Im Berliner Grunewald ist nach einer Explosion auf dem dortigen Sprengplatz ein Feuer ausgebrochen und hat den angrenzenden Wald in Brand gesetzt.
Im Berliner Grunewald ist nach einer Explosion auf dem dortigen Sprengplatz ein Feuer ausgebrochen und hat den angrenzenden Wald in Brand gesetzt.Foto: Christophe Gateau/dpa

Großbrand im Berliner Grunewald breitet sich Richtung Südwesten aus – Avus bis Freitagmorgen gesperrt

Von 4. August 2022
Nach einer Explosion auf einem Sprengplatz der Polizei im Berliner Grunewald ist der angrenzende Wald in Flammen geraten. Autobahn und Bahnstrecke wurden gesperrt.

Der Großbrand im Berliner Grunewald hat sich innerhalb des von der Feuerwehr geschaffenen Sperrkreises in Richtung Südwesten ausgebreitet. Wie ein Sprecher am Donnerstagabend mitteilte, konnte die Feuerwehr das Feuer aber daran hindern, bis zur Autobahn Avus zu gelangen. In der Nacht zum Donnerstag hatten Explosionen auf einem im Wald gelegenen Sprengplatz der Polizei den Brand ausgelöst.

Die Feuerwehr richtet aufgrund der massiven Explosionsgefahr einen Sperrkreis im Radius von 1000 Metern um den Sprengplatz ein. Nach Angaben des Sprechers konnten aber teilweise Einsatzkräfte in Absprache mit dem Sprengmeister der Polizei bis auf 500 Meter an den Sprengplatz vorrücken, um gegen die Flammen anzukämpfen.

Seit 18.00 Uhr kam es jedoch mehrfach wieder zu deutlich hörbaren Detonationen, wie der Feuerwehrsprecher sagte. „Was uns fehlt, ist eine Lageeinschätzung vom Sprengplatz“, fügte er hinzu. Aus diesen Gründen habe der Sperrkreis nicht wie erhofft verkleinert werden können. Der Verkehr auf der Avus bleibe ebenso wie der angrenzende Bahnverkehr voraussichtlich bis mindestens 06.00 Uhr am Freitagmorgen weiter unterbrochen.

Nach einer auf Luftbildern basierenden Einschätzung der Feuerwehr vom Donnerstagnachmittag hatte sich der Brand von eineinhalb Hektar am Morgen auf etwa 50 Hektar ausgeweitet. Allerdings stehe nicht alles in diesem Bereich in Flammen, zum Teil sei es nur verraucht, schränkte der Polizeisprecher ein.

Nach Angaben der Feuerwehr waren bis zu 50 Tonnen Kampfmittel auf dem Sprengplatz gelagert. Die Polizei sprengt nach eigenen Angaben mehrfach im Jahr die dort deponierten Funde, konnte dies aber wegen der Hitze in jüngster Zeit nicht tun.

Das Wetter bringt keine Hilfe

Beim Großbrand im Grunewald ist das Wetter bisher keine Hilfe für die inzwischen über 250 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr. Wie der „Tagesspiegel“ unter Berufung auf den Deutschen Wetterdienst schreibt, bleibe es ohne signifikanten Winde „am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag in der Region durchweg trocken“. Erst am Freitag werde mit Schauern und Gewittern gerechnet. Auch Starkregen sei möglich.


Kein schnelles Ende sieht auch die Berliner Feuerwehr. „Wenn man hier eine vorsichtige Einschätzung vornimmt und wenn man das realistisch analysiert die Lage, sieht es so aus, dass wir schon damit rechnen, dass die Lage mindestens auch noch in den frühen Morgenstunden nicht beendet sein wird [und] sich über die Nacht zieht“, zitiert die „Berliner Morgenpost“ Feuerwehrsprecher James Klein.

„Wir hatten zuerst ein Feuer am Sprengplatz, das hat sich auf drei, vier Feuer erweitert. Wenn man jetzt sich die Drohnen- und Hubschrauberbilder anguckt, haben wir da mehrere Glutnester, die noch zu den drei, vier dazugekommen sind. Das Feuer bewegt sich in den Südwesten“. Sowohl die Stadtautobahn A115 als auch den Feuerwehrriegel hat der Brand nicht übersprungen, sodass weiterhin keine (Wohn)-Gebäude gefhärdert sind. In zwei Kilometer Umkreis um den Sprengplatz wohnt buchstäblich keine Menschenseele.

Löschhubschrauber bereits im Einsatz – in Sachsen

Ein Polizeihubschrauber und eine Drohne liefern Bilder aus der Luft. Zudem sollen Flugzeuge der Bundeswehr in der Region unterwegs sein. Mindestens ein Löschhubschrauber wurde angefordert. Ob Hilfe aus der Luft kommt, ist jedoch noch immer unklar, da die Löschhubschrauber bereits in der Sächsischen Schweiz im Einsatz seien.

Das Löschen aus der Luft sei „nicht zielführend“, so der Feuerwehr-Chef. Zudem gelte ein 1.000-Meter-Sperrradius wegen Explosionsgefahr um den Sprengplatz. Und dieser Sicherheitsabstand gilt auch nach oben. Löschflugzeuge oder -hubschrauber operieren gewöhnlich in Höhen unter 100 Metern. Stattdessen verbreitert die Bundeswehr mit schwerem Gerät die Waldwege und legt Brandschneisen an.

Am späten Nachmittag konnte der Sperrkreis nach Feuerwehrangaben an einigen Stellen halbiert werden. „Unsere Einsatzkräfte können jetzt dahin vordringen und das Feuer am Boden bekämpfen“, sagte Sprecher Thomas Kirstein gegen 17.15 Uhr zur Berliner Morgenpost. Auf den eigentlichen Sprengplatz darf nach wie vor nur der Roboter der Bundeswehr. Erst wenn der örtliche Sprengmeister weiterer Explosionen ausschließen können, dürfen die Einsatzkräfte weiter vorrücken.

Ein Livestream mit Blick über den Grunewald auf YouTube zeigte eine dicke Rauchsäule, die in zunächst nordwestliche Richtungen zog. Inzwischen hat sich diese zu einem dichten Rauchvorhang gewandelt.

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Brandfläche unbekannt – Zwei bis 300 Hektar betroffen

Aktuell wisse man nicht, wie viel Wald in Berlin brennt, erklärte Berlins Forstamtsleiter Gunnar Heyne gegenüber dem Inforadio RBB24. Zunächst ging die Berliner Feuerwehr von etwa 1,5 Hektar aus – eine Fläche von etwa 150 x 100 Meter und damit deutlich kleiner als der betroffene Sprengplatz. Dieser misst nach Angaben der Polizei etwa acht Hektar. Der Grunewald umfasst etwa 3.000 Hektar.

Die Brandfläche wurde am frühen Nachmittag auf 20.000 Quadratmeter – zwei Hektar – erweitert.  „Im Moment wird von 150 Hektar gesprochen“, korrigiert Heyne die Zahl drastisch nach oben. Es bestehe jedoch Hoffnung, dass sich die Schäden reduzieren.

Man habe das Glück, dass die Zusammensetzung des Waldes im Grunewald etwas anders sei als etwa in Brandenburg, zitiert der RBB. Noch sei das Feuer jedoch völlig unkontrolliert. Zudem hat der Wind gedreht. Laut Feuerwehr – die aktuell (Stand 16 Uhr) mit etwa 250 Einsatzkräften vor Ort ist – habe sich der Brand zudem innerhalb des 1000 Meter großen Sperrradius ausgeweitet und sei in Richtung der vollgesperrten Autobahn A115 gewandert.

Aufgrund der anhaltenden Explosionsgefahr könne man jedoch nur außerhalb des Sperrradius löschen. Brennt dieser Sperrkreis vollständig aus, beliefen sich die Schäden auf über 300 Hektar und damit mehr als zehn Prozent der gesamten Waldfläche des Grunewalds. Die Bundeswehr versucht unter anderem mit einem ferngesteuerten Roboter dies zu verhindern.

Satnd 17 Uhr sprach die Feuerwehr von etwa 50 Hektar betroffener Fläche. Auf dieser sei nicht alles verbrannt, sondern teilweise verraucht

NASA liefert Bilder

Der Großbrand im Berliner Grunewald ist weit über die Stadtgrenzen hinaus zu sehen. Auch die NASA veröffentlichte Aufnahmen, nicht von Kalifornien aus, sondern von Erdbeobachtungsatelliten. Auch die satellitengestützte weltweite Feuererkennung hat den Brand südwestlich von Berlin erfasst. Eine Drohne liefert Zeitrafferbilder.

Erdbeben durch Explosion

Auch ohne Sichtkontakt hat das GeoForschungsZentrum GFZ in Potsdam den Brand registriert. Seismometer zeichneten eine heftige Detonation gegen 3:17 Uhr auf. Dies ist auch in Videos (siehe unten) zu sehen. Nach Angaben der Forscher folgen seither weitere Ausschläge der Messgeräte, die auf weitere Explosionen hindeuten.

Die Feuerwehr rechnet derweil mit einem länger dauernden Einsatz. Möglicherweise werde der Brand im Grunewald die Kameraden noch tagelang beschäftigen.

Bürgermeisterin unterbricht Urlaub – Spekulation über Brandrodung für Stadtentwicklung

Für Spekulationen auf Twitter sorgt ein Artikel von „RBB 24“ von Mitte Juni. Dort wurde eine Machbarkeitsstudie zu Windkraft in Berlin vorgestellt. Mögliche Standorte: „einige wenige Gewerbegebiete, Kraftwerke, Autobahnen, aber auch Waldgebiete“. Ein weiterer Artikel vermeldet „Asyl-Ansturm: Berlin aktiviert Notfallplan“.

Wie die Berliner Senatskanzlei seinerseits auf Twitter mitteilte, ist regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey am Ort des Geschehens eingetroffen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Laut „ZEIT“ brach sie dafür ihren Urlaub ab. Wie Giffey betonte wären Löscharbeiten schwieriger, wenn sich der Sprengplatz in einem Wohngebiet befände.

25 Tonnen Kampfmittel und 20 Weltkriegsbomben

Auf dem Sprengplatz der Polizei seien bis zu 50 Tonnen teils entschärfte Kampfmittel und Feuerwerkskörper gelagert, berichtete zunächst der RBB. Unter Berufung auf die Feuerwehr wurde diese Zahl präzisiert: Es seien 25 Tonnen Kampfmittel und 20 entschärfte 500-kg-Bomben auf dem Sprengplatz gelagert wurden – zusammen 45 Tonnen.

Zudem seien mindestens ein Container mit Feuerwerkskörpern und eine der entschärften Weltkriegsbomben am Brandgeschehen beteiligt. Letztere brennt nicht, da TNT eine Initialzündung braucht – eine kleine Explosion des Zünders – benötigt. Solange in unmittelbarer Nähe keine solche Explosion stattfindet, brennt die Bombe einfach ab.

Ein Spezialroboter der Bundeswehr soll das Gelände befahren und weitere Erkenntnisse liefern, beziehungsweise bei der Brandbekämpfung helfen.

Schließung des Sprengplatzes vor 17 Jahren abgelehnt

Ein Sprecher der Feuerwehr sagte am Vormittag: „Die Lage ist unübersichtlich. Es brennt weiter unkontrolliert der Wald.“ Es brenne auf einer Fläche von 15.000 Quadratmetern – etwa 100 x 150 Meter – auf dem Sprengplatz und im angrenzenden Wald. Er forderte die Bevölkerung auf, das Gebiet weiträumig zu meiden. Vor Ort seien aktuell (Stand 12 Uhr) mehr als 140 Feuerwehrleute. Eine Ablösung ist geplant.

Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) machte sich zusammen mit Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Mittag ein Bild der Lage. „Die Sicherheit der Berliner ist nicht gefährdet“, sagte Spranger. Wie es zu den Explosionen kam, sei aber noch unklar. Es müsse ermittelt werden, ob die Brandalarme funktionierten, sagte Slowik.

Das ist nicht das erste Mal, dass der 1950 eröffnete Sprengplatz für Diskussionen sorgt. 2005 hat die Berliner CDU beantragt, den Sprengplatz zu schließen. Das Abgeordnetenhaus von Berlin lehnte ab. Aus gegebenen Anlass erneuerte die CDU ihre Forderung, den Platz sofort zu schließen und mit dem Land Brandenburg eine länderübergreifende Lösung zu finden.

Die „Berliner Morgenpost“ veröffentlichte eine Detailansicht des Sprengplatzes sowie ein Interview mit einem Polizeisprecher, warum sich die Anlage mitten im Grunewald befinde. Demnach gäbe es keinen anderen Platz, der groß genug und genehmigungsfähig sei.

Luftbilder und erste Löscharbeiten

Am Vormittag wurden vier Brandherde lokalisiert. Zu zwei seien Wasserwerfer vorgedrungen und haben mit den Löscharbeiten begonnen. Ein Bergepanzer der Bundeswehr hilft in Absprache mit dem örtlichen Sprengmeister, Schneisen zu schlagen. Die Löscharbeiten gestalteten sich insgesamt jedoch weiter als schwierig.

Laut Feuerwehr wurde von der Havel und dem See Krumme Lanke eine großvolumige Wasserversorgung über eine Wegstrecke von mehr als drei Kilometern mit Unterstützung eines Löschboots und diverser Fahrzeuge in den betroffenen Bereich aufgebaut.

Ungewolltes Feuerwerk

Wie Anwohner berichteten, sind bereits seit kurz nach drei Uhr Explosionen zu hören. Um 3:24 Uhr ging der (erste) Notruf bei der Feuerwehr ein. Wohngegenden sind demnach aber nicht in Gefahr. Einige Anwohner hätten sich bereits in Kellerräume zurückgezogen, bevor die Brandmeldung der Behörden (ent)warnte.

Eine große Explosion im Wald wurde von einer Hauskamera festgehalten. Kurzvideos auf Twitter zeigen die Bedingungen vor Ort.

Bundeswehr, Wasserwerfer, Räumfahrzeuge

Wegen anhaltender Explosionen auf dem Sprengplatz habe die Feuerwehr noch nicht mit dem Löschen beginnen können. Die Feuerwehr bereite nun eine sogenannte Riegelstellung vor. Ziel sei es, den Brand in einer Entfernung von 1000 Metern von dem Sprengplatz zu bekämpfen. Näher können die Feuerwehrleute nicht heran, um sich selbst wegen weiterer Explosionen nicht zu gefährden.

Zuvor hieß es, 100 Einsatzkräfte der Feuerwehr und Polizei seien vor Ort, sowie weitere Einsatzkräfte und Spezialkräfte der Bundeswehr sind angefordert. Auf Twitter kursieren Bilder mit Wasserwerfern der Polizei. Von Räumpanzern ist die Rede. Twitteraufnahmen bestätigen dies.

Avus und Bahnstrecke gesperrt

Die nächsten Wohngebäude seien mindestens zwei Kilometer entfernt. Auch Verkehrsinfrastruktur sei nicht betroffen. „Das werden wir verhindern“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

Der Regional-, Fern- und S-Bahnverkehr sind unterbrochen, wie die Bahn auf ihrer Internetseite mitteilt. Die Autobahn Avus zwischen Spanischer Allee und Hüttenweg ist in beiden Richtungen gesperrt, ebenso der Kronprinzessinnenweg und die Havelchaussee, hieß es von der Berliner Verkehrszentrale. Nach einer ersten Prognose der Bahn sei mit Aufhebung der Sperrung nicht vor heute Nachmittag zu rechnen.

Behörden warnen, Gefahrengebiet zu meiden

„Momentan befinden wir uns in der Phase der Beratung und Beobachtung“, sagte der Sprecher der Feuerwehr weiter. Nach Angaben eines Polizeisprechers sei bisher noch völlig unklar, wie es zu der Explosion kommen konnte. Auf dem Platz wird Fundmunition gelagert und kontrolliert durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst der Berliner Polizei entschärft.

Die Behörden warnen die Bevölkerung über den Großbrand auf den Warnapps und riefen dazu auf, das Gefahrengebiet zu meiden. Anwohner sollen Fenster und Türen geschlossen halten. Lüftung und Klimaanlagen sollen ausgeschaltet werden. – Allerdings offenbar nur in Berlin, das Warngebiet endet trotz der Erfahrungen aus Tschechien und Sachsen an der Landesgrenze Berlin-Brandenburg.

Infolge der vorherrschenden Windrichtung zieht der Rauch derzeit in nordwestliche Richtung. Zeitweise wurde von beißendem schwarzen Rauch berichtet.

(Mit Material der Nachrichtenagenturen)



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