Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos kommt nicht in Fahrt

Die Mobilitätswende läuft. Für viele ist der Umstieg auf ein neues E-Auto allerdings noch zu teuer. Doch wie sieht der Bestand auf dem Gebrauchtwagenmarkt aus? Der Bundesverband deutscher Leasingunternehmen rät den Autofahrern zu ein paar Jahren Geduld. Auch könnten die Preise hier demnächst sinken.
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Bereits seit vielen Jahren sind E-Autos auf dem Markt. Als Gebrauchte sind sie jedoch eher selten zu finden.Foto: Jan Woitas/dpa
Von 20. Juli 2023

Die Automobilkonzerne setzen seit einigen Jahren immer mehr auf Elektrofahrzeuge. Im vergangenen Jahr konnten die Händler in Deutschland 470.559 rein batteriebetriebene Pkw (BEV) auf die Straßen bringen. Das entspricht einem Anteil von 17,7 Prozent der Neuzulassungen – eine deutliche Steigerung zum Vorjahr, berichtete „E-Fahrer“.

Somit sollte es doch inzwischen auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt bereits ein breites Angebot an E-Autos geben. Mancher denkt bereits über den Kauf eines gebrauchten Modells nach. Wie ist die Lage bei den „Gebrauchten“?

Wenig Angebote auf dem Markt

Bei AutoScout24 gibt es über 575.000 Gebrauchtwagen für den deutschen Automarkt, darunter sind rund 24.800 E-Autos. Das entspricht einem Anteil von rund 4,3 Prozent.

In der Preisklasse unter 10.000 Euro befinden sich überwiegend Klein- und Kleinstwagen. Größere E-Autos sind entsprechend teurer. Die meisten davon – gut 19.100 Angebote – bieten die Halter für über 20.000 Euro an, knapp 11.500 gebrauchte Stromer kosten über 30.000 Euro.

Auffällig ist: Gut 2.300 angebotene E-Autos haben teilweise deutlich weniger als 2.500 Kilometer Laufleistung, viele davon sogar weniger als 100 Kilometer – sie könnten fast als Neuwagen gelten.

All das schmälert das Angebot für die Kunden, die ein gutes, preiswertes und nicht allzu kleines E-Auto suchen, doch deutlich.

Laut den offiziellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) ist der Anteil an gebrauchten Stromern sogar noch kleiner. „Auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt liegt der Anteil an Besitzumschreibungen bei 1,25 Prozent im ersten Halbjahr und ist damit sogar minimal gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken“, zitiert „Elektroauto-News“.

Verwunderung bei Autofahrern

Mehrere Autofahrer äußerten auf dem Portal „Das Gelbe Forum“ ihre Verwunderung über den verhältnismäßig geringen Anteil an Stromern auf dem Gebrauchtwagenmarkt. So schreibt etwa der Nutzer Plancius: „Weit und breit kann ich jedoch keine Händler erkennen, die Teslas, Audi e-tron, BMW i2 usw. offerieren.“ Zudem bemängelte er, dass „in den ganzen Debatten der letzten Jahre immer nur der Neuwagenkäufer vorkommt.“

Ein Nutzer vermutet wohl eine begrenzte Haltbarkeit der Batterien – und somit eine nicht allzu lange Lebenszeit dieser Autos. „Tesla weiß schon, weshalb sie genau 7 Jahre Garantie auf das Powerpack geben“, schrieb Xerxes. „Hernach dürfte die Ladekapazität einer Hyperbel gleich abnehmen. Ein neues Powerpack z.B. für einen Tesla 3 kostet ca. € 25.000,- und das Recyceln dürfte sogar noch teurer sein.“

Ähnliche Erfahrung machte der Nutzer Kaladhor: „Ein Leasingfahrzeug mit Verbrenner ist mit 120.000 km gut eingefahren, beim Batterieauto hat der Akku dann gerade Bergfest. Und so ein Austauschakku, der nach sieben Jahren auf jeden Fall erforderlich ist, ist sehr viel teurer als beispielsweise ein Austauschmotor, der nicht unbedingt erforderlich ist. Mein Schwager merkt das auch gerade, hat zwei Tesla und wird die nicht los. Merke: Verbrenner wird man immer los, Akkuautos nicht.“

Unklar ist derweil, inwieweit für mehr gebrauchte Elektroautos überhaupt eine entsprechende Nachfrage vorhanden ist. Für viele Kunden komme ein E-Auto offenbar nur als Neuwagen in Betracht, wenn überhaupt. Auch laut „Heise“ bereitet potenziellen Autokäufern vor allem der Zustand der Batterie bei Gebrauchten Sorgen. Dieser könne sich allerdings durchaus prüfen lassen.

Leasingverband: Gebrauchte E-Fahrzeuge kommen mittelfristig

Viele neue E-Fahrzeuge wurden in den vergangenen Jahren besonders von Firmen als Geschäftswagen mit einer Laufzeit von meist drei Jahren geleast. Daher fragte die Epoch Times beim Bundesverband Deutscher Leasingunternehmen (BDL) nach, warum es immer noch so wenig Gebrauchte auf dem Markt gibt.

Hauptgeschäftsführerin Dr. Claudia Conen antwortete, dass dem BDL hierzu keine Marktanalyse vorliegt. Jedoch würde das mit den eher geringen Neuzulassungen der letzten Jahre zusammenhängen. 2019 gab es bei den BEV knapp über 60.000 und im Jahr 2020 waren es nicht mehr als 200.000 neu zugelassene BEV. „Ausgehend von typischen Leasing-Laufzeiten von 36 bis 48 Monaten nehmen wir an, dass Fahrzeuge erst in den kommenden Jahren auf dem Gebrauchtwagenmarkt ankommen. Haltezeiten von anderen Käufern von BEV sind uns nicht bekannt“, teilte Conen mit.

Ob die Lebenszeit von E-Autos womöglich kürzer als bei Verbrennern ist, konnte der BDL nicht beantworten. „BEV mit entsprechendem Alter sind nicht in signifikanter Anzahl vorhanden.“

Auf die Frage, wie die Leasinggesellschaften die Restwerte von E-Autos kalkulieren, wurde zunächst mit einer eher allgemeinen Antwort zum Verband selbst geantwortet: „Der BDL ist der Spitzenverband der Deutschen Leasing-Wirtschaft. Mit einem Investitionsvolumen von 70 Milliarden Euro in 2022 ist die Branche der bedeutendste Investitionsfinanzierer des deutschen Mittelstandes.“ Dann hieß es, dass der Verband keine Informationen über individuelle Kalkulationen der Leasing-Gesellschaften habe.

Ebenso konnte Conen nichts zur Vermarktungskette von „verleasten Assets“ sagen, also, wie der weitere Lebenslauf eines E-Autos nach der Leasingphase aussieht. Dies ist „Sache der jeweiligen Leasing-Gesellschaft“.

Hoffnung auf sinkende Preise

Kürzlich verglich das Duisburger Center Automotive Research den Wertverlust von E-Autos und Verbrennern. Dabei stellte es die 30 meistverkauften Verbrenner den 15 meistverkauften E-Autos gegenüber, wie „E-Fahrer“ berichtet. Ihr Resultat: Die Flotte der E-Autos war im Wiederverkaufswert stabiler.

Die staatliche Prämie von 6.000 Euro bis 2021 für E-Autos verzerrt das Ergebnis. Wenn in der Rechnung diese Förderung berücksichtigt wird, dreht sich das Resultat zugunsten der Verbrenner: dann lag der Wertverlust von E-Autos bei durchschnittlich 32 Prozent und bei den Verbrennern bei 29 Prozent.

Da derzeit die Anzahl der E-Autos steigt, sollte das Angebot größer werden – auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt, meint „t-online“. Angesichts der schrumpfenden Prämien und einem sich abzeichnenden Preiskampf der Hersteller (wie etwa bei VW für rund 20.000 Euro) sollten dann auch mehr bezahlbare Gebrauchte auf den Markt kommen.



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