„Kundschafter“ aus den Tiefen des Weltalls womöglich kein Asteroid

Epoch Times28. Juni 2018 Aktualisiert: 22. Februar 2019 11:41
Der Himmelskörper "Oumuamua", der erste in unserem Sonnensystem entdeckte Nomade aus dem interstellaren Raum, ist möglicherweise gar kein Asteroid - sondern ein seltsamer Komet. Darauf deuten neue Beobachtungen hin.

Der Himmelskörper „Oumuamua“, der erste in unserem Sonnensystem entdeckte Nomade aus den Tiefen des interstellaren Raums, ist möglicherweise gar kein Asteroid – sondern ein seltsamer Komet. Darauf deuten Beobachtungen mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile hin. Der ungewöhnliche Besucher entfernt sich demnach schneller als erwartet von der Sonne, wie die ESO in Garching mitteilte.

„Oumuamua“ – Der Bote aus dem All

Über ihre Entdeckung berichten die beteiligten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Nature“. „Oumuamua“ (hawaiianisch für „Kundschafter“ oder „Bote“) wird seit seiner Entdeckung im Oktober 2017 intensiv untersucht. Wenige Tage nach seinem ersten Auftauchen war das dunkelrote und langgezogene Objekt als interstellarer Asteroid eingestuft worden – also als kosmischer Kleinkörper, der im Gegensatz zu Kometen in der Regel praktisch kein Oberflächenmaterial ausstößt.

Durch die Kombination von Daten des Very Large Telescopes und anderer Observatorien stellte ein internationales Astronomenteam aber nun fest, dass sich „Oumuamua“ schneller bewegt als vorhergesagt. Das Team unter der Leitung von Marco Micheli von der Europäischen Weltraumagentur ESA gelangte zu dem Schluss, dass der kosmische Nomade womöglich durch Sonneneinstrahlung Material von seiner Oberfläche abgibt. Dieses Verhalten nennen Astronomen Ausgasen.

Ein winziger, seltsamer Komet

Der Drall dieses ausgestoßenen Materials soll den kleinen, aber stetigen Schub liefern, der „Oumuamua“ schneller als erwartet aus dem Sonnensystem schießt – am 1. Juni bewegte er sich laut ESO mit rund 114.000 Kilometern pro Stunde. Ein solches Ausgasen ist typisch für einen Kometen. „Wir denken, er ist in Wirklichkeit ein winziger, seltsamer Komet“, erklärte Micheli.

„Wir können an den Daten erkennen, dass sein Schub umso geringer wird, je weiter er von der Sonne entfernt ist, was typisch für Kometen ist.“ Wenn Kometen von der Sonne erwärmt werden, stoßen sie Staub und Gas aus, die eine Materialwolke – Koma genannt – um sie herum bilden. Außerdem zeigt sich bei Kometen dann der charakteristische Schweif.

Bei „Oumuamua“ konnte das Forscherteam allerdings keine sichtbaren Hinweise auf Ausgasungen feststellen. „Wir haben keinen Staub, keine Koma oder gar einen Schweif gesehen, was ungewöhnlich ist“, erläuterte Karen Meech von der University of Hawaii.

Eine Erklärung dafür könnte sein, dass während „Oumuamuas“ Reise durch den interstellaren Raum die von den meisten Komtenoberflächen bekannten kleinen Staubkörner erodiert sind – übrig geblieben wären in diesem Fall dann nur noch größere Staubkörner.

Obwohl eine Wolke dieser größeren Partikel nicht hell genug wäre, um bemerkt zu werden, würde dies die unerwartete Änderung der Geschwindigkeit von „Oumuamua“ erklären. „Wir denken, dass ‚Oumuamua‘ ungewöhnlich große, grobe Staubkörner abgeben kann“, betonte Meech. (afp/ts)

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