Hausarrest oder Haft für Schriftsteller in China

Von 25. Juli 2011 Aktualisiert: 26. Juni 2017 11:52
Gefängnisstrafen, intensive Überwachung, illegaler Hausarrest und erzwungenes Schweigen – als kritischer Schriftsteller, Journalist oder Historiker lebt es sich in China nicht leicht.

Mindestens 40 Schriftsteller, Journalisten und Historiker sind in Chinas Gefängnissen eingesperrt. Dutzende andere sind täglich intensiver Überwachung, illegalem Hausarrest und erzwungenem Schweigen ausgesetzt. Das berichtet die internationale Schriftsteller-Organisation „PEN International“ aus Anlass der Feier zum 10. Jahrestag der Gründung des „Independent Chinese PEN Center“ (ICPC) in Hongkong am Samstag.

ICPC ist die chinesische Ortsgruppe von PEN International, sie hat 270 Mitglieder, von denen mehr als die Hälfte in China lebt.

„Unsere literarischen Aktivitäten in China sind verboten und unsere Mitglieder leiden unter enormem Druck […] Für die Preisverleihung müssen wir heute leider wieder drei leere Stühle auf die Bühne stellen, denn zwei der diesjährigen Preisträger, der chinesische Schriftsteller Liu Xianbin und der burmesische Dichter Zarganar, befinden sich im Gefängnis und Cui Weiping (die dritte Preisträgerin) wurde nicht erlaubt, die Grenze zu überqueren.“ Das berichtete Tianchi Martin Liao, die in Deutschland lebende Präsidentin des ICPC, am Samstag während der ICPC-Jubiläumsfeier in Hongkong.

Mehrere chinesische Schriftsteller wurden von den chinesischen Behörden daran gehindert, zu der Feier nach Hongkong zu reisen, darunter Zhuang Daohe, Jurist und Essayist aus Hangzhou, die diesjährige ICPC Preisträgering Cui Weiping, Professorin für Filmwissenschaften und Gesellschaftskritikerin, sowie der Pekinger Professor für Publizistik Jiao Guobiao.

Kritik über die Kommunistische Partei Chinas – Professorenstelle aberkannt

Jiao Guobiao verlor schon 2004 seine Professorenstelle, nachdem er eine Kritik über die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) geschrieben hatte. Er hatte in diesem Jahr schon einen Flugticket nach Hongkong gekauft, um an der Jubiläumsfeier des ICPC teilzunehmen, wurde aber von einem Kontingent an Sicherheitskräften gehindert, seine Wohnung zu verlassen.

„Ich weiß nicht, wie lange ich so etwas noch ertragen kann“, sagte Jiao in einem Interview mit der New York Times über Skype am Samstag. „Es wird immer schlimmer und schlimmer.“

Im vergangenen Jahr durfte er insgesamt 249 Tage nicht aus seiner Wohnung. An den anderen Tagen musste er um Erlaubnis bitten, um sich mit Freunden zu treffen oder andere Erledigungen zu machen.

Härteres Durchgreifen gegen Dissidenten in China

Die Verhältnisse der Schriftsteller, die sich weigern, den Richtlinien der KPCh zu folgen, haben sich seit Februar dieses Jahres wieder verschlechtert.

Aus Angst, dass die Pro-Demokratie-Proteste in der arabischen Welt sich auch in China verbreiten könnten, hat die KPCh ein weitreichendes Durchgreifen gegen Dissidenten veranlasst.

In der vergangenen Woche besuchte eine Delegation aus PEN America- und PEN International-Mitgliedern die Hauptstadt Peking, um sich mit Schriftstellern, Journalisten und Aktivisten zu treffen.

Etliche Schriftsteller wurden von den Behörden daran gehindert, an verschiedenen Treffen teilzunehmen, darunter auch an einer Diskussionsrunde für freie Meinungsäußerung in der amerikanischen Botschaft. Nur drei von 14 eingeladenen Gäste konnten erscheinen; die in Peking lebende tibetische Schriftstellerin Woeser, der früher wegen Tiananmen-Aktivitäten inhaftierte Demokratiebefürworter Jiang Qisheng und He Depu.

He Depu wurde Anfang des Jahres nach einer acht Jahre langen Haftstrafe wegen „Anstiftung zur Subversion gegen den Staat“ aus dem Gefängnis entlassen.

Die Delegation war auch nicht in der Lage, Kontakt mit Liu Xia, der Frau des inhaftierten Nobelpreisträger Liu Xiaobo,  aufzunehmen. Sie steht seit Oktober 2010 unter illegalem Hausarrest und wurde auch an einem Treffen mit ihren Anwälten gehindert.

Kritische Schriftsteller von Sicherheitskräften eingeschränkt

Mit Ausnahme von Liu, dem inhaftierten Nobelpreisträger, leben die meisten chinesischen Schriftsteller in relativer Anonymität in China. Ihre Werke sind verboten, sie haben nur wenige Beschäftigungsmöglichkeiten und ihr täglicher Aktionsradius wird von Sicherheitskräften eingeschränkt.

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„Diese hinterhältige, unverhohlene Einmischung der chinesischen Behörden in das Leben gesetzestreuer Bürger ist erniedrigend und beschämend in einem Land, das die Freiheit der Meinungsäußerung in seiner Verfassung verankert hat“, sagte Marian Botsford Fraser, Vorsitzende des „Writers in Prison Committee“ des PEN International, letzte Woche in Peking.

Li Hong verstorben – Artikel über Organraub an lebenden Falun Gong-Praktizierenden veröffentlicht

Ende 2010 verstarb der 52-jährige Schriftsteller, Dichter und Dramatiker Zhang Jianhong, auch als Li Hong bekannt. Im März 2007 wurde Li Hong zu sechs Jahren Gefängnis wegen „Anstiftung zur Subversion gegen den Staat“ verurteilt.

Vor seiner Verurteilung hatte Li Hong im Internet mehrere Artikel über Organraub an lebenden Falun Gong-Praktizierenden und Artikel zur Unterstützung für den verhafteten Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng, sowie einen Artikel über die „Neun Kommentare“ veröffentlicht. [Die Neun Kommentare sind eine von der Epoch Times veröffentliche Reihe von Artikeln, die die KPCh in ihrer 60-jährigen Geschichte darstellen.]

Kurz nach seiner Verhaftung erkrankte Li Hong an Muskeldystrophie, wurde aber erst am 5. Juni 2010, als sein Zustand sich ernsthaft verschlechterte, entlassen, um medizinische Behandlung außerhalb des Gefängnisses aufsuchen zu können.

Das erspart den Haftanstalten die Kosten und unangenehme Fragen, wenn Häftlinge in ihren Mauern sterben.

KPCh verbietet Veröffentlichung von Gedichten

Dem Schriftsteller Liao Yiwu gelang es Anfang Juli, über Vietnam und Polen nach Deutschland zu entkommen. Am 21. Juli erschien sein neuestes Werk im Buchhandel in Deutschland.

„Für ein Lied und hundert Lieder“ schildert die Erlebnisse während seiner vierjährigen Haftzeit nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989.

Liao Yiwu war wegen eines Gedichts über das Tiananmen-Massaker am 4. Juni 1989 verurteilt worden. Die chinesischen Behörden hatten Liao Yiwu seit seiner Freilassung im Jahr 2004 unter Druck gesetzt, seinen „Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen“, so der Untertitel des Buches, nicht im Ausland zu veröffentlichen. Jetzt als freier Mensch in Berlin, hat er es doch getan.