„Diskriminierend“ und gegen die „Genderperspektive“: Vorschule in Schweden schafft traditionelle Lucia-Feier ab

Von 29. November 2018 Aktualisiert: 29. November 2018 18:15
In Schweden beginnen erste Schulen damit, die Feierlichkeiten zum traditionellen Lucia-Fest am 13. Dezember abzuschaffen. Eine Schulleiterin in Motala begründet dies mit Bedenken aus dem Blickwinkel der Gleichheit und der "Genderperspektive". In Mellerud, wo ebenfalls eine Absage drohte, wittern Eltern "Toleranz"-Erwägungen gegenüber Muslimen.

Bevor in Schweden im Jahr 1752 der Gregorianische Kalender eingeführt wurde, wurde über ein Jahrhundert lang der 13. Dezember, der Gedenktag der heiligen Lucia, als kürzester Tag des Jahres begangen.

Seit damals ist es weithin üblich, diesen Tag feierlich zu begehen. In Kindergärten, an Schulen und sogar am Arbeitsplatz gehört er zum fixen Festkalender. Für Kinder ist es dabei üblich, Feiern und Prozessionen auszurichten. Dabei treten diese in langen weißen Gewändern sowie mit traditionellem Haarschmuck auf. Sie tragen Kerzen, reichen Safrangebäck und singen Lieder.

Mit Fortdauer der Zeit ist der Stiefel des „gesellschaftlichen Fortschritts“ auch auf diese Tradition getreten. Durch das Eliminieren des kirchlichen Bezuges und Bürokratisierung im Namen des Brandschutzes, der irgendwann vorschrieb, elektrische Kerzen zu tragen, wurde das Fest zunehmend entkernt.

Eltern wurden nicht gefragt

An der Kärrbacken-Vorschule im südschwedischen Motala ist ab sofort komplett Schluss mit Lucia. Dies hat die Schulleitung beschlossen und kulturmarxistische Sachzwänge als Gründe dafür namhaft gemacht.

Schulleiterin Anna Karmskog erklärte, man wolle auf diese Weise „Diskriminierung“ und „kränkende Behandlung“ vermeiden sowie sicherstellen, dass niemand „ausgeschlossen“ werde. Auch die „Gleichheitsperspektive“ lege den Schritt nahe. Zudem, so zitiert sie die Zeitung „Motala Vadstena Tidning“ (MVT) würden viele Menschen Lucia-Kostüme lediglich für die einmalige Verwendung kaufen, wozu man Eltern nicht zwingen wolle.

Nun könnte man natürlich einwenden, in der mehr als 40 000 Einwohner zählenden Stadt Motala oder deren Umgebung gäbe es mehrere Kostümverleih-Unternehmen – oder die Schule könnte sich im Wege einer einmaligen Investition selbst einen Bestand an Kostümen zulegen, die dann jährlich zur Ausleihe zur Verfügung stünden.

Karmskog nennt aber noch weitere Gründe für die Abschaffung des Lucia-Festes. So soll es Kinder geben, die es traurig und ängstlich mache, in einer größeren Gruppe aufzutreten – was aber eigentlich eher ein Argument für Homeschooling darstellt als für die Absage einer Feier. Die überzeugendste Begründung, die die Schulleiterin zu bieten hat, ist aber folgende: Wenn die Kinder in einer Reihe gehen müssten, stelle dies die „Genderperspektive“ infrage. Eine Konsultation der Eltern im Vorfeld der Entscheidung unterblieb.

Eltern drohten mit Schulboykott

Auch in Mellerud sollte erstmals die Lucia-Feier abgesagt werden, und zwar sowohl an der Grund- als auch an der Mittelstufe der Åsen-Schule. Während in Motala offenbar linksextreme Erwägungen hinter der eigenmächtigen Veranlassung stehen, wittern einige Eltern in Mellerud eine Geste in Richtung muslimischer Schüler.

Zwar geht aus keinem Bericht hervor, dass es tatsächlich konkrete Beschwerden muslimischer Schüler oder Eltern über die traditionelle Feier gegeben hätte. Allerdings vermutet Ingrid Stewart, ein Mitglied des Elterngremiums, dass die Schule damit eine Geste an muslimische Schüler richten wollte.

Immerhin, so Stewart, seien ihre Kinder vor wenigen Tagen mit Süßigkeiten nach Hause gekommen. Sie hätten berichtet, dass muslimische Mitschüler diese aus Anlass des Fests zur „Himmelsreise des Propheten“ (Miradsch) verteilt und über dessen Ursprung berichtet hätten. Über eine Feier der Himmelsreise in der Schule seien die Eltern jedoch nicht informiert worden.

Nachdem zahlreiche Eltern damit gedroht hatten, am 13. Dezember ihre Kinder nicht zur Schule zu schicken und stattdessen auf dem privaten Anwesen der Familie Stewart in Eigenregie das Lucia-Fest zu feiern, teilte Direktorin Lena Andersson mit, dass es doch eine Lucia-Feier an der Schule geben werde. Die exakte Planung sei jedoch noch nicht abgeschlossen. Die Feier werde auch erst nach Ende des regulären Unterrichts stattfinden.

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