Ein Frau arbeitet in Homeoffice.Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/dpa

Zwischen Firma und Familie: Wie Homeoffice die Firmenbindung schwächt und wie Unternehmen gegensteuern können

Epoch Times9. April 2021 Aktualisiert: 9. April 2021 12:45

Laut einer Umfrage unter 600 Unternehmen in Deutschland, den USA, Großbritannien, Japan und Frankreich mussten „fast alle Unternehmen in Deutschland“ infolge der Corona-Krise und den Regierungsmaßnahmen in technische Infrastruktur für ihre Mitarbeiter investierten. Wie Tanja Kühnl, Geschäftsführerin von Blancco Central Europe, im „UmweltMagazin“ berichtet, gehören zu den meist fabrikneuen Geräten vor allem Laptops für das Homeoffice um die Corona-bedingte Soziale Distanzierung zu gewährleisten.

Unternehmen müssen sich also nicht nur mit den neuen Bedingungen des Datenschutzes auseinandersetzen, sondern auch den Umgang mit Mitarbeitern lernen, die man – abgesehen von oft wenig zielführenden Videokonferenzen – über Tage, Wochen oder gar Monate nicht persönlich sieht und die, so will es das Gesetz, von Zuhause arbeiten müssen.

Homeoffice: Familie statt Firma?

Dabei kann das Arbeiten im Homeoffice zweierlei gegensätzliche Effekte hervorbringen. Auf psychologischer Ebene kann die gewohnte Umgebung der „heimischen vier Wände“ den Stresspegel der Mitarbeiter senken. Ein entspannter Geist fördert nachweislich die Kreativität, was wiederum das Arbeiten beschleunigt.

Andererseits können Familienangehörige – einschließlich Haustiere – eine starke Ablenkung sein und den Arbeitsfluss empfindlich stören. Dabei ist die Befürchtung einiger Arbeitgeber, dass sich Firma und Mitarbeiter „auseinander leben“, leider durchaus berechtigt.

Letzteres scheint nach Auswertung der Boston Consulting Group deutlich öfter der Fall zu sein, als wünschenswert wäre. Eine von der Beratungsgesellschaft durchgeführte Umfrage mit etwa 20.000 Teilnehmern aus zwölf Ländern zeigt, dass sich insbesondere Beschäftigte großer Unternehmen, die von zu Hause arbeiten und sich zugleich um Kinder oder andere Angehörige kümmern, häufig gestresst fühlen.

Wenig überraschend ist, dass Frauen die Situation im Durchschnitt belastender empfänden als Männer und dass sich Arbeitnehmer mit Mehrfachbelastung im Homeoffice häufig im Nachteil gegenüber Kinderlosen fühlen. Laut Umfrage glaubten viele Mitarbeiter zudem, dass sie nicht mehr ihre gewohnte Leistung liefern könnten und von ihrer Führungskraft nicht genug Hilfe bekämen. Beides führe dazu, dass Mitarbeiter im Homeoffice relativ oft mit einem Jobwechsel liebäugeln.

Fehlende Firmenbindung – und was Unternehmen tun können

Hinzu kommt, während „früher“ das Firmenlogo Mitarbeiter oft schon von Weitem über den Parkplatz begrüßte, sind es im Homeoffice Familienfotos. Statt ergonomisch geformter, wenn auch meist unbequemer, Stühlen, die das gerade Sitzen ermöglichen sollen, verleiten Sofa, Fernsehsessel oder die Gartenliege zum Fläzen. Schlechtere Durchblutung und Einschlafgefahr inklusive. Die Mittagspause mit Kollegen entfällt zugunsten einer Fertigpizza oder einer (ausgedehnten) liebevoll gekochten Mahlzeit mit der Familie. Und Nachmittags, wenn die Aufmerksamkeit nachlässt, liegt der Feierabend mit Chips und Fernseher wortwörtlich zum Greifen nah.

Alles zusammen birgt das Homeoffice die reale Gefahr, dass das Gefühl der Firma verloren geht. Hier können Unternehmen jedoch mit recht einfachen Methoden eingreifen und ihren Mitarbeitern ein Stück Firma nach Hause bringen.

Selbstverständlich können Firmen nicht einfach ein Zimmer komplett umgestalten, um Büroatmosphäre für alle zu schaffen, oder die übrigen Familienangehörigen während der Arbeitszeit aussperren. Aber sie können sich anderweitig in das Bewusstsein ihrer Mitarbeiter rufen, beispielsweise durch Werbeartikel mit hochwertigem Druck.

Um den Stress im Homeoffice zu reduzieren, hilft über kurz oder lang nur die Rückkehr ins Firmenbüro. Eine Entscheidung, die viele Unternehmen bereits getroffen haben und schnellstmöglich umsetzten würden. Laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter 1.200 Firmen haben zwei Drittel nicht vor, ihren Beschäftigten nach der Corona-Krise mehr Homeoffice als vor der Krise zu ermöglichen.

Bis es so weit ist, begleiten ein täglich genutzter Kugelschreiber, ein Feuerzeug mit dem Firmenlogo oder auch eine Tasse Mitarbeiter auch im Homeoffice und rufen die Firma zumindest unbewusst in Erinnerung.



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