Herstellern von Wärmepumpen droht Schicksal der Solarindustrie – US-Konzern kauft Viessmann

Anfang der 2010er musste das hoch subventionierte Solar Valley der asiatischen Konkurrenz weichen. Bei den Wärmepumpen droht eine ähnliche Entwicklung.
Die Bundesregierung hat eine Ausbauoffensive für Wärmepumpen ausgerufen.
Die Bundesregierung hat eine Ausbauoffensive für Wärmepumpen ausgerufen.Foto: Silas Stein/dpa
Von 26. April 2023

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Die Debatte um die geplante Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) verspricht den Herstellern von Wärmepumpen über Jahre hinweg volle Auftragsbücher. In den meisten Fällen stellen diese für Hausbesitzer die einzig gangbare Lösung dar, um die 65-Prozent-Vorgabe bezüglich erneuerbarer Energien zu erfüllen.

Wie das Gesetz am Ende genau aussehen wird, ist noch offen. Ab 2024 ist jährlich bundesweit die Installation von 500.000 neuer Anlagen angestrebt, insgesamt sechs Millionen bis 2030. FDP, SPD und Verbände fordern Änderungen und mehr Augenmaß ein. Trotz angekündigter Subventionen von bis zu 40 Prozent der Einbaukosten kommen auf Hauseigentümer Kosten in fünfstelliger Höhe zu. Darüber hinaus fehlen Zehntausende Fachkräfte für den zeitgerechten Einbau dieser Heizsysteme.

Immer mehr große Produktionsstätten für Wärmepumpen in Osteuropa

Unternehmen, die Wärmepumpen herstellen, wollen trotz der ungeklärten Fragen hohe Summen in die Ausweitung ihrer Produktion investieren. Allerdings wird diese in vielen Fällen nicht in Deutschland stattfinden. Bosch will beispielsweise knapp 255 Millionen Euro in den Bau einer Produktionsstätte nahe Breslau investieren.

Auch Viessmann zieht es nach Polen: Das hessische Unternehmen will noch in diesem Jahr die Produktion von Wärmepumpen bei Liegnitz aufnehmen. Dort sollen 1.700 Arbeitsplätze entstehen. Vaillant wiederum hat zum gleichen Zweck eine „Megafabrik“ im slowakischen Senica eröffnet.

Viessmann will weiterhin auch noch Wärmepumpen im hessischen Allendorf herstellen und dort auch den Firmensitz erhalten. Allerdings könnten die wesentlichen operativen Entscheidungen für das Unternehmen mit 14.500 Mitarbeitern schon bald in die USA fallen. Mehrere Medien, darunter das „Handelsblatt“, berichten, dass der US-Klimaanlagenhersteller Carrier Global dessen Wärmepumpensparte erwerben will.

Der Bereich Klimalösungen, zu dem die Sparte gehört, wird derzeit mit etwa elf Milliarden Euro inklusive Schulden bewertet. Er macht 85 Prozent des Umsatzes aus. Das US-Unternehmen, das Klimaanlagen-Erfinder Willis Carrier 1902 gegründet hatte, will den Erwerb noch im Laufe der Woche offiziell verkünden. Einen Teil des Kaufpreises will man in Aktien begleichen.

Partnerschaft mit Carrier als Flucht nach vorn

Viessmann soll mit dem Deal eine Flucht nach vorn antreten. Derzeit benötige das Unternehmen keinen ausländischen Investor. Perspektivisch drohen deutsche Hersteller auf dem globalen Markt für Wärmepumpen jedoch Terrain zu verlieren. Immer mehr amerikanische und asiatische Konzerne positionieren sich strategisch und können deutlich größere Stückzahlen produzieren.

Vor allem asiatische Unternehmen stellen seit Jahr und Tag Klimaanlagen her, die hiesigen Wärmepumpen sehr ähnlich sind. Auch sind ihre Produktionskapazitäten größer und die Lieferketten sind kürzer. Demgegenüber standen deutsche Unternehmen wegen diverser Probleme in diesem Bereich schon im Vorjahr vor heiklen Situationen. Vielfach waren sie wegen fehlender Ersatzteile nicht lieferfähig.

Einige Beobachter befürchten bereits jetzt, dass dem Markt für Wärmepumpen in Deutschland ein ähnliches Schicksal drohen könnte wie der Solarindustrie. Der „Spiegel“ spricht von erheblichen Kosten, die auf deutsche Familienbetriebe zukommen, die ihre Produktion auf Wärmepumpen umstellen wollen.

Mehrere Unternehmen wollen auch mit der strategischen Positionierung zuwarten, bis Klarheit über die Technologieoffenheit besteht. Vor allem die FDP mahnt diese an, wenn es um die klimaneutrale Umgestaltung der Gebäudeenergieversorgung geht.

Hat die Politik aus Solar Valley gelernt?

Je engmaschiger und planwirtschaftlicher die gesetzlichen Vorgaben zur „Wärmewende“ am Ende werden, umso größer scheint die Gefahr einer Wiederholung der Solar-Valley-Erfahrung zu werden. Im Laufe der späteren 2000er und frühen 2010er entstand in Sachsen-Anhalt ein umfangreicher Solarpark.

Mit Milliarden an Subventionen errichteten Unternehmen der Photovoltaikbranche großflächige Einrichtungen zur Produktion und Lagerung von Solarpanels. Die Politik wollte mithilfe ihrer Förderungen Deutschland zum weltweiten Marktführer in diesem Bereich aufbauen – in der Hoffnung, einen Vorreiterbonus bei der „Energiewende“ zu erwerben.

Am Ende wanderten jedoch Produktion und sogar das Management nach China. Zahlreiche Photovoltaikunternehmen des Solar Valley meldeten Insolvenz an oder wurden von asiatischen Unternehmen aufgekauft.

Wärmepumpen komplexer als Solarpanels – dennoch könnte Wertschöpfung abfließen

Eine Eins-zu-eins-Wiederholung dieses Szenarios bezüglich der Wärmepumpen befürchtet man bei der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) nicht. Dazu, so erläutert Volker Breisig gegenüber dem „Spiegel“, sei das Produkt zu komplex. Dr. Beisig ist Partner von Public and Energy Consulting bei PwC Deutschland. Es bedürfe intensiver Begleitung beim Einbau durch Fachpersonal und einer anhaltenden Begleitung und Wartung.

Dies schaffte bisher auch für deutsche Unternehmen einen Vorteil auf dem Heimatmarkt. Handwerker, die beispielsweise an Vaillant- oder Viessmann-Produkten ausgebildet wurden, setzten weiterhin auf diese. Dies galt auch dann, wenn asiatische Produkte deutlich kostengünstiger waren.

Der US-Konzern Carrier erwirbt sich jedoch mit dem Kauf von Viessmann auch eine Option, künftig eigene Produkte in den Markt zu bringen. Je mehr weitere ausländische Anbieter deutsche Mittelständler aufkaufen und Produktionskapazitäten im Ausland aufbauen, umso stärker dürfte dieser Vorteil schwinden.

Der Fachkräftemangel in Deutschland könnte sein Übriges tun, um den politisch unterfütterten Boom bei den Wärmepumpen im Ausland stattfinden zu lassen.



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