Rauchen in der Gesellschaft – vom coolen Genuss zum Symbol für ungesundes Verhalten

Epoch Times4. Juni 2018 Aktualisiert: 4. Juni 2018 13:25

Rauchen gilt als cool und männlich. Mit diesen Attributen wird heute wahrscheinlich kaum noch jemand das Rauchen belegen. Inzwischen hat sich eine eher negative Haltung zum Tabakrauchen durchgesetzt. Ein Grund hierfür ist die Tatsache, dass die Medizin heute sehr genau darüber Bescheid weiß, wie schädlich das Rauchen ist. In Deutschland rauchen trotzdem noch knapp 30 Prozent der Bevölkerung. Laut Rauchfrei – einer Initiative der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) – liegt das Maximum in der Altersgruppe zwischen 21 und 24 Jahren. Bei Männern liegt der Anteil in dieser Altersgruppe bei über 36 Prozent.

Aber: Frauen ziehen bei den 25- bis 29-Jährigen nach. Hier erreicht die Quote der weiblichen Raucher 34 Prozent und liegt damit deutlich über dem Anteil der rauchenden Männer. Interessant ist auch, wie viele Menschen in Deutschland geraucht haben – inzwischen aber nicht mehr zur Zigarette greifen. Laut krebsgesellschaft.de liegt deren Anteil bei 25 Prozent. Das Bild, wie es heute rund um den blauen Dunst existiert, dürfte sicher dazu beigetragen haben. Es hat sich aber erst im Lauf der Jahrzehnte entwickelt. Der Griff zur Zigarette war nicht immer so verpönt wie heute.

Rauchen bis zum 1. Weltkrieg: Die Entstehung der Zigarette

Das Inhalieren von Tabakrauch ist keine moderne Erfindung der Zigarettenindustrie. Vielmehr handelt es sich um eine alte Tradition. In Süd- und Mittelamerika bereits vor Jahrhunderten praktiziert, kamen die Europäer nach der Entdeckung des Kontinents damit in Berührung. Geraucht wurde anfangs im 18. Jahrhundert und 19. Jahrhundert der zusammengerollte Tabak – die Zigarre. Erst im späten 19. Jahrhundert sollte sich die Zigarette entwickeln. Deren Entstehung wird dem Sammeln von Tabakresten in den Zigarrenfabriken und das Einrollen in Papier zugeschrieben.

Im Vergleich zu den damals verbreiteten Zigarren waren diese Zigaretten wesentlich günstiger und damit auch für „den kleinen Mann“ erschwinglich. Ab den 1860er Jahren wurde die Produktion von Zigaretten in größerem Stil in Deutschland aufgenommen. Zu den Zentren der Produktion gehörte Dresden.

Die Jahre bis 1933 – die Zigarette ist chic

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitet sich die Zigarette auch in Deutschland. Und der Glimmstängel findet immer mehr Zuspruch. Ein Grund hierfür ist das Bild, welches die Hersteller bereits um die Jahrhundertwende entwickeln. Zigarettenmarken bekommen orientalisch klingende Namen, die Schachtel werden mit viel Aufwand in diesem Orient Flair entworfen. Entsprechend bunt sind Verpackungen im Vergleich zu heutigen Zigarettenschachteln.

Das Rauchen in dieser Phase – auch während und nach dem Ersten Weltkrieg – als chic und en Vogue gilt, lässt sich an den verschiedenen Accessoires und der Werbung ablesen. Aufwendig gearbeitete Mundstücke sollen ein edles sowie gehobenes Flair verströmen. Und wer raucht, gilt als weltoffen. Dieser besondere Status, den das Rauchen von Zigaretten hat, lässt sich durch die Jahre verfolgen. Gerade anhand der Werbeplakate wird deutlich, wie die Zigarette von den Herstellern dem Zeitgeist angepasst wird.

Wie viele Menschen damals rauchten, lässt sich heute nicht sicher ermitteln. Allerdings zeigt die Tatsache, dass in den 1910er Jahren Milliarden Stück produziert wurden, wie groß die Nachfrage war. Einige Quellen beziffern den Anteil der Raucher bei den Männern auf mehr als zwei Drittel.

Die Zigarette im Visier – NS-Regime und 2. Weltkrieg

Mit der Machtübernahme durch das NS-Regime änderte sich die Wahrnehmung hinsichtlich der Zigarette. Deutsche Ärzte erkannten die gesundheitsgefährdende Wirkung des Tabakrauchens. Anders als in vielen Ländern, in denen es keine staatliche Unterstützung für Nichtraucherbewegungen gab, forcierte Deutschland den Wandel. Hierzu setzte das Regime nicht nur auf reine Info-Kampagnen oder die Möglichkeiten der gesundheitlichen Aufklärung.

Im 3. Reich wurde aktiv versucht, das Rauchen in der Öffentlichkeit zu unterbinden. Hierzu gehörten Maßnahmen wie Verbote oder die Erhöhung der Tabaksteuer. Die Erfolge der Nichtraucher-Politik zeigten sich in den Kriegsjahren ab 1940, als sich der Verbrauch pro Kopf deutlich verringerte.

Rauchen in den Nachkriegsjahren

Versuche des NS-Regimes, beim Rauchen „auf die Bremse“ zu treten, wurden nach Kriegsende zunichte gemacht. Im Rahmen der alliierten Wirtschaftshilfe kamen auch Tabak und Zigaretten nach Deutschland. Der Verbrauch pro Kopf stieg in den Nachkriegsjahren daher wieder deutlich an. Die Nachfrage war sicher auch so groß, da Zigaretten auf dem Schwarzmarkt als Ersatzwährung dienten.

Bereits bekannte Studien zur Gefährdung durch das Rauchen fanden zunehmend weniger Gehör. In der Folge der Nachkriegsjahre sollte Rauchen sogar wieder chic und cool werden. Diese Entwicklung trieb teils kuriose Blüten. So sahen Automobilklubs in den 1950er Jahren im Rauchen die Möglichkeit, Folgen des Fahrens mit Alkohol wettzumachen. Dieser besondere Status des Rauchens hielt bis in die 1980er Jahre an.

Rauchen heute – Verbote und Krebs

Inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Rauchen gilt als Hauptursache für Lungenkrebs und als Risikofaktor für viele andere Erkrankungen. Die Politik ergreift immer neue Gesetze und Maßnahmen für den Nichtraucherschutz. Tabakrauch wurde aus:

  • öffentlichen Gebäuden
  • Bahnhöfen
  • Restaurants

verbannt. Und durch Erhöhungen der Tabaksteuer versucht der Staat auch, das Rauchen über den Preis zu beschränken. Nicht zuletzt sind es auch die Beschränkungen für Tabakwerbung und Bilder auf den Verpackungen, die abschrecken sollen – in Kombination mit Kampagnen zur Entwöhnung von der Zigarette.

Allerdings gibt es heute auch Alternativen zur klassischen Zigarette. E-Zigaretten und E-Shishas sind eine Alternative für all jene, die nicht auf den Genuss bzw. ihre Gewohnheit verzichten möchten und das Gesellige daran schätzen. Das auch als „Dampfen“ bezeichnete Rauchen der E-Zigarette soll dabei deutlich weniger schädlich sein und greift so auch den Gesundheitsaspekt unserer Zeit auf.

Fazit: Rauchen ist nicht mehr zeitgemäß

Rauchen galt mal als en Vogue und war in der NS-Ära bei der politischen Elite verpönt. Nach Kriegsende wurde es wieder cool, an der Zigarette zu ziehen. Inzwischen hat sich weitgehend die Erkenntnis durchgesetzt, dass Tabakrauch ein Risikofaktor ist. Wer aufhören will, hat es trotzdem schwer. Ein Grund, warum die E-Zigarette (also das Dampfen) in den vergangenen Jahren Zulauf erfährt. Letzteres gilt als weniger schädlich als das Inhalieren von Tabakrauch und hilft dem einen oder anderen Raucher, endlich vom Glimmstängel loszukommen. (kr)

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