Auch Bachs Musik „rassistisch“? Stanford-Absolvent sieht „weißen rassischen Frame“ in Musiktheorie

Von 18. September 2020 Aktualisiert: 18. September 2020 11:23
Dass die etablierten Standards der westlichen Musiktheorie „rassistisch“ seien, davon ist Hunter-College-Dozent Philip Ewell überzeugt. Selbst dort, wo sie sich mit schwarz geprägter Musik befasse, lege sie den „weißen Frame“ der Musik Bachs als Standard zugrunde.

Die gesamten im Westen etablierten Standards der Musiktheorie sind „rassistisch“: So könnte man die Quintessenz zusammenfassen, zu welcher der Stanford-Absolvent, Cellist und Dozent für Musiktheorie am Hunter College New York, Philip Ewell, in einem Beitrag für das „MTO Journal“ der Gesellschaft für Musiktheorie gelangt.

Er moniert unter anderem, dass dem jährlichen Demografie-Bericht zufolge mehr als 84 Prozent der Mitglieder der Gesellschaft, 90 Prozent der Beschäftigten im Bereich der Musiktheorie und sogar fast 94 Prozent des Lehrkörpers in diesem Bereich weiß sind.

Über mehr als zwanzig Jahre hinweg, so Ewell, habe sich die Musiktheorie darum bemüht, sich in diesem Bereich breiter aufzustellen. Dennoch blieb ein „weißer rassischer Rahmen“ in der Musiktheorie haften, der „strukturell und institutionalisiert“ sei – und lediglich durch ein „Deframing und Reframing“ positive Veränderungen bringen würde.

Dass die „weiße Vorherrschaft“ in der Musik, die er implizit als Ursache dafür andeutet, dass die meisten bekannten klassischen Musikgrößen früherer Jahrhunderte Weiße waren, vor allem dem Umstand geschuldet sein könnte, dass Künstler vor allem auf das Mäzenatentum von Monarchen und Adel in Europa angewiesen waren, scheint demgegenüber zu verblassen.

Sachliche Gründe für unterschiedlichen Fokus

Während auf diese Weise die europäische klassische Musik eher eine elitäre Angelegenheit war, hat auch die Forschung in diesem Bereich in den vergangenen Jahrhunderten damit begonnen, die meist mit folkloristischen Wurzeln verwobenen musikalischen Entwicklungen orientalischer, asiatischer oder afrikanischer Völker und Künstler zu erfassen und wissenschaftlich aufzuarbeiten.

In vielen Bereichen war dies mit einer politischen Ideologisierung verbunden, etwa in der Türkei, wo die republikanischen Eliten europäische und westliche Musik zum Maßstab für die Qualität und Förderungswürdigkeit musikalischen Schaffens erhoben. Hingegen wurde eigenes volkstümliches Liedgut, wie es sich etwa in den religiösen „Ilahiler“ oder in der bei der ländlichen Bevölkerung beliebten Stilrichtung des „Arabesken“ äußerste, als unerwünscht erklärt und teilweise sogar mit Verboten belegt.

Ideologisierung der Musiktheorie

Eine „rassistische“ Komponente lässt sich diesen paternalistischen Maßnahmen jedoch nur schwer entnehmen. Eher weisen sie Parallelen auf zu der Politisierung und Ideologisierung der Musik und Musiktheorie, die Kritiker dem Absolventen der Stanford-Universität selbst zuschreiben. Diese Einrichtung, an der mit Herbert Marcuse einer der Begründer der „Frankfurter Schule“ lehrte und die in den vergangenen Jahren wegen der Zusammenarbeit mit dem chinesischen KP-Regime ins Gerede gekommen war, gilt bereits seit längerer Zeit als marxistische Echokammer.

Dass die Entstehung von Schwarzen in den USA entwickelter Musik – etwa des Gospel-Genres – und die daraus erwachsenen, auch nationales und globales Musikschaffen prägenden Stilrichtungen vom Blues über den Jazz bis zum Funk in der Musikwissenschaft sogar sehr intensiv thematisiert wurde, erkennt Ewell zwar als Faktum an. Dennoch bleibt er bei der Einschätzung, dass auch die Beschäftigung mit diesen Themenbereichen von weißen Denkmustern gekennzeichnet wäre.

„Wenn Bachs Musik rassistisch ist, ist es auch die Schwerkraft“

Immerhin – so fasst Klassikexperte Edwin Baumgartner Ewells Thesen in der „Wiener Zeitung“ zusammen – sei die gesamte westliche Musiktheorie „von Weißen auf der Basis der Werke Weißer, speziell auf der Basis der Musik Johann Sebastian Bachs, entwickelt“ worden und deshalb „rassistisch“.

„Damit hat Ewell zwar in der Beschreibung recht“, schreibt Baumgartner dazu, „aber er ignoriert die Eigenschaft einer kulturellen Entwicklung, also die Weitergabe von Handwerk und Wissen von Generation zu Generation.“

Die europäische Musik und Musiktheorie seien nicht rassistisch, sondern seit mehr als zwei Jahrtausenden in einem bestimmten Kulturkreis gewachsen. Die Ethnizität habe dabei keine Rolle gespielt.

Akzeptierte man Ewells Thesen, wäre nicht nur die gesamte europäische Literatur seit Aischylos „rassistisch“, sondern auch die Wissenschaft wäre es, schlussfolgert Baumgartner – selbst die Schwerkraft wäre es, da sie zuerst von dem weißen Engländer Isaac Newton beschrieben worden sei.

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