Organraub in China: Transplantationsarzt berichtet über „Merkwürdigkeiten” in Klinik

Von 6. Januar 2020 Aktualisiert: 6. Januar 2020 12:50
Die Kommunistische Partei Chinas raubt massenhaft Organe von Glaubensgefangenen. Diese Tatsache wurde bereits von zahlreichen Experten bestätigt. Immer wieder kommen auch chinesische Ärzte an die Öffentlichkeit, die von ihren Erfahrungen im Transplantationssektor berichten.

Die massenhafte und illegale Organentnahme von politischen Gefangenen durch die Kommunistische Partei Chinas stellt eines der größten – wenn nicht das größte – Menschenrechtsverbrechen auf diesem Planeten dar. Darüber sind sich zahlreiche Experten einig.

In einem Interview mit der chinesischsprachigen Epoch Times, gab ein chinesischer Chirurg Einzelheiten über eine Lebertransplantation bekannt, die seiner Meinung nach mit der Praxis der illegalen Organentnahme in Verbindung stehen könnten.

Dr. Zhong legte der ET Dokumente vor, die seine Identität und seinen Beruf bestätigten. Um seine Identität zu schützen, gibt die Epoch Times nicht den vollständigen Namen des Arztes bekannt.

Polizeiuniformen in der Umkleidekabine

Während seines Postgraduiertenstudiums hatte Dr. Zhong die Möglichkeit, an verschiedenen chirurgischen Operationen in verschiedenen Krankenhäusern in China mitzuwirken. Im Jahr 2011 nahm er an einer „speziellen Lebertransplantation“ am First Affiliated Hospital der School of Medicine der Zhejiang Universität teil, wo er als Chirurg arbeitete.

Eines Nachts riefen die Mitarbeiter des Krankenhauses den Arzt an: er solle an einer Transplantation teilnehmen.

Sie sagten, es sei kein Chirurg verfügbar und sie wollten, dass ich die Operation durchführe. Ich wollte mehr lernen und üben. Es war wirklich eine gute Gelegenheit für mich“, so Zhong.

Als er im Krankenhaus ankam, sah Zhong Polizeiuniformen in der Umkleidekabine liegen. Dann sah er mehrere Leute in Operationskitteln, die größer und stärker waren als die durchschnittlichen Ärzte und Krankenschwestern in dieser Klinik.

„Es war sehr seltsam“, erinnerte sich Zhong. „Die Umkleidekabine ist nur für Ärzte und Schwestern. Warum waren dort Polizeiuniformen?“

Danach sah Zhong mehrere Leute in einem an den Operationssaal angrenzenden Raum. Als die Ärzte mit der Transplantation beginnen sollten, brachte eine Krankenschwester die Leber aus dem angrenzenden Raum herein. „Ich glaube, der Spender war im Operationssaal nebenan“, sagte Zhong.

Der Patient hatte eine Zirrhose. Zhong verbrachte etwa acht Stunden mit der Transplantation. Danach ging er direkt nach Hause.

Es war wahrscheinlich ein Falun Gong-Praktizierender

Als er am nächsten Tag ins Krankenhaus zurückkehrte, erfuhr Zhong, dass während der Lebertransplantation im gleichen Gebäude eine Hornhauttransplantation durchgeführt worden war.

„Normalerweise führt das Krankenhaus nicht gleichzeitig mit der Lebertransplantation eine Hornhauttransplantation durch“, sagte der Arzt.

Aber in dieser Nacht wurden die Transplantationen parallel zueinander durchgeführt. Das ist sehr merkwürdig.“

„Ich operierte in vielen Krankenhäusern in Hangzhou [der Hauptstadt der Provinz Zhejiang]. Ich kenne die Krankenhäuser gut“, sagte Zhong. „Das Krankenhaus der Medizinischen Fakultät der Zhejiang Universität ist eines der besten Krankenhäuser für hepatobiliäre Transplantationen. Es hat viel mehr Operationen durchgeführt als andere Krankenhäuser im Osten Chinas.“

Zhong glaubt, dass dem Leberspender auch die Hornhaut entnommen wurde und dass das Krankenhaus wahrscheinlich alle Organe verwendete, die es vom Spender bekommen konnte.

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„Der Spender musste ein politischer Gefangener gewesen sein. Das ist der Grund, warum Polizisten dort waren“, sagte Zhong. Er hatte nicht nach dem Hintergrund des Spenders gefragt, aber kurze Zeit später erfuhr er, dass der Spender wahrscheinlich ein Falun-Gong-Praktizierender gewesen war.

Großangelegtes Organentnahmeprogramm

Das kommunistische Regime in China steht unter Verdacht, seit Mitte der 1990er Jahre ein großangelegtes Organentnahmeprogramm zu betreiben, das mit Organen von zu Unrecht Getöteten gespeist wird. Peking erzielt durch den Handel mit Organen riesige Gewinne. Laut einer wachsenden Zahl von Zeugen und Experten sind die Hauptopfer des illegalen Organraubs Praktizierende von Falun Gong.

Falun Gong, auch bekannt als Falun Dafa, ist ein spiritueller Kultivierungsweg, der auf den Grundsätzen Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht basiert. Im Juli 1999 ordnete der damalige Staatschef und Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, Jiang Zemin, eine Kampagne zur Auslöschung von Falun Gong an. Jiang fürchtete die Beliebtheit der Praxis und die Wirkung der traditionellen moralischen Lehre auf das chinesische Volk.

Massentötungen

Laut Ethan Gutmann, einem amerikanischen Enthüllungsjournalisten, raubt das kommunistische Regime in China die Organe von Gefangenen mindestens seit Mitte der 1990er Jahre. Damals wurden diese Operationen in Xinjiang, einer Provinz an der westlichen chinesischen Grenze, durchgeführt.

In den 2000er Jahren nahm das Geschäft ein schreckliches Ausmaß an. Im Jahr 1999 verbot die Kommunistische Partei Chinas Falun Gong. Die Praxis wurde als „böse Sekte“ verteufelt und Hunderttausende Chinesen wurden eingesperrt – sie wurden geschlagen und gefoltert, wenn sie sich weigerten ihren Glauben aufzugeben.

Im Juni 2019 kam das in London ansässige China-Tribunal zu dem Schluss, dass die Organentnahme in China mit der Zustimmung der KP Chinas stattfindet und dass es keine Anzeichen für ein Ende dieser Praxis gibt.

Experten wie der kanadische Rechtsanwalt David Matas befürchten, dass uigurische Muslime, von denen über eine Million in Arbeitslagern eingesperrt sein sollen, die Falun-Gong-Praktizierenden als größte Quelle unfreiwilliger Organspender ersetzen könnten.

Die ersten Anschuldigungen, dass Falun-Gong-Praktizierende wegen ihrer Organe ermordet werden, wurden 2006 erhoben. Die Schwierigkeit, in China vor Ort zu recherchieren, hat die Ermittler gezwungen, sich auf Indizienmethoden wie Diskrepanzen in offiziellen Statistiken und Zeugenaussagen zu verlassen.

Es gab schon viele Spender

An der medizinischen Fakultät wurde Zhong und anderen berichtet, dass die Organspender Gefangene waren. Die Frage wer diese Spender waren und warum sie getötet wurden, wurde aber nicht beantwortet.

„Sie [Ärzte in der Fakultät] wissen, dass sie [die Spender] Falun Gong-Praktizierende waren“, erkannte Zhong später.

Dann begann Zhong mit einem anderen Team zu arbeiten, wo er Zheng Shusen, den Direktor für Organtransplantation am Ersten Krankenhaus, kennenlernte.

Zheng Shusen leitete früher auch den chinesischen Transplantationskongress und hatte den Vorsitz der China Organ Procurement Organization Alliance. Von 2007 bis 2017 war er auch Leiter der Anti-Cult Association in der Provinz Zhejiang. Letztere ist eine wichtige von der Kommunistischen Partei kontrollierte Organisation zur Verleumdung von Falun Gong.

Laut chinesischen Medien hatte das Team von Zheng Shusen bis Dezember 2017 über 2.300 Lebertransplantationen durchgeführt.

Zheng sagte uns, dass es nun weniger Spender gibt als zuvor… Er zog keinen Vergleich mit einem bestimmten Jahr… Er sagte nur, dass es vorher viele Spender gegeben hat, und dass die Ärzte viele medizinische Forschungen betreiben konnten“, sagte Zhong.

Zheng Shusen ging aber nicht näher darauf ein, warum es nun weniger Spender gab.

Im Jahr 2017 zog Liver International, die offizielle Zeitschrift der International Association for the Study of the Liver, einen Artikel von Zheng Shusen zurück, weil er keine „glaubwürdigen Beweise“ dafür vorlegen konnte, dass die Organe, die in seiner Forschung verwendet wurden, auf ethische Weise beschafft wurden.

Dr. Zhong sagte, dass seine Erfahrungen ihn vermuten ließen, dass es einen dunklen Hintergrund in der chinesischen Organtransplantations-Industrie gäbe. Deshalb beschloss er schließlich Allgemeinchirurg zu werden.

Nach dem Abschluss seines Studiums begann Zhong, mehr über Lebertransplantationen zu recherchieren. Er sprach mit anderen Medizinern an der medizinischen Fakultät und benutzte VPN-Software, um die chinesische Internetzensur zu umgehen und mehr Informationen über die Organentnahmen zu erfahren.

„Als ich zum ersten Mal vom Organraub hörte, war ich sehr schockiert. Aber die Fakten, die ich erhielt, waren so solide, dass ich sie nicht leugnen kann“, sagte Zhong. „Das ist der Grund, warum internationale Magazine die Arbeiten chinesischer Ärzte in der Transplantationsforschung entfernt haben.“

Der Originalartikel erschien in The Epoch Times USA (deutsche Bearbeitung von so)
Originalfassung: Chinese Doctor Discusses a Possible Case of Forced Organ Harvesting

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