Ein Arbeiter stapelt Mehlsäcke in einem Lagerhaus in der südirakischen Hafenstadt Basra, 6. März 2022. Der Ukraine-Konflikt könnte dazu führen, dass in Ägypten, Libanon, Jemen und anderswo in der arabischen Welt weniger Brot auf dem Tisch steht.Foto: HUSSEIN FALEH/AFP via Getty Images

Russland: eindeutiger Verlierer eines langfristigen Handelskrieges

Von 7. März 2022 Aktualisiert: 7. März 2022 11:35
Der Krieg in der Ukraine wird sich auf die gesamte Weltwirtschaft auswirken. In einem dauerhaften Handelskrieg hätte Russland indes deutlich mehr zu verlieren als die USA und ihre Verbündeten.


Die Wirtschaftssanktionen des Westens gegen Russland zeigen Wirkung: Die russische Landeswährung Rubel verlor gegenüber dem Euro allein während der ersten fünf Tage im März ein Viertel ihres Wertes, während die Reserven der russischen Notenbank weitgehend eingefroren sind.

Kann der Konflikt nicht auf absehbare Zeit beigelegt werden, würde Russlands Wirtschaftsleistung auf längere Sicht jährlich um knapp zehn Prozent geringer ausfallen, als wenn die Handelsbeziehungen fortbestünden.

Langanhaltende Sanktionen schwächen Russland deutlich

Dies zeigt eine Modellierung des Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) und des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO). Die westlichen Industriestaaten hätten demnach dagegen in diesem Zeithorizont deutlich geringere Einbußen zu beklagen.

„Die Alliierten dürften zwar kurzfristig ebenfalls zum Teil stark betroffen sein, auf längere Sicht haben sie aber im modellhaft simulierten Fall insgesamt nur eine um jährlich 0,17 Prozent geringere Wirtschaftsleistung zu befürchten“, resümiert Alexander Sandkamp, Handelsforscher am IfW Kiel und der Kieler Christian-Albrechts-Universität: „Ein Handelskrieg zwischen Russland sowie den USA und ihren Verbündeten würde Russlands Wirtschaft langfristig empfindlich treffen.“

Die ungleiche Verteilung der Kosten gründet insbesondere auf der geringen ökonomischen Bedeutung Russlands im Vergleich zu den USA und ihren Verbündeten. Im Jahr 2020 etwa stand die EU für 37,3 Prozent des russischen Außenhandels – während umgekehrt nur 4,8 Prozent des Außenhandels der EU auf Russland entfiel. Berücksichtigt man zusätzlich den intraeuropäischen Handel, wäre der Russlandanteil nochmals deutlich geringer. 

„Sanktionen zeigen kurzfristig meist wirtschaftliche, aber keine politische Wirkung“, unterstreicht Gabriel Felbermayr, Direktor des WIFO, „halten sie lange an und sind umfassend, kann sich ihr politisches Wirkungspotenzial vergrößern.“

Laut dem Wirtschaftsexperten geben die Simulationsergebnisse einen Eindruck, was langfristig für beide Seiten auf dem Spiel steht: „Nach einer Anpassungsphase im Welthandel wird Russland deutlich geschwächt dastehen, der Schaden für die Alliierten ist dagegen überschaubar.“

Ökonomen: China wäre wirtschaftlich nicht der große Krisengewinner

Die Kosten sind laut der Studie sehr ungleich zwischen den Alliierten verteilt. Stärker betroffen wären langfristig osteuropäische Länder wie Litauen mit -2,5 Prozent, Lettland (-2,0 Prozent) und Estland (-1,1 Prozent).

Deutschland und Österreich hingegen müssten lediglich mit Verlusten in Höhe von 0,4 Prozent bzw. 0,3 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts rechnen, die USA sogar nur mit einem Minus von 0,04 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. 

Sollte sich der Konflikt zu einer langfristigen Krise ausweiten, gehen die Autoren der 37 Seiten umfassenden Studie davon aus, dass Russland seinen Handel mit anderen Ländern wie China ausweitet. Im Jahr 2020 gingen knapp 14,6 Prozent der russischen Exporte nach China, allerdings kamen nur knapp 2,8 Prozent der chinesischen Importe aus Russland. Die Folge: Selbst wenn Russland vermehrt ins Reich der Mitte exportieren würde, dürften die Auswirkungen auf China sich in Grenzen halten. 

Ähnlich gestaltet sich die Lage bei den russischen Importen. So kamen knapp 23,7 Prozent der russischen Importe aus China. Gleichzeitig gingen jedoch nur knapp zwei Prozent der chinesischen Exporte nach Russland. „Insgesamt würde sich das Realeinkommen in China daher im Modell lediglich um 0,02 Prozent jährlich erhöhen“, rechnen die Ökonomen vor, „wirtschaftlich wäre China also nicht der große Krisengewinner.“



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