Frauenbad für Wien? Migrantenpartei will damit „geschützte Räume“ schaffen

Von 5. Juli 2019 Aktualisiert: 6. Juli 2019 19:25
Die neu gegründete Liste „Soziales Österreich der Zukunft“ (SÖZ) will 2020 erstmals für den Wiener Gemeinderat kandidieren. Ihr Gründer ist der frühere Vizechef der Erdoğan-Lobbyorganisation UETD in Österreich. Nun will er „links-liberal“ sein und für „Gendergerechtigkeit“ stehen. Und für ein Bad nur für Frauen in Wien.

Im Jahr 2020 stehen Wahlen zum Wiener Gemeinderat an. Erstmals will dabei die Liste „Soziales Österreich der Zukunft“ (SÖZ, im Türkischen bedeutet „söz“ das Wort bzw. das Versprechen) antreten. Mit einem Facebook-Post vom 2. Juli hat es die Partei jedenfalls schon einmal geschafft, breite Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Darin verspricht die neu gegründete politische Kraft: „Wir schaffen ein Bad nur für Frauen in Wien“. Für Parteigründer Hakan Gördü ein naheliegender Akt, schließlich gebe es ja auch Fitnessklubs nur für Frauen.

Ein ganzes Bad ausschließlich für Frauen würde „mehr geschützte Räume für selbstbestimmte Frauen“ schaffen. Immerhin sei der „Druck von der Gesellschaft oder Modewelt, vorgegebenen Schönheitsidealen entsprechen zu müssen“, für viele Frauen eine enorme Last, begründet SÖZ seine Forderung.

„Zeichen der Fortschrittlichkeit und Akzeptanz“

„Ganz gleich ob spirituell oder gesellschaftskritisch motiviert, die bewusste Entscheidung, selbstbestimmt über die eigenen Körpergrenzen zu entscheiden, ist ein couragierter und emanzipatorischer Akt in der Frauenbewegung“, heißt es weiter, und dass jede Frau „ein Recht auf ein für sie individuelles Körpergefühl“ habe und sich „nicht zwischen Selbstbestimmung und Badespaß entscheiden müssen“ sollte.

Geschützte Räume für Frauen, in denen sie unter sich seien, hätten einen „empowernden Effekt“ und seien „ein Zeichen der Fortschrittlichkeit und Akzeptanz“.

So viel Einfühlungsvermögen in die weibliche Psyche rief andernorts jedoch umgehend Argwohn hervor. Insbesondere deshalb, weil SÖZ-Gründer Hakan Gördü bis dato noch nicht primär als emanzipatorischer Frauenversteher Aufmerksamkeit erregt hat, sondern eher als sendungsbewusster Exponent des politischen Islam in Österreich und als glühender Anhänger des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

Bis 2016 war Gördü sogar stellvertretender Vorsitzender der österreichischen Sektion der Erdoğan-Lobbyorganisation Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD). Er trat zurück, nachdem er Kritiker des türkischen Präsidenten nach dem gescheiterten Putschversuch jenes Jahres auf Twitter mit zotigen Aussprüchen bedacht hatte und darob in die Kritik geraten war. In der Adventszeit des Vorjahres erlangte er landesweit Aufmerksamkeit, nachdem er wortgewaltigen Anstoß an einem seiner Auffassung nach „rassistischen“ Nikolaus im Salzburger Land genommen hatte.

Gördü will mit türkischer Innenpolitik nichts mehr zu tun haben

Auch ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer sieht der „Kronen Zeitung“ zufolge weniger den Schutz von Frauen vor lüsternen Blicken oder unangebrachten Bemerkungen als Motivation hinter der SÖZ-Forderung, sondern „knallharten politischen Islam“. Gegenüber dem Massenblatt sagte er:

Frauen sollen aus der Öffentlichkeit verdrängt werden. Darauf darf man nicht hineinfallen. Eine solche Ideologie hat in unserem Land keinen Platz.“

Die ÖVP werde sich genau anschauen, wie sich diese Bewegung entwickelt und wer sich ihren Forderungen anschließt. Auch die FPÖ ist außer sich. Der EU-Abgeordnete Harald Vilimsky findet die Forderung der „Türken-Partei“ nach einem reinen Frauenbad „einfach nur ungeheuerlich“.

Gördü gibt sich mittlerweile in Interviews distanziert gegenüber türkischer Innenpolitik. Er sei, so betont er gegenüber dem „Kurier“, lediglich gegen „Fremdenfeindlichkeit und Sündenbockpolitik“. Vielmehr sei er „links-liberal“, für mehr politische Partizipation, den Schutz individueller Daten und für „Gendergerechtigkeit“. SÖZ sei sogar „solidarisch mit dem Frauenvolksbegehren“, das im Vorjahr stattgefunden hatte – dessen Forderungen allerdings in weiten Teilen eher links-radikal als „liberal“ in welcher Form auch immer anmuteten. Mittlerweile wolle man nicht einmal mehr „Migrantenliste“ sein, sondern „100-prozentig österreichisch“.

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