Massenverhaftungen in Changchun 2002
Jason Loftus (r), Owen Loftus, William Loftus und Masha Loftus auf dem Grünen Teppich während des Zürich Film Festivals am 23. September 2022.Foto: Joshua Sammer/Getty Images for ZFF

Eine Tragödie wird wieder lebendig: Massenverhaftungen in Changchun vor 20 Jahren

Von 27. September 2022
Wenig bekannt, doch nicht minder tragisch: Ein Ereignis vor 20 Jahren in der chinesischen Stadt Changchun rückt auf dem diesjährigen Zürich Film Festival in die öffentliche Aufmerksamkeit. Eine Zeitreise.

Am 5. März 2002 befand sich die Stadt Changchun, in der Provinz Jilin, im Ausnahmezustand. Etwa 18 Praktizierende der buddhistischen Meditationspraxis Falun Gong haben das staatliche Fernsehen in der Region angezapft. Damit wollten sie die diffamierende Darstellung der KP Chinas (KPC) über Falun Gong widerlegen. Auf acht Kanälen sendeten sie innerhalb von rund 45 Minuten Informationen, die die allermeisten Einwohner der Stadt aufgrund der strengen Medienzensur in China bis dato nicht gesehen oder gehört hatten. In den darauffolgenden Tagen durchkämmte die Polizei die Stadt mit Razzien. Mehr als 5.000 Falun-Gong-Praktizierende wurden verhaftet.

Unterdrückung der Religionsfreiheit in China erneut im Scheinwerferlicht

20 Jahre später, erweckt der Dokumentarfilm „Eternal Spring“ von Jason Loftus jenes Ereignis in Changchun wieder zum Leben. Die Verfolgung von Falun Gong in China rückt vom 23. bis 30. September erneut in die öffentliche Aufmerksamkeit. Der mehrfach preisgekrönte animierte Dokumentarfilm ist Teil des Programms des diesjährigen Zürich Film Festivals.

Es ist das größte Herbstfestival in der deutschsprachigen Schweiz. Stars und Filmschaffende aus aller Welt schreiten vom 22. September bis 2. Oktober über den grünen Teppich. Elf Tage lang können die Zuschauer aus rund 160 Filmen auswählen.

Eine Gelegenheit, um die Menschenrechtsverletzungen in China, insbesondere die Unterdrückung der Presse- und Religionsfreiheit, erneut ins Scheinwerferlicht zu rücken. „Menschen tendieren oft dazu, ihre Aufmerksamkeit einem Ereignis zu schenken, wenn es gerade aktuell ist und die Medien darüber berichten. Nach einer Weile gehen sie weiter zu anderen Themen. Das bedeutet aber nicht, dass das, was zuvor passiert ist, besser geworden ist“, sagte Loftus in einem Interview mit der Epoch Times. Eternal Spring soll jene sensible Thematik, die in Vergessenheit zu geraten droht, wieder aufrollen.

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Schwierige Erinnerungen wieder aufleben lassen

Eine Mischung aus 3D-Modellen und handgezeichneten Illustrationen rekonstruiert das kollektive Schicksal der Falun-Gong-Praktizierenden, die Folter und Verfolgung nach der Hacker-Aktion überlebt haben. Für den Künstler und Comiczeichner Guo Jingxiong, bekannt unter dem Namen Daxiong, sind es belastende Erinnerungen, die er in seine Zeichnungen einfließen ließ: Polizisten mit langen Elektroschockern, der düstere, lange Korridor zu den Einzelhaftzellen, das Bett in der Mitte der Zelle, die Handschellen, Drohungen und Folter, die Schreie aus den Nachbarzellen.

Für Daxiong ist das Zeichnen an sich nicht schwer. Das ist das, was er bereits seit seiner Kindheit schon immer gerne tut. „Aber diese Erinnerungen wieder aufleben zu lassen, belastet mein Herz“, sagte der Künstler, der unter anderem für die Comic-Verlage wie Dark Horse Comics (Star Wars) und DC Comics (Justice League of America) illustriert hat.

Daxiong selbst gehört nicht zu der Gruppe, die das Staatsfernsehen in Changchun damals gehackt haben. Und doch blieben ihm Haft und Folter nicht erspart. Die KP Chinas sei bereit, Tausende „zu opfern, um einen Verantwortlichen zu finden“, sagte er.

Die Verfolgung von Falun Gong begann 1999

Die Verfolgung von Falun Gong sei ein besonders „heikles Thema“ in China, erklärte der Regisseur von „Eternal Spring“. Bevölkerungsgruppen aus allen Gesellschaftsschichten seien betroffen. Tatsächlich waren unter den 100 Millionen Chinesen, die damals Falun Gong praktiziert haben, hochrangige Offiziere, Wissenschaftler, Künstler, Studenten, aber auch Kinder und Rentner.

Diese Popularität wurde von der KPC, die selbst weniger Anhänger hatte, als Bedrohung angesehen. Im Juli 1999 startete sie daraufhin eine Verfolgungskampagne gegen Falun Gong. Seitdem wurden viele Praktizierende in Arbeitslager gesteckt, viele starben unter Folter und viele verloren ihren Arbeitsplatz und ihre Familien.

Um das eigene Volk in einem solchen Ausmaß zu unterdrücken, zu verfolgen und gesellschaftlich zu isolieren, bedarf es einer besonders strengen Kontrolle von Narrativen und Medien. Dies sei aus der Sicht von Loftus einer der Gründe, warum die andauernde Verfolgung von Falun Gong eher wenig mediale Aufmerksamkeit bekommt.

„Medien, die sich mit Falun Gong und mit dieser horrenden Menschenrechtsverletzung befassen, haben es mit einer heiklen Thematik zu tun, die die Kommunistische Partei Chinas sehr verärgern“, so Loftus.

Schikane gegen Loftus und sein Team

Auch er und sein Team wurden von der KPC unter Druck gesetzt. „Die Familie meiner Frau, die noch in China lebt, wurde von chinesischen Behörden aufgesucht, ihnen wurde gedroht und gesagt: ‚Hey, wir wissen, was ihr im Ausland treibt‘“, erklärte Loftus in der Frage-Antwort-Runde bei seiner Premieren-Vorstellung in der Schweiz am vergangenen Freitag.

Die chinesische Regierung übte zeitgleich Druck auf seine Geschäftsbeziehungen aus. Und so verlor Loftus seinen Geschäftspartner bei Tencent, einem Medienunternehmen in China. „Sie wurden von der chinesischen Regierung kontaktiert und aufgefordert, die Geschäftsbeziehungen zu meinem Unternehmen abzubrechen“.

Zum Schweigen brachte ihn die Schikane aber nicht. Er wandte sich an die Öffentlichkeit und schrieb einen Beitrag im „Wall Street Journal“ über die Taktiken der KPC. Daraufhin hörte die chinesische Regierung auf, seine Familie zu drangsalieren. Auch hier zeigt sich für Loftus, dass die öffentliche Aufmerksamkeit einen gewissen Schutz bieten kann.

Weit weg von seinem Zuhause in Changchun will Daxiong weiterhin mit seinen Kunstwerken zu den Menschen sprechen und ihnen von den wahren Geschehnissen in China erzählen. „Das ist sehr wichtig für mich und ich werde weitermachen – für meine Freunde und Familie“.

 



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