Bulgarien-Tourismus am Schwarzen Meer

Von 18. Juli 2012 Aktualisiert: 18. Juli 2012 10:38
Mandy aus Borna trocknet ihre Tränen. Mandy ist platinblond, hat je einen Ring in Nase und Mundwinkel und den rechten Arm mit grimmigen Fabelwesen tätowiert. Sie steckt sich eine Zigarette …

Mandy aus Borna trocknet ihre Tränen. Mandy ist platinblond, hat je einen Ring in Nase und Mundwinkel und den rechten Arm mit grimmigen Fabelwesen tätowiert. Sie steckt sich eine Zigarette an und starrt missmutig auf ihr Handy.

Mandy sitzt am Strand, das Wasser ist azurblau, die Sonne scheint und hunderte Badende vergnügen sich um sie herum – ein Ort der Lebensfreude. Jetzt ruft Mandys Freund an. Sie sächselt laut: „Ich hasse Dich, wie kannst Du mir das antun!“ Das Filmteam ist zufrieden und Mandy knipst ihr Lächeln wieder an. „Die Deutschen fühlen sich wohl wenn sie sich unwohl fühlen.“, sagte unlängst der neue deutsche Bundespräsident Joachim Gauck.

In Goldstrand, einer vier Kilometer langen Bucht mit Strand und Hotels östlich der bulgarischen Hafenstadt Varna, wird für den deutschen Fernsehsender RTL 2 die Docu-Soap „X-Diaries“ gedreht. Deutsche Teenager bedienen sich nach Drehbuch der einfachen zwischenmenschlichen Kommunikation. Es geht um Liebe, Sex, Eifersucht, Intrigen und Alkohol. Die Serie erfreut sich bester Einschaltquoten bei der Zielgruppe der jungen Konsumenten und prägt so unbewusst das Image des sonnenreichen Balkanlandes.

Bulgarien war schon im Kalten Krieg eine Begegnungsstätte für Deutsche aus Ost und West

Schon Ende der 50er Jahre nahmen deutsche Reiseveranstalter Bulgarien in ihr Programm auf. Nach zögerlichem Beginn – Bulgarien war immerhin einer der ersten Ostblockstaaten, der westlichen Touristen den „Eisernen Vorhang“ öffnete – kamen viele Familien des „Klassenfeindes“ in ihrem Urlaub nach Bulgarien. Vor allem an die Schwarzmeerküste mit ihren Badeorten Goldstrand bei Varna und Sonnenstrand bei Burgas. Deutsche aus Ost und West kamen sich so im Urlaub am Schwarzen Meer schon vor dem Mauerfall näher.

Die heutige Generation deutscher Bulgarien-Urlauber weiß meist nichts von dieser historischen Begebenheit. Der Tourismus am Schwarzen Meer boomt. Allerdings kämpft die Region heute um ihren guten Ruf, denn immer mehr Touristen aus aller Welt kommen nur hierher, um sich zu Billigpreisen zu betrinken.

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Heilquellen und antike Kulturstätten

Doch Bulgarien könne langfristig nicht auf den Massenurlaub im Beton-Dschungel setzen, warnen Tourismus-Experten. Billige Drinks, Drogen und Sex dürften das Image der Urlaubsregion nicht länger prägen. Viele niveaulose betrunkene Ausländer werden vom Hotelpersonal nur zähneknirschend geduldet. Es sind schließlich zahlungskräftige Kunden.

„Mit vielen Heilquellen und antiken Kulturstätten bietet Bulgarien auch Wellness oder Bildungsurlaub“, betont Iwo Marinow, als Vize-Wirtschaftsminister in der Regierung für den Fremdenverkehr zuständig. Ein aktueller Fund von Reliquien Johannes des Täufers könnte nun auch Pilger anziehen und das antike Sosopol zum „neuen Jerusalem“ machen, schwärmen Tourismus-Strategen.

Mit seinen fast 400 Kilometer langen malerischen Stränden und über 200 Kilometer langen Schipisten verschiedener Schwierigkeitsgrade biete Bulgarien eine ausgesprochen reichhaltige Tourismuspalette für jede Jahreszeit, so Ivo Marinov.

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Bulgarien verfügt über ausgesprochen reichhaltige Ressourcen für den Ausbau des Kulturtourismus – das Erbe des Landes umfasst über 40.000 Kulturdenkmäler aus sieben historischen Epochen, sieben UNESCO-Stätten, 160 Klöster und zahlreiche Museen. Bulgarien zählt zu den weltweit reichsten Ländern an Mineralquellen (ca. 800 Quellen) und hat sich zu einer anerkannten Naturheilkunde-Destination mit attraktiven Preisen entwickelt.

Tatsächlich begegnet dem kulturinteressierten Zeitgenossen ein östlich geprägtes Land mit einer gastfreundlichen Bevölkerung und einer schmackhaften Küche.

Wirtschaftlicher Aufschwung – Dank EU und IWF

Als der Sozialismus im Jahr 1989 zusammenbrach, versuchte man in Bulgarien von der Plan- auf die Marktwirtschaft umzusteigen. Zu wenig Kapital und fehlendes Wissen erschwerte nach der Privatisierung im Jahr 1992 den Weg in die Konkurrenzfähigkeit. Außerdem machte der jugoslawische Bürgerkrieg den Bulgaren schwer zu schaffen. In der Elektroindustrie Bulgariens waren teilweise bis zu 300.000 Menschen beschäftigt – viele davon in der Computerindustrie, wo Geräte der amerikanischen Marken Apple und IBM in minderwertiger Qualität nachgebaut wurden.

Die meisten wirtschaftlichen Beziehungen bestanden zur Sowjetunion. Als dieser Markt zusammenbrach, geriet die bulgarische Wirtschaft in eine schwere Krise, von der sich das Land erst ab 2004 wieder langsam erholte. Innerhalb weniger Jahre sank das Realeinkommen um fast 70 Prozent, der Lebensstandard fiel um 40 Prozent. Insbesondere das System der Kranken- und Rentenversicherungen verschwand fast vollständig.

Seit dem EU-Beitritt 2007 des krisengeplagten Balkanlandes gelang es der Regierung in Kooperation mit dem IWF und der Weltbank die Wirtschaft zu stabilisieren – auch dank Milliardenhilfen der EU. Korruption, Vetternwirtschaft und eine immense Staatsverschuldung lassen Bulgarien jedoch unwillkürlich in die Nähe des wirtschaftlich bankrotten Griechenlands rücken.

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Im Schatten des Eiffelturms

Der Schatten des Eiffelturms in Goldstrand trifft bei Sonnenaufgang das Hotel mit dem Spielkasino. Sobald es hell wird, verlassen die letzten Gäste der Nacht das Kasino. Auffallend viele Männer in Kippa und mit langen Kotletten sind nun zu sehen, viele von Ihnen betreiben Kasinos und Spielhallen in Goldstrand, denn Glücksspiel ist in Israel illegal.

Große amerikanische Geländewagen gleiten durch die engen Strandstraßen und verbreiten zwischen den lärmenden Diskos und Sex-Shops einen halbseidenen Flair. Auch Prostituierte und Drogendealer haben längst diesen Ort für sich entdeckt.

Bulgarien scheint hier seine Unschuld verloren zu haben, der entfesselte Kapitalismus zeigt hier sein hässliches Gesicht. Betrunkene treten schleppend den Weg in ihr Hotel an, um sich für die nächste Partynacht zu erholen.

Der Eiffelturm ist nun von der Morgensonne grell erleuchtet. Er steht im Zentrum von Paris und ist ein Symbol für Fortschritt,Werte und Beständigkeit.

Und im bulgarischen Goldstrand am Schwarzen Meer zwischen Hotelburgen, Glückspielkasinos, Fastfood und Tätowierbuden.

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