Die letzte Generation Christen – Vor allem junge Kirchenmitglieder wollen austreten

Das renommierte Meinungsforschungsinstitut INSA hat weit über zweitausend Deutsche und Österreicher befragt, wie sie zur Institution Kirche stehen. Die Deutsche Presse-Agentur weigert sich, die Ergebnisse mitzuteilen.
Titelbild
Kirchen stehen bereits jetzt größtenteils leer. Wie wird die Nutzung in Zukunft aussehen?Foto: iStock
Von 22. Mai 2023

Was INSA hier pünktlich zu Pfingsten, der Aussendung des Heiligen Geistes, also dem Kerngedanken des christlichen Glaubens, ermittelte, kommt einer Bankrott-Erklärung der Kirchen gleich.

Der im letzten Jahr neu gegründete Sender „Kontrafunk“ hat die Umfrage in Auftrag gegeben. Als dieser die Ergebnisse der Studie beim ots-Presseportal von dpa, APA und SDA einpflegen will – eine kostenpflichtige Serviceleistung der „Deutschen Presse-Agentur“ (dpa) – wird die Meldung gecancelt. Dem Gründer des „Kontrafunk“ wird mitgeteilt, dass man die Zusammenarbeit ablehnt. Im Zusammenhang mit einer Studie des renommierten INSA-Umfrageinstituts ist das ein mindestens bemerkenswerter Vorgang. Auch auf Nachfrage wird die Entscheidung gegenüber „Kontrafunk“ nicht begründet.

Auf gepackten Koffern

Was genau wollten die Agenturen nicht melden? Die Kritik an den Kirchen, die man aus dieser Umfrage ablesen kann, könnte kaum schärfer sein. Jedes dritte Kirchenmitglied in Deutschland und Österreich sitzt bereits auf gepackten Koffern. Aber viele wollen dem Glauben nicht den Rücken kehren, sondern der Kirche als Institution.

Mit dem gläubigen Christen und ehemaligen ZDF-Nachrichtenmoderator Peter Hahne hat der „Kontrafunk“ auch gleich eine gewichtige Stimme, um die Ergebnisse einzuordnen. Hahne meint zunächst, wenn er Religionsfunktionär wäre, dann könne er jetzt nicht mehr schlafen nach dieser „unglaublich knallharten Umfrage“. Hahne macht darauf aufmerksam, dass es solch eine umfangreiche Studie jahrelang nicht mehr gegeben habe:

„Und das ist wirklich für die Kirchen ein Schock. Denn jeder Dritte will austreten und nur noch jeder Fünfte will die vom Staat eingezogene Kirchensteuer bezahlen. Das ist natürlich ein Schlag ins Kontor. Aber das schockiert mich eigentlich nicht.“

Ein Todesurteil für die Kirchen

Peter Hahne geht hier bereits‚ in die Analyse:

„Die Kirche darf sich nicht anbiedern in eine bestimmte politische Richtung. Die ganze Sache mit den Schlepperschiffen im Mittelmeer, das ist ja fast schon eine Flüchtlingsindustrie, welche die Kirche hier betreibt. Alte Leute werden aus Pflegeheimen rausgeworfen, dafür Flüchtlinge eingesetzt, weil die Kirchen damit Geld verdienen. Dann die ganze Corona-Maßnahmen-Geschichte, das ist eigentlich alles Selbstmord für die Kirchen. Und jetzt kommt noch die Solidarisierung mit der Klimabewegung „Letzte Generation“ dazu. Also, das alles ist ein Todesurteil, und man sieht es ja, die Leute wollen austreten.“

Und hier die Erhebungen im Detail entlang einer Zusammenfassung des Auftraggebers der Studie:

Nur noch jedes zweite Kirchenmitglied in Deutschland und Österreich empfindet sich als religiös. Demnach wollen 36 Prozent der Kirchenmitglieder in Deutschland und sogar 40 Prozent der Kirchenmitglieder in Österreich die Kirche sicher verlassen oder sind auf dem Sprung.

Nur jeder sechste Befragte (17 Prozent) hält es für richtig, dass Teile der Evangelischen Kirche in Deutschland sich mit den Aktivitäten des Bündnisses „Letzte Generation“ solidarisiert haben. Unter den Mitgliedern der Evangelischen Landeskirchen ist die Zustimmung zur Solidarität mit der „Letzten Generation“ sogar noch geringer (15 Prozent).

Auch mit ihrer Corona-Impfwerbung haben sich die christlichen Kirchen in Deutschland von der Mehrheit abgekoppelt: Nur 43 Prozent der Befragten empfinden es als richtig, dass zu einer solchen Behandlung aufgerufen wurde; bei den Unter-30-Jährigen sind es nur annähernd jeder Dritte (31 Prozent). Besonders skeptisch gegenüber dem Aufruf zur sogenannten Corona-Impfung sind die freikirchlichen Christen: Nur jeder Fünfte (21 Prozent) schließt sich diesem Aufruf an.

Die Kirchen sollen Steuern selbst einziehen

In Österreich finden es sogar nur 28 Prozent richtig, dass die christlichen Kirchen dazu aufgerufen haben, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Bei den Altersgruppen zwischen 16 und 49 Jahren sind es weniger als 25 Prozent, bei der Altersgruppe der über 60-Jährigen 38 Prozent.

Wie sehr auch gläubige Menschen mit den Kirchenleitungen hadern, ergibt sich aus einer dramatisch hohen Bereitschaft zum Kirchenaustritt. Diese lässt auch nach den jüngsten Austrittswellen offenbar nicht nach. In Deutschland sagen 15 Prozent, dass sie sicher austreten werden, und weitere 21 Prozent werden es vielleicht tun. In Österreich sind die Quoten noch höher: 17 Prozent sind entschlossen auszutreten, weitere 23 Prozent spielen mit dem Gedanken. Das bedeutet: Die Kirchen werden langfristig nur zwei Drittel ihrer Mitglieder behalten.

In puncto Finanzierung sieht es noch extremer aus. Nicht einmal jeder Fünfte (18 Prozent) ist dafür, dass das bisherige Kirchensteuersystem beibehalten wird. Die Mehrheit der Befragten (51 Prozent) hielte es für richtig, dass die christlichen Kirchen die Kirchensteuer selbst einziehen. Dem Rest ist es egal und er weiß keine Antwort oder möchte nicht antworten. Auch unter den derzeitigen Kirchenmitgliedern ist nur rund jeder Vierte (22 bis 27 Prozent) damit einverstanden, dass der Staat weiterhin die Kirchensteuer erhebt.

Das Meinungsforschungsinstitut INSA-CONSULERE hat im Mai 2023 im Auftrag von „Kontrafunk“ repräsentativ rund 2.000 Bürger in Deutschland und 1.000 Bürger in Österreich zu diesen Themen online befragt. Gestützt sind die Umfragen auf die permanente Telefonbefragung INSA-Perpetua Demoscopia.

(Eine Anfrage an dpa wurde gestellt. Im Beantwortungsfalle wird hier nachgereicht.)



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