum reduziert“, sagte er. Zudem würden die Betroffenen in Einzelzimmern untergebracht, in denen sie auch bleiben müssten.

Chinareisende auf dem Weg nach Deutschland

Wenn über 100 Deutsche aus Wuhan vorsichtshalber unter Quarantäne gestellt werden, ohne dass sie Symptome zeigen, kommen Fragen auf: Warum macht man das nur mit den zurückkehrenden Deutschen? Warum testet man nicht alle Passagiere, die aus China kommen, auf eine Virusinfektion? Wäre das nicht sicherer?

Dafür gibt es zwei Gründe, sagte Dr. Udo Götsch von der Gesundheitsbehörde Frankfurt der Redaktion: Einerseits könnten die Tests nur durchgeführt werden, wenn bereits Symptome vorliegen. Andererseits schlägt ein Test mit 100 Euro zu Buche. Ausschließlich bei Verdachtsfällen werden die Tests durchgeführt.

Ein Verdachtsfall ist, wer unter Lungenentzündung, Husten, Fieber, oder Atemnot leidet UND in der Risikoregion gewesen ist oder Kontakt mit jemandem aus der Region hatte.

Im Fall der aus Wuhan stammenden Deutschen gehen die Behörden „zum Schutz der Bürger“ davon aus, dass jeder von ihnen ein potenzieller Virenträger sein könnte. Die chinesische Mitarbeiterin der Firma Webasto, durch die bislang fünf ihrer Kollegen infiziert wurden, hatte bei ihrer Einreise nach Deutschland keinerlei Symptome. Erst nach ihrer Rückkehr in Shanghai stellte sich heraus, dass sie ebenfalls infiziert war.

Weltweite Zahl der Infizierten: unbekannt

Wie viele Menschen tatsächlich durch den Virus infiziert wurden, ist unklar. Die offiziell von der chinesischen Regierung herausgegebenen Zahlen weichen stark von Angaben aus der chinesischen Bevölkerung ab.

Auf einer Pressekonferenz am 26. Januar hatte Wuhans Bürgermeister Zhou Xianwang berichtet, dass aufgrund des Chinesischen Neujahrsfestes und der Epidemie mehr als fünf Millionen Menschen Wuhan vor der Sperrung verlassen hatten. Derzeit befänden sich noch neun Millionen in der Stadt, berichtete die chinesischsprachige EPOCH TIMES („DaJiYuan“) von der Konferenz.

Diejenigen, die aus Wuhan flohen, waren wohlhabende und mächtige Menschen in Wuhan. Sie gingen in die 31-Millionen-Metropole Chongqing. Mit einem Hochgeschwindigkeitszug war die Entfernung nach Wuhan (ca. 850 Kilometer) in vier Stunden zu bewältigen.

Wie viele von diesen infiziert sind, ist unklar. Es ist auch unklar, wie viele Menschen in ganz China und somit weltweit angesteckt wurden. Etliche Chinesen, die derzeit nach den Neujahrsferien nach Deutschland zurückkehren oder ihren Heimweg nach China antreten, könnten bereits mit dem Virus infiziert sein.

Bei ihnen verhält es sich wie bei den ohne auffällige Symptome aus Wuhan einreisenden Deutschen: Ob möglicherweise eine Infektion vorliegt oder nicht, ist frühestens nach 14 Tagen bekannt. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass sie nicht in Quarantäne genommen werden. Auch am Flughafen kommen sie problemlos durch die Kontrollen, wenn sie keine Symptome zeigen.

(mit Material der Agenturen)



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