Schwindende „Hoffnungen auf Gnade und Weisheit“ in China

Von 15. November 2010 Aktualisiert: 15. November 2010 11:14
Die Kampagne der Massengehirnwäsche beinhaltet Folter und Zerstörung der Identität. Chen Gang weiß, was es heißt, einer Gehirnwäsche unterzogen zu werden.

Heute lebt er in den Vereinigten Staaten. Chen Gang ist 38 Jahre alt und war einmal der Logistikmanager der Carlsberg-Brauerei in Peking. Er stammt aus einer Musikerfamilie. Sein Vater war Leiter des Pekinger Central Philharmonic Orchestra, in dem seine Mutter als Flötistin engagiert war. Er selbst spielt Fagott. Zudem ist er ein Falun Gong-Praktizierender.

Weil Chen Gang Falun Gong praktiziert, wurde er im Jahr 2000 verhaftet und in das Tuanhe-Zwangsarbeitslager im Vorort Pekings gebracht. Dort musste er 18 Monate Gefängnis und Folter ertragen, bis seine geistige Kraft gebrochen war und er einer Umerziehung zustimmte.

Er sagte: „Die Polizei hat mich so lange gefoltert, bis sie jedes Bisschen meiner Würde, meiner Unschuld und meines Glaubens zerstört hatte. Sie zwangen mich, jemand zu werden, den ich verachtete. Sie besudelten meine Persönlichkeit und meine Seele und sie haben meine Hoffnungen auf Gnade und Weisheit mit Füßen getreten. Sie zwangen mich in einen Zustand der Reue, Scham und Selbstverachtung.“

Was die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) an Chen Gang verübt hat, soll nun laut Dokumenten lokaler Webseiten der Kommunistischen Partei und einem internen Parteidokument, das das Falun Dafa – Informationszentrum erhalten hat, 75 Prozent aller bekannten Falun Gong-Praktizierenden in China angetan werden.

Diese neue Drei-Jahres-Kampagne wird Milliarden Yuan verschlingen und je nachdem, wie effizient die Praktizierenden aufgespürt werden, werden Millionen oder zig Millionen Opfer betroffen sein.

Umerziehungskampagnen

Man könnte sagen, dass der Geist der KPCh, der China erobert hat, durch massenhafte Gehirnwäsche entstand. In den 40´er Jahren wandte die KPCh Methoden der Gehirnwäsche wie Umschulungen, Transformationen, Zwangskonversionen, Gedankenreformen oder ideologische Umprogrammierungen gegen ihre eigenen Kader auf der Bergschanze von Yan’an an. Das war in der Zeit, als Krieg gegen Japan geführt wurde.

Nachdem die Partei die Macht ergriffen hatte, wurden die gleichen Methoden in weiten Teilen der Bevölkerung auf sämtlichen Ebenen angewendet – besonders gegen Intellektuelle, „kapitalistische Ausbeuter“ und „kleinbürgerliche Spießer“. Da jede neue Kampagne den Ton angeben musste, wurden immer neue Gruppen für die Gedankenreformen ins Visier genommen.

Anfang Juli 1999, als Teil der systematischen Bemühungen, wurde vom damaligen obersten Führer Jiang Zemin befohlen, Falun Gong zu beseitigen. So richtete die KPCh ihre Aufmerksamkeit auf das „Transformieren“ der Gedanken der Falun Gong-Praktizierenden.

Auch als Falun Dafa bekannt, ist Falun Gong eine traditionelle chinesische und spirituelle Bewegung. Sie beinhaltet die Anwendung von fünf meditativen Übungen und das Studium moralischer Lehren, die auf den Prinzipien „Wahrhaftigkeit“, „Barmherzigkeit“ und „Nachsicht“ basieren. Laut Aussagen chinesischer Beamter Anfang 1999 gab es damals zwischen 70 und 100 Millionen Praktizierende in China.

Untersuchungssitzungen waren schnell organisiert und alle Parteimitglieder wurden gezwungen, Falun Gong zu verleugnen und der Partei Treue zu schwören. Diese Sitzungen haben ein ähnliches Format wie die der Revolutionären Hochschulen, die in ganz China in den 50´er Jahren aufgestellt wurden, um Intellektuelle zu indoktrinieren.

Die kommunalen Schauplätze der Indoktrinationen bezogen sich anfangs auf Parteimitglieder. Falun Gong-Praktizierende bestätigen jedoch die Ausnahme der Regel. Falun Gong-Praktizierende werden in Gefängnissen, Arbeitslagern oder eigens dafür gebauten Einrichtungen umerzogen. Der Fokus liegt auf gewaltsamen Zwang, nicht auf einer bloßen politischen Studie oder Diskussion, so ein Bericht, der von Praktizierenden online veröffentlicht wurde.

Jingduan Yang ist medizinischer Direktor des Tao-Instituts für psychische & physische Medizin in Philadelphia und hat Interviews mit Falun Gong-Praktizierenden geführt, die Opfer der staatlichen Umerziehungskampagne wurden. Er sagt, der grundlegende Prozess der Gehirnwäsche stützt sich auf die Steuerung der Informationen und den Freiheitsentzug der Zielperson. Er macht ihr Wohlergehen und das Überleben von ihrer Akzeptanz dieser Informationen abhängig.

„Es gibt drei Hauptkomponenten des Gehirnwäscheprozesses“, sagte Dr. Yang in einem Interview. „Erstens, die totale Kontrolle über die körperliche, finanzielle und soziale Existenz. Zweitens wiederholte Bloßstellung, Aufzwingen von Informationen oder Ideen, die sie akzeptieren müssen, damit sie eine Überlebenschance haben. Drittens Gewalt oder Folter an den Menschen, die sich den Informationen widersetzen.“

„Während man physische Folter und immer wiederkehrende Bloßstellungen erfährt, ist der Überlebensinstinkt häufig ein Mittel, die Vorschläge und Informationen, die einem gegeben werden, zu akzeptieren“, sagte er. „Manchmal fangen die Gequälten sogar an, fest daran zu glauben.“

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In vergangenen Tagen lehnten sich die Ideen und Informationen an den Marxismus-Leninismus, die Ideen Mao-Tsetungs und an das richtige Verständnis der „Widersprüche im Volke“ an sowie an andere kommunistische Parolen.

Heute soll die Gehirnwäsche die Falun Gong-Praktizierenden davon überzeugen, dass ihr Glaube böse, schädlich und egoistisch sei.

Die alten Methoden werden eingesetzt und durch Lektionen aus Erfahrung und Forschung ergänzt. Seit 1999 sind zahlreiche Stipendien für chinesische Sozialwissenschaftler und Psychologen vergeben worden, um herauszufinden, wie man den Prozess der Transformation effizienter gestalten kann, so Dr. Sun Yanjun, der bis 2009 Professor für Psychologie an der Capital Normal University in Peking war.

Der Druck aufzugeben, wird nicht nur bei Praktizierenden in Gefangenschaft angewandt, sondern in der Gesellschaft insgesamt. Für Freunde, Familie und am Arbeitsplatz kann es finanzielle und sonstige Folgen nach sich ziehen, wenn sich ein Praktizierender weigert, seinen Glauben zu widerrufen.

In der Vergangenheit wurden Klassenfeinde als solche aufgrund ihrer elterlichen Herkunft abgestempelt und waren tatsächlich „verloren“, sagte Yang.

Heute bleiben Falun Gong-Praktizierende, die ihrem Glauben abschwören, von Gewalt verschont. Aber um zu zeigen, dass die Transformation Wirklichkeit ist, schließen sich die Praktizierenden mit ihren Gehirnwäschern zusammen.

„Wenn man sich hier zu einer Umerziehung bereit erklärt, wird man benutzt, um andere umzuerziehen. Dabei versprechen sie einem viele Vorteile. Man kann seinen Job wiederhaben, seine Familie besuchen oder ein anständiges Essen bekommen, solche Dinge eben“, sagte Yang.

„Die Skala der Organisation dieses Gehirnwäscheprozesses ist riesig.“

Folter und Umerziehung

Für diejenigen, die mit der Umerziehung nicht einverstanden sind, ist die Behandlung brutal. Das Falun Dafa – Informationszentrum hat kürzlich mehrere Todesfälle von Praktizierenden gemeldet, die entführt worden waren und kurz nach der Gehirnwäsche starben. Dies ist ein deutliches Zeichen, dass sich die neue Kampagne gezielt gegen Falun Gong richtet.

Chen wurde der Schlaf entzogen, in der Regel waren nur zwei bis vier Stunden Schlaf erlaubt. Wenn er einzuschlafen begann, kickten und schlugen ihn die Wächter. Einmal wurde er 15 Tage ununterbrochen wach gehalten.

Er wurde mehrfach mit Hochspannungselektroschockern gefoltert. Die Stäbe verbrannten seine Haut, sein ganzer Körper verkrampfte, durch die Stromschläge wurde sein Nervensystem angegriffen. Chen beschrieb das Gefühl, das die Folter mittels Elektrostäbe auslöst: „Es ist wie in einem Feuer zu verbrennen oder von Giftschlangen gebissen zu werden.“

Die gefährlichste Folter, die er ertrug, heißt „Unter dem Bett gefesselt“.

Die Wächter stellten zehn Insassen an, ihn bis zur Unkenntlichkeit seines Gesichts zu schlagen. Chens Beine und Füße waren gefesselt, die Arme hinter dem Rücken zusammengebunden. Sein Hals war so eng an die Beine gefesselt, dass er zu ersticken drohte. Er wurde unter ein hölzernes Bettgestell geschoben, auf dem die anderen Insassen standen.

Chen sagte, er hatte das Gefühl, als wenn seine Beine jeden Moment brechen würden. Nach dem Ertragen dieser Folter konnte er zwei Wochen nicht laufen. Zur selben Zeit, als Chen diese Folter ertrug, wurde ein anderer Praktizierender namens Lu Changjun auf dieselbe Weise gefoltert. Aufgrund der Folter war er hinterher gelähmt.

„Ich werde niemals in der Lage sein, diese Qualen zu vergessen“, schrieb Chen Gang. „Ich war mit Wunden übersät, mein Rücken verletzt. Ich lag wie ein toter Fisch im Bett unfähig, mich zu bewegen. Das Einzige, was ich hörte, waren die qualvollen Schreie der anderen Falun Gong-Praktizierenden, die gefoltert wurden. Tränen strömten über mein Gesicht. Ich dachte, sogar die Hölle könnte nicht schlimmer sein.“

Er gab schließlich nach und unterschrieb eine Umerziehungserklärung bei der Polizei, die den Vorgang filmte. Danach zwangen sie ihn, das Schriftstück vorzulesen.

„Bis heute bedauere ich, das getan zu haben“, sagte Chen kürzlich in einem Interview. „Ich wollte nur, dass ein kleines Stück in meinem Herzen weiterhin mir gehört, damit ich weiß: Das bin ich. Das ist das, was ich denke … Ich wollte das als reines Land in meinem Herzen bewahren. Aber um ihre Prämien zu bekommen, verwenden sie alle möglichen Methoden, um dir auch noch dieses winzige Stück in deinem Herzen zu rauben. Das nennen sie Umerziehung. Wir bezeichnen es als Gehirnwäsche.“

Originalartikel auf Englisch: Extinguishing ‘Hopes for Grace and Wisdom’ in China

Foto: The Epoch Times