„Welt am Sonntag“: Immer mehr illegale Einreisen mit dem Flugzeug – SPD-Grötsch: „Peanuts“

Von 22. September 2019 Aktualisiert: 22. September 2019 15:22
Die in Deutschland vieldiskutierte „Flugscham“ scheint unter Migranten, die beabsichtigen, über die Balkanroute nach Mitteleuropa zu gelangen, keine nennenswerte Rolle zu spielen. Seit Beginn des Jahres, so berichtet die „Welt am Sonntag“, hat die Bundespolizei bereits 6.000 illegale Einreisen auf dem Luftweg verzeichnet. Die Dunkelziffer liegt noch deutlich höher.

Wie die „Welt am Sonntag“ (WamS) (22.9.) schreibt, hat die Bundespolizei seit Jahresbeginn mehr als 6.000 unerlaubte Einreisen auf dem Luftweg registriert. Bis Ende Juli sollen 6175 Asylbewerber mit dem Flugzeug nach Deutschland gelangt sein, die meisten von Griechenland aus.

Da das Schengen-Abkommen nur stichprobenartige Kontrollen an den Grenzen der Mitgliedsländer zulässt, ist davon auszugehen, dass eine erhebliche Anzahl an illegalen Einwanderern auf dem Luftweg unbemerkt eingereist ist.

Ein Drittel gibt an, mit dem Flugzeug gekommen zu sein

Um an Bord zu kommen, nehmen Migranten fremde Identitäten an oder buchen Flüge kurz vor dem Start um. Die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen entlang der Balkanroute lassen die Asylsuchenden vermehrt davon Abstand nehmen, auf dem Landweg ihr Glück zu versuchen.

Pro Monat sollen sich 12.000 Migranten auf den Weg über die Balkanroute in Richtung Mitteleuropa machen, Tendenz: nach Jahren des Rückgangs wieder steigend.

Deutschland bleibt eines der bevorzugten Ziele der Wanderungsbewegungen. Derzeit, so schreibt die „Welt am Sonntag“ weiter, befinden sich Sicherheitskreisen zufolge mehrere tausend Menschen in den Transitländern auf dem Balkan. Allein auf den griechischen Inseln im Osten der Ägäis sollen sich derzeit 26.000 Migranten aufhalten – was einem neuen Rekordwert seit Inkrafttreten des „Flüchtlingsdeals“ zwischen der EU und der Türkei im März 2016 entspräche.

In Befragungen von Asylbewerbern durch das BAMF soll bis zu einem Drittel der Teilnehmer angegeben haben, den Luftweg genommen zu haben. Dies legt nahe, dass die Differenz zwischen mehr als 80.000 Asylanträgen bis Ende Juli und den genannten 6.000 Einreisen auch Rückschlüsse auf Verlagerungen der Wanderungsbewegung vom Landweg auf das Flugzeug zulässt.

Sicherheitsbeamten zufolge nutzen die Asylsuchenden gezielt die eingeschränkten Kontrollen im Schengenraum. Viele verwendeten einem Bericht des Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrum illegale Migration (GASIM) zufolge gefälschte Dokumente. In anderen Fällen sind aber auch authentische Ausweisedokumente bereits anerkannter Schutzsuchender gleichsam zum „Wertpapier“ geworden und werden an andere Migranten oder Schleusernetzwerke „indossiert“.

Beamte der Bundespolizei beraten vor Ort

Da viele Schleuser mittlerweile „All-Inclusive“-Pakete mit garantierter Ankunft in Deutschland anbieten, ist der Preis für das Flugticket häufig schon inbegriffen. GASIM spricht davon, dass die Schleuser professionell organisiert seien und Dokumente notfalls Just-in-time liefern könnten. Dazu kaufen sie flexible Tickets, die schnell und unbürokratisch umgebucht werden können. Auch beobachten Mitwisser vor Ort, an welchem Flughafengate gerade Kontrollen stattfinden – und informieren die Migranten zum Teil bereits, wenn diese sich schon im nicht öffentlichen Bereich des Flughafens befänden.

Gegenüber der WamS fordert CDU-Innenpolitiker Armin Schuster eine intensivierte Schleierfahndung, die es ermögliche, „diejenigen direkt an der Grenze oder am Flughafen zurückzuweisen, die mit gefälschten Ausweisdokumenten schon bei der Einreise nachweislich versuchen zu täuschen“.

SPD-Innenexperte Uli Grötsch sieht demgegenüber keinen Handlungsbedarf. Er spricht bezüglich des Zuwachses der Zahl an illegalen Einreisen auf dem Luftweg gar von „Peanuts“, da die Passagierzahlen im Flugverkehr ja auch insgesamt stiegen.

Um zu verhindern, dass Asylsuchende zum Zweck der illegalen Einreise Flugzeuge in Griechenland überhaupt erst besteigen können, beraten Beamte der Bundespolizei die Fluggesellschaften vor Ort. Bis Ende Juli soll es auf diese Weise immerhin gelungen sein, 4301 Ausreisen in die Bundesrepublik zu verhindern.

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