„Welt“: Kinderhasser haben das Wesen der Familie nicht einmal begriffen

Von 25. März 2019 Aktualisiert: 25. März 2019 20:20
In einem Kommentar für die „Welt“ bescheinigt Claudia Becker der neuen deutschen Wortführerin des Antinatalismus, Verena Brunschweiger, sie kultiviere das „uralte patriarchalische Frauenbild“ vom „unmündigen Weib, das erzogen werden muss“. Von realem Familienleben habe sie keine Ahnung.

Die Polemik der Lehrerin und Protagonistin der „Kinderfrei“-Bewegung, Verena Brunschweiger, wonach der Verzicht auf Kinder gleichsam ein ethisch gebotener Akt zur Reduktion von CO2-Emissionen sei, hat unter konservativen Kommentatoren und in sozialen Medien harsche Kritik hervorgerufen. Von „Menschenverachtung“ und „Ökofaschismus“ war die Rede, Vergleiche mit der Gedankenwelt des Christchurch-Attentäters wurden laut, der seine Tat ebenfalls als Signal gegen eine angebliche „Überbevölkerung“ gerechtfertigt hatte, die die Umwelt belaste.

In der „Welt“ hat Claudia Becker nun den Blick von der politisch-ideologischen Komponente weggelenkt. Sie hat ihre Kritik an den Thesen Brunschweigers damit begründet, dass diese eine völlige Unkenntnis des tatsächlichen Lebens von Müttern offenbare und keinerlei Ahnung über die Realität und den Wert der Familie habe.

Familien leisten etwas, das ein Staat nie könnte

Brunschweigers Einschätzung, eine Frau, die ein Kind bekomme, sei in erster Linie „Umweltsünderin“, sei nicht nur beleidigend, sondern auch Ausdruck eines „uralten patriarchalischen Frauenbildes“:

„Und zwar das vom unmündigen Weib, das erzogen werden muss. Das nicht nur ein Manifest für eine umweltschonendere Lebensweise nötig hat, sondern auch eine Anleitung für ein glücklicheres Leben, das sie nur dann bekommt, wenn sie ‚kinderfrei‘ bleibt. Die Vorstellung, dass Frauen selbst beurteilen können, was sie wollen, dass sie sehr genau wissen, was ihnen guttut und was nicht, und dass zu ihrem Lebenskonzept möglicherweise Kinder unbedingt dazu gehören, kommt der ‚Radikalfeministin‘ gar nicht erst in den Sinn.“

Es mag durchaus sein, dass Kinder anstrengend sein könnten. Selbstverständlich seien sie ein Kostenfaktor und verlangten Abstriche bei der Karriere. Vor allem in der Pubertät sei der Umgang mit ihnen schwierig. Dennoch, so betont Becker, machen sie glücklich. Mit Kindern schaffe man sich etwas an, was unbezahlbar sei – eine Familie:

„Ein Netzwerk von Menschen jeder Generation und mit unterschiedlichsten Persönlichkeiten, das uns durch unser Leben trägt, zu dem wir immer gehören, auch wenn wir uns schlecht benehmen, auch wenn wir langsamer sind oder nicht so leistungsfähig. In dem andere Regeln gelten als in der Berufswelt, in dem es nicht nur um Auszeichnungen und Geldverdienen geht. Ein Netzwerk, das kein Nachbarschaftsheim und keine Pflegeversicherung ersetzen kann, das nicht auf einer staatlich angeordneten Solidarität, sondern auf Liebe beruht.“

Von Kindern lernen

Natürlich würden auch Kinderlose sich in eine Familie einbringen können, kranke Großeltern pflegen oder etwas mit Neffen unternehmen. Dass jedoch auch künftig Familien überhaupt existieren können, bedürfe es jener Frauen und Männer, die sich für Kinder entscheiden. Zudem würde man auch als Erwachsener selbst noch von Kindern lernen können.

Kinder bremsen uns nicht nur aus, entschleunigen das Tempo, mit dem wir durchs Leben rasen, sie verändern unsere Sichtweise. Wer mit ihren Augen die Welt sieht, kann so viel Neues entdecken, auch über sich selbst, was schließlich die beste Voraussetzung dafür ist, sich weiterzuentwickeln. Und das betrifft nicht nur die Kleinkindzeit, wenn sie so putzige Fragen stellen.“

Selbst wenn sie sich zu „jungen, anstrengenden Erwachsenen“ entwickeln, die uns „mit ihren steilen Thesen genauso provozieren, wie wir es mit unseren Eltern getan haben“, sei es ein Glück, am Familientisch lautstark erleben zu dürfen, was den Lauf der Welt antreibe: der Generationenkonflikt.

Am Ende ihres Kommentars geht allerdings auch Becker noch einmal ins Grundsätzlich-Politische. Becker ist sich sicher: Eine deutlich andere Reaktion hätte es hervorgerufen, hätte jemand eine andere Bevölkerungsgruppe als Kinder zu einem neuen Feindbild erklärt, welches unsere Welt bedrohe – etwa Frauen, Männer oder Migranten.

Ohne Kinder keine Weiterentwicklung

Kinder, so betont die „Welt“-Kolumnistin, geben dem Leben einen Sinn:

Kinder sind eine Bereicherung. Nicht nur für ihre Eltern. Denn sie, die Töchter und Söhne von heute, sind die, aus denen die Menschen werden sollen, die unsere ganze Gesellschaft vorantreiben. Mit ihren Ideen, ihrer Individualität, ihrer Empathie, ihrer Liebe.“

Es sei die Aufgabe von Eltern, ihren Nachwuchs auf die Zukunft vorzubereiten. Das sei nicht nur sehr anstrengend, sondern auch verantwortungsvoll. Wer für diese Familienarbeit keine anderen Worte finde, als sie als reaktionäres Projekt abzutun, habe vieles noch nicht verstanden. Und es sei ungewiss, ob die Betreffenden dies je verstünden.

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