Mit Geld kann man keine Leidenschaft kaufen

Von 23. Juli 2010 Aktualisiert: 23. Juli 2010 2:10

Unter dem Motto „Money can`t buy passion“ [Mit Geld kann man keine Leidenschaft kaufen] fand vom 16. bis zum 18.Juli in Barcelona der 3. Europäische Fankongress statt. In seiner Eröffnungsrede ermahnte William Gaillard, Berater des UEFA-Präsidenten Michel Platini und Generalsekretär des spanischen Sportministeriums, die europäischen Vereine, nicht mehr Geld auszugeben als sie tatsächlich auch erwirtschaften.

Nach Ansicht Gaillards sollten gerade auch die europäischen Spitzenclubs nicht auf reiche „Sugardaddys“ verlassen und sich von ihnen finanziell abhängig machen. “Wenn diese reichen Sugardaddys einen Verein lieben, so können sie gerne Geld an diesen Verein abgeben, aber das tägliche Geschäft sollte der Verein aus der eigenen Wirtschaftlichkeit heraus bestreiten.“

Obwohl dies ein Weg ist, einen Verein auf finanziell gesunde Basis zu stellen „wird es auch weiterhin Leute geben, die diese Regeln aus eigenen persönlichen Interessen heraus angreifen werden. Deshalb“, so Gaillard weiter, „brauchen wir die Fans, die uns dabei helfen können, langfristig finanziell stabile Vereine zu schaffen. Außerdem brauchen wir auch das Expertenwissen der Fans, um unangebrachtes Verhalten anderer Fans auszumerzen.“

Insgesamt 280 Teilnehmer aus 35 Ländern erarbeiteten in den Konferenzräumen des RCD Espanyol Barcelona in sechs Workshops Vorschläge und Lösungen zu Themen wie „Unsere kaputte Fußballwirtschaft“, „Sanktionsformen kontra Selbstregulierung“ oder „Sind Ultras gegen den modernen Fußball“ Die Epoch Times sprach mit der hauptverantwortlichen Leiterin des Europäischen Fankongress, Dani Wurbs.

Epoch Times: Frau Wurbs, es scheint als haben sich die Teilnehmerzahlen in diesem Bereich eingependelt bzw das sie stagnieren. Ist diese Beobachtung richtig?

Die Leiterin des Europäischen Fankongresses, Dani Wurbs.Die Leiterin des Europäischen Fankongresses, Dani Wurbs.Foto: Steffen Andritzke/The Epoch Times

Dani Wurbs: Mit dieser Konferenz sind wir sehr weit in den Süden Europas gegangen. Außerdem ist auch gerade Ferienzeit und deshalb waren Flüge nicht so günstig zu bekommen. Außerdem haben wir dieses Jahr auch nicht so viele spanische Teilnehmer, wie im vorigen Jahr in Deutschland deutsche Teilnehmer anwesend waren. Das basiert darauf, dass die Fans in Spanien anders organsiert sind und dass die Strukturen völlig anders sind.

Während in Deutschland ein kollektives Verständnis von Selbstorganisation existiert, haben wir in Spanien eine hierarchisch organisierte Organisation. Die Zahl der Teilnehmer mag ja durchaus im Rahmen des letzten Jahres gelegen haben, aber es kommen auch immer wieder neue dazu. Wenn wir in der Zukunft mehr nach Osteuropa gehen, werden natürlich auch viele Fans von dort dazu kommen.

Im kommenden Jahr gehen wir nach Skandinavien und dann werden wir mehr Fans aus den skandinavischen Ländern dabei haben. Damit wir aber auch arbeitsfähig bleiben können, möchten wir am liebsten auch eine Teilnehmerzahl zwischen 250 und 450 Fans haben. Damit wäre dann die organisatorische Grenze erreicht.

Epoch Times: Was gab es im letzten Jahr für Erfolge zu verzeichnen?

Wurbs: Es ist es uns gelungen, ein gut funktionierendes Kommuniktionssystem aufzubauen und zu etablieren. Weiterhin haben wir im ersten Jahr nach der demokratischen Wahl eine europaweite Kampagne mit dem Namen „our game – our time“ ins Leben gerufen. Das war ein riesiger Erfolg und es ging um die Anstoßzeiten. Wir konnten acht nationale Fanorganistationen mobilisieren und es gab auch sonst viele, die das unterstützt haben. Dies hatte zur Folge, dass nach dieser Kampagne der schwedische Fußballverband tatsächlich eine Änderung der Anstoßzeiten bekannt gegeben hat. Das ist natürlich ein großartiger Erfolg und zeigt sehr deutlich das Potential, auf welches zukünftige Aktionen zurückgreifen können.

Außerdem hatten wir ein großes Treffen mit der UEFA und mit dem Präsidenten Michel Platini und weiterhin haben wir gute Kontakte zum Europarat aufbauen können. Dazu kommt, dass wir in ein Gremium von Fußballexperten der EU mit aufgenommen wurden und uns der Europarat einen permanenten Sitz als Beobachter angeboten hat.

Epoch Times: Wenn in einem Workshop Ergebniss erzielt wurden – wie geht es dann mit diesen Ergebnissen weiter?

Wurbs: Nehmen wir einmal den Workshop „Sanktionen“ als Beispiel. Wir wollen, dass es Sanktionen gibt, die auch von den Fans akzeptiert werden und idealerweise auch von ihnen mit getragen werden. Wenn die UEFA zum Beispiel aufgrund des Benehmens einzelner Fans oder kleiner Gruppen entscheidet, dass ein Verein das nächste Spiel vor leeren Rängen austragen muss, wäre das natürlich eine harte Strafe für die 99 Prozent der Fans, die sich vorbildlich benehmen.

Eine ganze Fansszene würde dann für das Benehmen einiger weiniger bestraft und das ist ja nun wirklich nicht fair. Deshalb glauben wir, dass das eine kontraproduktive Maßnahme ist, die im schlechtesten Fall sogar eine falsch verstandene Solidarität mit potenziellen Gewalttätern hervorrufen könnte.

Wir haben den Ansatz, dass wir die „guten “ Fans stärken wollen und dass sich die Fans untereinander selbst regulieren. Das ist aber aufgrund der manchmal existierenden Sanktionsformen einfach nicht möglich. Deshalb werden wir die Ergebnisse, die in diesem Workshop ausgearbeitet wurden, in einem Konzept zusammenfassen, welches wir dann beim nächsten Treffen dem Präsidenten Michel Platini vorstellen werden.

Das wird dann die Grundlage sein, um diese Strategien weiter zu entwickeln, die dann in den Regularien der UEFA mit eingearbeitet werden. Diese Konzepte von uns sind aber auch so ausgearbeitet, dass sie auch auf nationaler Ebene angewendet werden können.

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Wir glauben, dass ganz viele Probleme durch einen Dialog gelöst werden können. Aber was uns auch ganz wichtig ist, ist, dass wir uns als Fans auch intern einmal selbst kritisch betrachten, wie wir das im Workshop über Ultras gemacht haben. Es ist ja bekannt, dass Ultras nicht immer nur Engel sind, aber wir gehen auch diesen Weg, dass wir selbst bei uns nachschauen, was wir tun können, damit sich die Situation verbessert. Man muss sich auch einmal selbst an die eigene Nase packen und kann nicht immer nur von anderen etwas verlangen. Ein paar Probleme lösen sich dadurch manchmal einfach in Luft auf.

Epoch Times: In seiner Eröffnungsrede sagte William Gaillard, dass Fans dazu beitragen könnten die Vereine finanziell zu stabilisieren. Wie war das gemeint?

Wurbs: Das ist aus deutscher Sicht etwas schwieriger zu verstehen, weil wir eben in der luxuriösen Situation sind, dass wir demokratische, mitgliederbasierte Vereinsstrukturen haben. Das ist aber in Europa, speziell in Spanien und England, nicht die Regel. Da sind zum Beispiel Firmen oder private Geldgeber die Besitzer der Vereine. Diese Besitzer entscheiden über Gedeih und Verderb der Clubs. Die behandeln einen Verein wie eine Firma und wenn man diese Firma eben kaputt wirtschaftet oder sein Geld einfach rausziehen möchte, dann macht man das eben. Wenn sie aberwitzige Schulden produzieren möchten, dann machen sie es eben.

Gäbe es da demokratische Strukturen, dann wäre man nicht von diesen Leuten abhängig. Und dazu könnten die Fans als Mitglieder beitragen und in den Vereinen abstimmen, was da passieren soll. Dadurch werden die Vereine stabiler. Die UEFA möchte am liebsten, dass Vereine mitgliederbasiert aufgebaut sind.

Epoch Times: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Wurbs.

Das Gespräch führte Steffen Andritzke.

Foto: Steffen Andritzke/The Epoch Times
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