Streeck in der FAZ: Wer „falschen“ Corona-Ansatz äußert, wird diffamiert

Von 23. Januar 2021 Aktualisiert: 23. Januar 2021 20:05
Der Virologe Hendrik Streeck hat in der FAZ kritisiert, dass die Wissenschaft in der Corona-Debatte politisiert werde, statt sie debattieren zu lassen und der Politik Entscheidungsalternativen zu bieten. Wichtig seien mehr Erkenntnisse über konkrete Ausbreitungswege.                 

In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) hat der Bonner Virologe Hendrik Streeck vor einer einseitigen und ideologischen Diskussion in der Corona-Krise gewarnt. Einer der Anlässe dafür war, dass eine „Spiegel“-Reporterin ihn im Gespräch mit seinem Berliner Kollegen Christian Drosten als „schlimmer als die Corona-Leugner“ tituliert hatte. Drosten hatte sich daraufhin gegen diese Aussage verwahrt.

Streeck, der einer der Wissenschaftler des Expertenrates ist, die NRW-Ministerpräsident Armin Laschet seit dem vergangenen Frühjahr in Sachen Corona beraten, kritisiert, dass es in den seltensten Fällen gelungen sei, Wissenschaftler mit unterschiedlichen Meinungen an einen Tisch zu bekommen. Nordrhein-Westfalen mit seinem multidisziplinären Expertenrat sei dabei ein seltenes Positivbeispiel. Dieser entscheide wie auch andere Expertengremien nichts selbst, aber er biete der Politik verschiedene Sichtweisen als Grundlage für die eigene Entscheidung an.

Statt die Grenzen zwischen wissenschaftlicher Debatte und politischer Entscheidung über die daraus entwickelten Alternativen zu akzeptieren, sei es in Deutschland jedoch üblich geworden, die wissenschaftliche Debatte als solche zu politisieren: „Diskussion ist immer gut und essenziell, davon lebt die Wissenschaft. Aber es ist im Moment etwas in Schieflage geraten in der öffentlichen Debatte, weil zwischen ‚gut und richtig‘ und ‚böse und falsch‘ unterschieden wird – wer die ‚falsche‘ Auffassung hat, wird entweder nur noch ignoriert oder gleich diffamiert.“

Streeck: „Es gibt zwar Debatte, aber nicht in relevanten Gremien“

Vor allem die Regierung Merkel und ihr Umgang mit Wissenschaftlern zeige, dass politische Entscheidungen über wissenschaftlichen Fragestellungen stünden. Es gäbe zudem zwar eine Diskussion über unterschiedliche Ansätze in der Öffentlichkeit, aber nicht unbedingt in den relevanten Gremien.

Es sei „problematisch, von der Wissenschaft als Ganzes zu sprechen, weil es die eine wissenschaftliche Meinung zur Pandemie nicht gibt“. Im Vorfeld des Weihnachts-Lockdowns hatte es sogar Kontroversen an der Leopoldina gegeben, weil ein Positionspapier von Forschern als allgemeiner Konsens präsentiert wurde – den es dem Leopoldina-Mitglied Professor Michael Esfeld zufolge allerdings nicht gegeben habe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte erst jüngst in der Bundespressekonferenz selbst eingeräumt, dass sie zwar Studien lese und sich mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Positionen in der Debatte vertraut mache, ihre politische Grundentscheidung zum Umgang mit der Corona-Krise jedoch gefallen sei.

„Lockdowns bleiben vorerst erforderlich“

Streeck sprach sich hingegen für einen Ansatz aus, wie ihn zuletzt der niedersächsische Landtag gewählt habe: „Ich war kürzlich im niedersächsischen Parlament und habe die Abgeordneten über Corona informiert. Vor mir hat Viola Priesemann gesprochen, die für härtere Maßnahmen wirbt. Gegensätzlicher können unsere Ansichten im Moment nicht sein. Wir stimmen bei der Datengrundlage überein, interpretieren sie aber unterschiedlich. Die Diskussion war dadurch aber sehr ergiebig. Politiker auf Bundesebene sollten eine solche nicht unterbinden.“

Breite Lockdowns als Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie hält auch Streeck derzeit für unvermeidbar, um Infektionsketten zu unterbrechen. Allerdings fehle es an nachvollziehbaren Zielvorstellungen. Schon die Inzidenzzahl von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner sei politisch und nicht wissenschaftlich bestimmt, um die Nachvollziehbarkeit von Kontaktdaten Infizierter durch die Gesundheitsämter zu gewährleisten Streeck dazu:

Schon bei ihrer Festlegung war diese Zahl eher symbolisch, da die Kontaktnachverfolgung an einigen Orten gescheitert ist, und Ämter an anderen Orten mit deutlich mehr Ansteckungen zurechtkamen.“

Politische Entscheidungen an Werte wie diese zu koppeln, sei nicht zielführend, weil die Anzahl der Neuinfektionen stark schwanke und von zahlreichen Faktoren vom Testverhalten bis zum Beginn von Schulferien abhänge. Wolle man die Zielwerte an der Tragfähigkeit des Gesundheitswesens ausrichten, müsse man konkrete Zahlen zu Fragen wie jener entwickeln, ab wann es in der Intensivmedizin problematisch werden könnte.

Mit mehr Erkenntnissen kann stärker differenziert werden

Zudem sollte es deutlich mehr an Studien zu bestimmten möglichen Verbreitungsfaktoren wie Schulen, privaten Feiern oder Großraumbüros geben. Es wäre auch deshalb zurzeit noch „alternativlos“, mit der unterschiedslosen Maßnahme eines Lockdowns vorzugehen, weil für feinabgestimmte und zielgruppengenaue Ansätze die Erkenntnisse fehlten: „80 Prozent der Ansteckungen lassen sich nicht erklären. So bleibt nur, immer wieder mit dem Hammer draufzuhauen.“


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