„Das Glück wohnt nicht im Besitze und nicht im Golde; das Glücksgefühl ist in der Seele zu Hause“. (Demokrit)Foto: iStock

Kolumne vom Freischwimmer: Das kleine Glück zwischendurch

Von 16. August 2020 Aktualisiert: 16. August 2020 13:40
Es wird wohl niemanden sonderlich überraschen, wenn ich hier öffentlich zugebe, dass es mir genauso wie allen anderen geht. Auch Kolumnenschreiber haben Gefühle: die Freude, die Liebe, die Wut und die Ohnmacht. Auch die beiden letztgenannten ergreifen mich manchmal - und das gegen meinen Willen!

Vor allem, wenn ich mir die gesamte gesellschaftliche Lage betrachte. Ich weiß, dass es vielen Menschen genauso geht. Aber dann frage ich mich, was ich tun kann; was ich ändern kann und was mir in meinem Leben wichtig ist.

Dabei lande ich immer und immer wieder bei dem gleichen Punkt: zuerst einmal muss ich mich und mein kleines Leben in Ordnung bringen. Es nützt keinem etwas, wenn ich völlig wütend und planlos durch`s Gelände renne und meine Mitmenschen nerve.

„Alle Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen, auf denen wir in die Höhe steigen.“ (Friedrich Nietzsche)

Dann muss ich mich zunächst durch kleine Meditationstechniken zur Ruhe bringen und danach ruhig überlegen, was bei mir an erster Stelle steht. Da wäre zum Beispiel ein liebevolles, freundliches und friedliches Miteinander in der Familie und im Freundeskreis.

Und dafür kann ich etwas tun … und plötzlich ist das Gefühl der Ohnmacht weg. Haha! Leichte Freude kommt auf.

Als Nächstes würde auf meinem Zettel stehen: „glücklich sein“. Das erscheint mir jedoch etwas zu schwammig ausgedrückt. Was bedeutet denn eigentlich „glücklich sein“? Ein niegel-nagel-neues Auto mit allem Schnick-Schnack, den man sich nur vorstellen kann? Nö, das interessiert mich nicht. Ich bin mit meiner alten Kiste sehr zufrieden. Die bringt mich immer noch zuverlässig von „A“ nach „B“… und wenn ich sie ganz lieb bitte sogar noch nach „C“.

Ein neues, teures Handy? (Wussten Sie eigentlich das „handy“ übersetzt „handlich“ heißt?) Nein, auch für ein neues, teures „Handlich“ habe ich kein Interesse. Seit Längerem lasse ich mein jetziges sowieso immer öfter zuhause und schleppe es nicht mehr überall mit hin. Das nervt, das Teil!

Ein zahlungswilliges „Dauer-Opfer“ der Modeindustrie bin ich auch nicht. Ich bin sogar der Meinung, dass man mir meine vielen Millionen, die ich mir mit meiner Kolumne mittlerweile verdient habe, nicht unbedingt an den Klamotten ansehen muss. (Diese alberne Bemerkung sei mir heute verziehen.)

„Das Glück wohnt nicht im Besitze und nicht im Golde; das Glücksgefühl ist in der Seele zu Hause“. (Demokrit)

Um mir mehr Klarheit zu verschaffen, was ich denn nun eigentlich noch ganz dringend benötigen würde, um glücklich und zufrieden zu sein, rufe ich mir das Zitat von George Bernard Shaw ins Gedächtnis: „Es gibt zwei Tragödien im Leben. Die eine: Dass dein Herzenswunsch nicht erfüllt wird. Die andere: Dass er es wird“.

Dabei wird mir mehr und mehr klar, dass ich bei einem unerfüllten Wunsch immer den Dingen hinterherjagen müsste, um sie endlich zu bekommen. Zusätzlich würde dabei immer auch noch die Frage im Raum stehen, wann ich das endlich bekommen könnte. Tja, und hätte sich der Wunsch dann tatsächlich erfüllt, hätte ich dann zwar für eine gewisse Zeit die Freude an dem neuen Teil – aber danach käme dann wieder der Alltag und die damit einhergehende Gewissheit, dass das Ding nun doch nicht dauerhaft glücklich macht. Blöd, gelle!?!

„Sei vorsichtig mit deinen Wünschen – sie könnten in Erfüllung gehen!“ (Spruch aus Asien)

Deshalb bin ich zu der kühnen Erkenntnis gekommen, dass ich nur etwas zufriedener und glücklicher sein kann, wenn ich nicht zu verbissen nach teuren – oder gar unerreichbaren – Dingen strebe. Es ist besser für mich, wenn ich das Leben so nehme, wie es gerade kommt. Das heißt aber wiederum nicht, sich tatenlos den Fluss heruntertreiben lassen. Das bringt auch nichts. Man sollte seine Aufgaben schon ordentlich erledigen. Was ich damit meine, ist, die Herausforderungen, welche das Leben gerade an uns stellt, anzunehmen und dann das Beste daraus zu machen.

„Glück ist Selbstgenügsamkeit“. (Aristoteles)

Wenn ich nicht mehr so verbissen materiellen Dingen hinterher hechele, dann meine eigene kleine Welt in Ordnung bringe, und wenn es in meinem Umfeld noch mehrere genauso machen, dann wird die Welt auch wieder etwas besser. Und dann können wir alle gemeinsam die großen, größeren und noch größeren Aufgabenstellungen angehen. Das macht sich mit Ruhe und innerer Ausgeglichenheit viel besser.

„Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das Große vergebens warten“. (Pearl S. Buck)
UND
„Es ist schwer, das Glück in uns zu finden, und es ist ganz unmöglich, es anderswo zu finden“. (Nicolas Chamfort)

Ahoi
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