Lückenhaftes System ermöglicht boomenden Kinderhandel: Entführer, Menschenhändler und Pädophile greifen zu

Von 20. March 2018 Aktualisiert: 21. März 2018 7:10
Der Handel mit Kindern boomt. Ein lückenhaftes System wird von Entführern, Menschenhändlern und Pädophilen ausgenutzt. Viele Kinder verschwinden, niemand weiß, wo sie sind.

Die globale Adoption ist ein großes Geschäft: Die Vorschriften sind lose – es gibt hohe Gewinnanreize. Das System wird von Entführern, Menschenhändlern und Pädophilen ausgenutzt.

Die Vorschriften in der internationalen Adoption sind zwar teilweise verschärft worden – einige Länder haben ausländische Adoptionen sogar ganz verboten. Dennoch hat sich das Problem mit dem Kinderhandel zugespitzt. Kidnapper heizen den Handel an und Adoptionsagenturen umgehen die Gesetze.

„Das, worüber ich stolperte, ist entsetzlich“, sagt Ed Opperman, Privatdetektiv und Moderator der Radiosendung „The Opperman Report“.

Opperman untersucht Fälle von Eltern, die versuchen ihre vermissten Kinder zu lokalisieren. Er untersucht auch Fälle von Kindern, die nach ihren leiblichen Eltern suchen. In manchen Ländern gibt es „überhaupt keine Überprüfung“, sagt er. „Es ist viel Geld zu verdienen im Adoptionsgeschäft.“

Es gibt viele Lücken im System – weltweit

Russland beispielsweise geht aktiv gegen internationale Adoptionen vor. Dennoch hat das Land nur eine minimale Verwaltungsbürokratie – diese beinhaltet einen Test, sowie eine Hintergrundüberprüfung der Adoptiveltern und informiert über die Wartezeit.

Auch die Vereinigten Staaten kämpfen gegen den Handel mit Kindern: Im Juli 2014 trat in den USA ein Gesetz in Kraft, das eine föderale Überprüfung und Akkreditierung aller US-amerikanischen Adoptionsagenturen erfordert. Der Intercountry Adoption Universal Accreditation Act von 2012 wurde in Kraft gesetzt, da sich die Berichte über Kindesentführung häuften. Es wurde berichtet, dass die Entführer Kinder an ausländische Waisenhäuser verkauft hatten – manchmal sogar mit Hilfe von scheinbar legitimen humanitären Gruppen.

Obwohl das US-Gesetz 2014 den „Wildwest“-Zustand des internationalen Adoptionsgeschäfts in den Vereinigten Staaten beendete, der weitgehend unberührt von der staatlichen Regulierung und Aufsicht war, hat das Gesetz das Problem nicht wirklich gelöst.

In 2007 hat Guatemala internationale Adoptionen verboten. Damals wurde fast jedes hundertste in Guatemala geborene Kind von ausländischen Eltern adoptiert.

2011 erhielt die investigative Journalistin und Autorin Erin Siegal McIntrye von der US-Botschaft in Guatemala einige Memos, die zeigten, dass Kinder für die Industrie entführt wurden. Zudem wurden Mütter – die versuchten ihre Kinder wiederzufinden – mit dem Tod bedroht.

Nachdem die ausländische Adoptionsindustrie in Guatemala geschlossen wurde und das Land internationale Standards für ausländische Adoptionen im Rahmen des Haager Entführungsübereinkommens angenommen hatte, verlegte sich der internationale Adoptionsmarkt teils an andere Gebiete. Die lokalen Kriminellen suchten sich andere Einnahmequellen.

Der Missbrauch von Adoptionen in Guatemala ist aber dennoch nicht vorbei.

InSight Crime berichtete 2013, dass in Guatemala „illegale Adoptionen trotz Vorschriften weiterhin florieren“ und dass „die Mehrheit der gestohlenen Babys für irreguläre Adoptionen oder für ihre Organe verkauft werden.“

Im Jahr 2016 verschärfte Uganda seine Gesetze zur ausländischen Adoption, berichtete Reuters. Die „Fast-Track-Auslandsadoptionen“ in denen Kinder mit lebenden Eltern unter dem Deckmantel der Adoption in wenigen Tagen aus den Familien gerissen werden konnten, wurde damit beendet. Reuters erklärte, dass Hunderte von Kindern aus Uganda, hauptsächlich in die Vereinigten Staaten, verschleppt wurden.

In Indien werden Kinder, die zur Adoption anstehen, als „produzierte Waisenkinder“ bezeichnet. Indiens Nachrichtenagentur Firstpost berichtete, dass 2016 in Kalkutta ein „Kidnap-for-adoption“-Geschäft aufgedeckt wurde. Eine Adoptionsagentur wurde für schuldig befunden, Säuglinge von „verarmten unverheirateten Müttern, Vergewaltigungsüberlebenden und ausgegrenzten Familien“ entführt zu haben.

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In vielen Fällen wurden gesunde Babys durch Totgeburten ersetzt und den Müttern gesagt, dass ihre Babys gestorben seien. Manchmal ließ die Agentur arme Eltern Dokumente unterschreiben, die sie nicht verstanden. Die Eltern dachten, die Verträge wären für eine kostenlose Internatsschule für ihre Kinder. Tatsächlich aber gaben die ahnungslosen Eltern mit ihrer Unterschrift alle Rechte über ihre Kinder auf.

Razzien und Verhaftungen

Im Jahr 2017 verhaftete die Polizei in Indien die Leiter eines Adoptionszentrums, das Kinder an ausländische Paare für 12.000 bis 23.000 Dollar pro Kind verkaufte.

Auch in den USA setzte sich das Problem im Bereich Kinderhandel fort. Im Jahr 2017 stürmte das FBI die Agentur European Adoption Consultants in Ohio. Die Nachrichtenagentur WKYC berichtete damals: das Unternehmen hatte es versäumt Adoptionen angemessen zu überwachen, um „den Verkauf, die Entführung, die Ausbeutung oder den Handel mit Kindern zu verhindern“.

European Adoption Consultants war offenbar auch in Bestechungen verwickelt und hatte „in betrügerischer Absicht die Zustimmung der leiblichen Eltern“ zur Adoption eingeholt, heißt es. Das Unternehmen operierte in Bulgarien, China, Kolumbien, der Demokratischen Republik Kongo, Honduras, Panama, Haiti, Indien, Polen, Tansania, Uganda und der Ukraine.

Laut Peter Gleason ist das Problem des Kinderhandels durch Adoptionsagenturen bekannt. Der Anwalt und frühere Polizeibeamte von New York City sagt:

Es ist da draußen. Sie werden für Kinderarbeit ausgebeutet, für Sex, was auch immer.“

„Sie können nach Thailand oder Afrika fliegen und einfach ein Kind abholen und dann ohne Papierkram nach Amerika zurückkehren“, so Gleason.

Menschenhändler ohne Skrupel

Die Menschenhändler sind gerissen. Selbst Naturkatastrophen machen sie sich zu Nutzen. Australiens ABC News berichtete, dass nach dem Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 „Menschenhandelsnetzwerke unmittelbar nach der Katastrophe aktiv wurden und die Schwäche der lokalen Behörden und der Koordination der Hilfsmaßnahmen ausnutzten, um Kinder zu entführen“.

In diesem Zusammenhang wurde Laura Silsby, die ehemalige Direktorin von The New Life Children’s Refuge, zusammen mit neun weiteren amerikanischen Staatsbürgern verhaftet. Sie hatte versucht, 33 Kinder ohne Dokumentation über die Grenze von Haiti in die Dominikanische Republik zu bringen.

Silsby behauptete zunächst, dass die Kinder verwaist oder verlassen seien. Die haitianische Regierung und die Wohltätigkeitsorganisation SOS-Kinderdörfer ermittelten aber das Gegenteil: keines der Kinder war Waise. Alle Betroffenen hatten mindestens einen lebenden Elternteil. Silsbys Rechtsberater, Jorge Puello, war ebenfalls in einen mutmaßlichen Menschenhandelsring verwickelt. Den Verdächtigen wird vorgeworfen, Frauen und Kinder aus Mittelamerika und Haiti illegal vermittelt zu haben.

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton hatte damals die Hilfsmaßnahmen in Haiti koordiniert. Er setzte sich für die Freilassung aller Mitverschwörer dieses Falles, mit Ausnahme von Laura Silsby, ein. Darauf hin reduzierten die Staatsanwälte die Anklagepunkte von „Verschwörung und Kindesentführung“ auf „Arrangieren irregulärer Reisen“.

„Re-Homing“ von Kindern

Der Privatdetektiv Opperman benennt „Re-Homing“ – bei dem Menschen Kinder adoptieren und anschließend an neue Eltern weitergeben können, ohne dass es eine Regelung dafür gibt – als eines der größten Probleme.

„Es gibt ein ganzes Netzwerk. Es gibt Message Boards, es gibt Yahoo-Gruppen voll mit Leuten, die solche Kinder haben. Wenn sie die Kinder nicht mehr haben wollen ‘re-homen‘ sie sie einfach“, so Opperman.

„Es gibt keinen Papierkram. Die Kinder werden mittels einer Vollmacht weitergereicht. Darin steht: ‚Sie können mein Kind in der Schule einschreiben, Sie können es zum Arzt bringen‘ und das war’s dann. Das Kind ist weg“, sagt er. „Es gibt dokumentierte Fälle, in denen diese Kinder bei Pädophilen enden,“ beklagt der Detektiv.

Nachdem diese Kinder in den USA angekommen sind, werden sie an Organisationen weitergereicht, die eine weniger regulierte Adoptionsform benutzen, wodurch die Missbrauchswahrscheinlichkeit für die Kinder viel höher ist.

Geoffrey Rogers, CEO des U.S. Instituts gegen Menschenhandel, sagt, dass „ungefähr 60 bis 70 Prozent der Kinder, die in den Vereinigten Staaten gehandelt werden, aus dem Foster-Care-System kommen“. Das Foster-Care-System, ist ein Pflegesystem für Waisen- und Straßenkinder, welche an durch den Staat zertifizierte Pflegeeinrichtungen oder -eltern zugeteilt werden.

Niemand weiß, wo die Kinder sind

Laut einem Bericht des Arkansas Journal of Social Change and Public Service aus dem Jahr 2015 ist „Re-Homing nicht reguliert; es gibt keinen rechtlichen Rahmen, um es anzugehen“, und es „ist meistens eine Untergrundangelegenheit“.

Demnach wird die Mehrheit der Kinder, die Opfer von Re-Homing werden, aus dem Ausland adoptiert. Fast 73 Prozent der Kinder würden mit „aus dem Ausland adoptiert“ beworben, heißt es. Nur an die sieben Prozent würden mit „nicht aus dem Ausland adoptiert“ beworben. Zehn bis 20 Prozent der Adoptionen scheitern.

Bei der häuslichen Adoption gibt es Prozesse und Verfahren für die Rechte von gebärenden Müttern, für zukünftige Adoptiveltern und für das Wohlergehen der Kinder. In dem Bericht heißt es: „Diese Schutzvorkehrungen fehlen oft, wenn Eltern Kinder aus dem Ausland adoptieren“.

„Dies liegt daran, dass Kinder, die in US-Krankenhäusern oder von US-Bürgern geboren wurden, von eindeutigen Unterlagen profitieren, die bei internationalen Adoptionen oft fehlen. Es besteht ein größeres Risiko für unethisches Verhalten als bei inländischen Adoptionen“, heißt es im Bericht.

Opperman sagt: „Es gibt wirklich keine Sicherheitsüberprüfung, die bei diesen privaten Adoptionen durchgeführt wird. Sobald die Adoptionen stattgefunden haben, weiß niemand, wohin diese Kinder gegangen sind.“ (tb)

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