Frankreich in der Krise: Wird die Grande Nation zur Gefahr für Europa?

Epoch Times10. Juni 2016 Aktualisiert: 8. Juli 2016 3:29
Frankreich gerät immer tiefer in die Krise. Die schlechte Lage der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas könnte für den gesamten Euro-Raum gefährlich werden. Auch für Deutschland.

Die Grande Nation steckt tief in der Krise. Und diese Krise ist mittlerweile so groß geworden, dass sie zur Gefahr für ihre Partnerländer innerhalb der Euro-Zone werden könnte. Auch für Deutschland.  

Die Regierung unter Staatschef François Hollande pocht auf eine umstrittene Arbeitsreform, die beim Großteil der Bevölkerung auf Widerstand stößt und die Lage im Land eskalieren lässt. Schon seit Monaten ist die politische Lage in der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas dermaßen angespannt, dass es fast täglich zu Protesten kommt. 

Die Gewerkschaften riefen zum Arbeiterkampf auf und stellten bei allen 19 Atomkraftwerken Barrikaden auf. Aus Sicherheitsgründen wurde bereits die Stromproduktion heruntergefahren. Aber auch Frankreichs Eisenbahner traten in einen unbefristeten Streik und legten somit große Teile des Landes lahm.

Und jetzt, kurz vor der EM, steigen auch die Beschäftigten der Pariser Métro in den Arbeitskampf ein. Damit erreichen die Proteste gegen die angestrebten Arbeitsmarktreformen einen neuen Höhepunkt. 

Doch die Streiks sind nicht die einzigen Probleme die Deutschlands wichtigster Partner und Absatzmarkt in Europa hat. Es gibt mehrere Gründe warum sich Europa über Frankreich sorgen machen muss, denn wenn sich das Land nicht reformiert und erholt, kann die Euro-Zone langfristig nicht existieren.

Frankreich voll mit Euro-Gegnern 

Aber die Franzosen wollen keine Reformen. Deshalb wird nicht nur in Großbritannien über einen Euro-Austritt diskutiert sonder auch in anderen Ländern, wie Frankreich. Neben einem Brexit und Grexit steht auch der Frexit zur Debatte. Wie die "Welt" berichtet ist ein Gradmesser für die wachsende Euro-Ermüdung der sogenannte Frexit-Index des Analysehauses Sentix.

"Dieser misst, wie hoch die Finanzmärkte die Wahrscheinlichkeit einschätzen, dass ein Land binnen eines Jahres aus dem Euro fällt. Für Frankreich hat sich der Wert im Mai gegenüber dem Vormonat mehr als verdreifacht. Zwar ist die Zahl von 1,3 Prozent weiterhin sehr niedrig. Doch der Trend bei einem der Gründungsländer des gemeinsamen Europa ist beängstigend," so die Zeitung. 

Diese Entwicklung wird durch die immer stärker werdende rechtspopulistische Partei Front National, die sich entschieden gegen den Euro ausspricht, vorangetrieben. In Umfragen ist zu sehen, dass 74 Prozent der Franzosen damit rechnen, dass die Parteivorsitzende und Spitzenkandidatin Marine Le Pen die entscheidende zweite Runde der Präsidentschaftswahlen erreichen wird.  

Gemeisterte Krisen 

In den 70er und 80er Jahren durchlitt Frankreich bereits einige Krisen und der Franc wurde zur starken D-Mark regelmäßig abgewertet. Dies verschaffte der französischen Industrie immer wieder neuen Aufschwung und einen Wettbewerbsvorteil. Zwischen 1971 und dem Mauerfall 1989 verlor die französische Währung mehr als die Hälfte ihres Wertes.

Dies ermöglichte es der Regierung in Paris, die Wirtschaft des eigenen Landes ohne schmerzhafte Reformen wieder zu stabilisieren und vorwärts zu bringen. Dies wäre nach Ansicht von Experten auch heute wieder dringend nötig, so die "Welt". Der Euro ist für die französische Wirtschaft zu stark und müsste für Frankreich um rund zehn Prozent abgewertet werden. Das ging mit einer Nationalen Währung, aber nicht mit dem Euro. Deshalb, so die "Welt", bleiben Frankreich nur schuldenfinanzierte öffentliche Konjunkturprogramme, oder tiefgreifende Reformen die ihre Wirkung aber erst langfristig entfalten könnten. 

Frankreich hat enorme Schulden  

Deutschland und Frankreich waren sich im Jahre 2000 noch einig: Um mehr Freiheit bei der Haushaltsgestaltung zu haben, setzten die Staaten eine Aufweichung der Maastrichter Schuldenkriterien durch. Damals lagen beide Länder bei der Schuldenquote nahezu gleichauf, schreibt die "Welt" weiter. 

Bei der Finanzkrise wuchsen die Schuldenberge beider Länder. Doch während sich Deutschland erholen konnte und die Schuldenquote aktuell auf die 70 Prozent Marke zusteuert, steigen in Frankreich die Schulden zusehends. Laut "Welt" könnten die Verbindlichkeiten des Landes schon bald 100 Prozent der Wirtschaftsleistung entsprechen. 

Nötige Reformen 

Frankreich gehört zwar noch zu den sieben wichtigsten Industrienationen (G7). Mit seiner Wirtschaftsleistung liegt das Land im globalen Ranking auf Platz sechs. Doch Frankreich verfügt über eine weit weniger ausgeklügelte Industrie wie Deutschland und tut sich im Wettbewerb schwer. Laut "Welt" profitierten die Franzosen deshalb auch kaum vom Aufschwung in China, während Deutschland stark davon profitiert. Der Marktanteil an den globalen Exporten aus Frankreich ist deutlich zurückgegangen.

Laut Experten würden die von der Regierung angestrebten Arbeitsmarktreformen den Franzosen aus der Krise helfen. Da das derzeitige Arbeitsgesetze des Landes zu starr sei. Entlassungen beispielsweise dauern oft viele Jahre und sind sehr teuer, so die "Welt".

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Demnach habe das Arbeitsrecht des Landes auch dazu geführt die Arbeitslosenzahlen in die Höhe zu treiben. Das Gesetz habe nach der Finanzkrise in 2008 eine wirkliche Belebung am Arbeitsmarkt verhindert. Die Arbeitslosenquote in Frankreich liegt weiterhin bei rund zehn Prozent. Trotzdem bleiben die Löhne relativ hoch. 

Deswegen meinen Bankexperten, wenn die Franzosen ihren Arbeitsmarkt nach deutschem Vorbild umbauen würden, könnte sich das Potenzialwachstum des Landes von einem auf zwei Prozent verdoppeln, berichtet die "Welt" weiter. Eine höhere Arbeitsneigung in der Bevölkerung und längere Arbeitszeiten wären demnach der Schlüssel um Frankreich aus der Krise zu helfen. (so)