Sehenswert: Berliner Sonderaustellung „Mantegna und Bellini – Meister der Renaissance“

Von 21. Juni 2019 Aktualisiert: 21. Juni 2019 17:08
Nur noch bis Sonntag, den 30. Juni 2019, ist sie geöffnet: Die Sonderausstellung „Mantegna und Bellini – Meister der Renaissance“ in der Berliner Gemäldegalerie. Mit ihr wird erstmalig in Berlin das Gesamtwerk der beiden italienischen Meistermaler Andrea Mantegna und Giovanni Bellini miteinander verglichen.

Der Abschied naht, denn nur noch bis Sonntag, den 30. Juni 2019 ist die Sonderausstellung „Mantegna und Bellini – Meister der Renaissance“ in der Berliner Gemäldegalerie zu sehen.

Die von der FAZ als „Berliner Muss-Ausstellung des Jahres“ betitelte und von der NZZ als „triumphal“ beschriebene Ausstellung zeigt 97 Werke der Lichtgestalten der italienischen Renaissance-Malerei Andrea Mantegna (um 1431–1506) und Giovanni Bellini (um 1435–1516) und stellt sie auf einzigartige Weise gegenüber.

Denn nachdem Mantegna 1452 in die Familie Bellini eingeheiratet hatte – eine der führenden Künstlerfamilien Venedigs –begleiten sich Mantegna und Bellini, der jetzt sein Schwager war, rund 10 Jahre. Dann trennten sich ihre Wege wieder.

Künstler beeinflussten sich dauerhaft gegenseitig

Im Mittelpunkt der Sonderausstellung stehen jene Bilder, die die gemeinsame Schaffensphase der Künstler zeigen.  Hier sieht man besonders deutlich, wie sich die Maler gegenseitig künstlerisch beeinflussten, was über ihre gemeinsame Zeit in Venedig hinaus erkennbar bleibt.

Mantegna bringt in die Begegnung mit Bellini antikisierende Bildelemente (Fresken, Statuen und so weiter) hinein, die er auffällig zur Bildgestaltung einsetzt. Gleichzeitig nutzt er spektakuläre Bildperspektiven, die eine belebende Dramatik in seine Bilder bringen. Und er setzt auffällig oft bei seinen Werken Figuren in verkürzter Perspektive ein, die zudem block- und statuenhaft in antiker Haltung positioniert werden.

Versteckte Formen und Figuren in Bildern Mantegnas

Zudem nutzt Mantegna spielerische Gestaltungsmittel wie in den Wolkenformationen versteckte Gesichter und Figuren. Insgesamt wirken Mantegnas Bilder detailreicher.

Bellini hingegen malt sehr stark atmosphärisch und nutzt dabei die Vorzüge der Ölmalerei mit der Möglichkeit, mehrere Schichten übereinander zu legen, die trotz Übermalens hindurchscheinen und so miteinander farblich korrespondieren.

Die Sonnenaufgänge Bellinis in dieser Lasur-Technik, mit ihren stimmungsvollen vielfältigen Farbnuancen, bringen eine besondere Leuchtkraft in die Bilder. Ihre Ausdruckskraft lässt einen schweigend vor dem Bild verweilen.

Dabei stellt Bellini nie die Natur über die zumeist christlichen Szenen, die seine Werke darstellen. Sie stehen mit der christlichen Geschichte bildtechnisch wie auch sinnbildlich in einer harmonischen Einheit.

So bildet beispielsweise der anbrechende Tag in Bellinis Werk die „Auferstehung Christi“ eine sinnbildhafte Analogie zur Auferstehung Christi. Kunstvoll künden Wolken eingefärbt in ein zartes Rosa den Ostermorgen an.

In Hinsicht auf die gegenseitige künstlerische Beeinflussung ist auffällig, dass Bellini schmückende Bildelemente und Felsformationen in seine Werke im Sinne von Mantegna einbaut (siehe Bild oben, das Holzschild mit Frauengesicht in Relief-Schnitztechnik in der rechten Ecke) während Bellinis atmosphärische Bildgestaltung und damit verbunden sein Einsatz von Farbe, auf Mantegna einen bleibenden Eindruck hinterließ.

Meisterwerke beider Künstler hängen Seite an Seite

Und gerade dies macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus. Mantegnas und Bellinis enge Zusammenarbeit, die auch in der Darstellung gleicher Szenen deutlich wird,  kann nun interessiert betrachtet und verglichen werden in Werken der Künstler, die Seite an Seite hängen.

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Dazu gehören die Kreuzigungsszenen aus dem Louvre von 1456/59 beziehungsweise 1465  sowie die Darstellungen von „Christus am Ölberg“ und „Die Darbringung Christi im Tempel“, deren Gegenüberstellungen Höhepunkte der Ausstellung bilden.

Ausstellung in enger Zusammenarbeit zwischen England und Deutschland entstanden

Die Sonderausstellung „Mantegna und Bellini – Meister der Renaissance“ in der Berliner Gemäldegalerie
entstand in enger Zusammenarbeit zwischen den Staatlichen Museen zu Berlin, der National Gallery London und des British Museum. Zunächst war die Sonderausstellung in London zu sehen, bevor sie nach Berlin kam.

Dagmar Korbacher, Leiterin des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin, und eine der vier Kuratoren der jetzigen Sonderaustellung, sagte zur Epoch Times, was für sie das Besondere dieser Ausstellung ausmacht. Das sei zum Einen, dass Werke beider Künstler an einem Ort zu sehen wären, die von dem ersten Kontakt beider Künstler bis zur Trennung der beiden reiche.

Zum anderen wäre die Ausstellung eine Kunstschau, bei der Zeichnungen und Malereien beider Künstler gleichberechtigt nebeneinander gezeigt würden. Und die Ausstellung zeige auf einzigartige Weise und sehr anschaulich die künstlerische Nähe beider Künstler zueinander.

Um es mit den Worten des Kunsthistorik-Professor Franz Zelger in der NZZ zu sagen: Die Ausstellung zeigt ein „freundschaftlich und respektvoll rivalisierendes Traumpaar der italienischen Kunstgeschichte, der Kunstgeschichte überhaupt“.

„Mantegna und Bellini – Meister der Renaissance“

(01.03.2019 bis 30.06.2019)

im Kulturforum, Gemäldegalerie
Matthäikirchplatz, 10785 Berlin,

Di, Mi, Fr 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr
Ab 18. Juni 2019: Di – So 10 – 20 Uhr