Von Pontius Pilatus erbaut: 2.000 Jahre alte Straße in Jerusalem entdeckt

Ein alter Weg, der wahrscheinlich von den Pilgern auf ihrem Weg zur Anbetung am Tempelberg benutzt wurde, wurde nun in Jerusalem entdeckt. Datiert wird er durch mehr als 100 Münzen unter den Pflastersteinen. Der Fund belegt, dass die Straße von Pontius Pilatus in Auftrag gegeben wurde.
Titelbild
Römische Straße (Symbolbild).Foto: iStock
Epoch Times2. November 2019

Nach sechs Jahren umfangreichen archäologischen Ausgrabungen haben Forscher der Israel Antiquities Authority und der Tel Aviv University einen 220 Meter langen Abschnitt einer alten Straße entdeckt. Erste Teile der, vermutlich unter Pontius Pilatus erbauten, Straße entdeckten britische Archäologen bereits 1894. Der Weg führt vom Teich von Siloah im Süden zum Tempelberg.

Beide Stätten sind für Anhänger des Judentums und des Christentums von großer Bedeutung. Der Tempelberg, der sich innerhalb der Altstadt von Jerusalem befindet, wird seit Jahrtausenden als heiliger Ort verehrt. Zum Zeitpunkt des Baus der Straße soll Jesus zudem die Blindheit eines Mannes geheilt haben, indem er ihn in den Teich von Siloah geschickt habe.

Die Archäologen entdeckten Pflastersteine der Straße unter Trümmerschichten, von denen man annimmt, dass sie aus der Zeit stammen, als die Römer die Stadt 70 n. Chr. einnahmen und zerstörten. Der Schutt enthielt Waffen wie Pfeilspitzen und Schleudersteine sowie Überreste von verbrannten Bäumen und Steine von eingestürzten Gebäuden.

Münzen belegen Bau der Straße

Bei der Ausgrabung entdeckten die Archäologen zudem über 100 Münzen unter den Pflastersteinen der antiken Straße. Die ältesten Münzen wurden zwischen 17 nach Christus und 31 nach Christus datiert. Dies sei ein ausreichender Beweis dafür, dass die Arbeiten unter Pontius Pilatus, dem Statthalter von Judäa, begonnen und abgeschlossen wurden, so die Wissenschaftler. Ihre Ergebnisse präsentierten sie im Journal of the Institute of Archaeology of Tel Aviv University.

„Die Datierung mit Münzen ist sehr genau“, sagt Dr. Donald T. Ariel, seines Zeichens Archäologe, Münzexperte und einer der Co-Autoren der Veröffentlichung in einer Pressemitteilung.

Die Karte zeigt die Ausgrabungsstätten (Nummern). Foto: D. Levi, IAA; gedruckt mit Genehmigung des Survey of Israel

Informationen durch Münzen entschlüsseln

„Da auf einigen Münzen das Prägejahr steht, bedeutet das, dass, wenn eine Münze mit dem Datum 30 n. Chr. [Anmerk. d. Red.: oder dem Bild des damaligen Statthalters] unter der Straße gefunden wird, die Straße im selben Jahr gebaut werden musste oder nachdem diese Münze geprägt wurde“.

„Unsere Studie geht jedoch weiter, denn statistisch gesehen sind die Münzen, die etwa 10 Jahre später geprägt werden, die häufigsten in Jerusalem. Da sie nicht unterhalb der Straße gefunden wurden, bedeutet das, dass die Straße vor ihrem Erscheinen gebaut wurde, also nur zur Zeit des Pilatus.“

Die prächtige Straße mit einer Länge von 600 Metern und einer Breite von etwa 8 Metern wurde mit großen Steinplatten gepflastert. Dies ist Standard im gesamten Römischen Reich. Die Forscher schätzen, dass man für den Bau rund 10.000 Tonnen Kalksteinplatten benötigt hat. Für all das ist viel Geschick und gute Logistik erforderlich.

Der Bürgersteig der Straße und das solide Fundament wurden an einer Stelle freigelegt, an der keine Pflastersteine erhalten waren. Foto: A. Peretz, IAA

Pilgerweg zwischen den wichtigsten Orten Jerusalems

Die opulente und prächtige Natur der Straße, gepaart mit der Tatsache, dass sie zwei der wichtigsten Orte Jerusalems verbindet, ist ein starker Beweis dafür, dass die Straße als Pilgerweg diente.

„Wenn dies ein einfacher Weg wäre, der Punkt A mit Punkt B verbindet, gäbe es keine Notwendigkeit, eine solche große Straße zu bauen“, sagten Dr. Joe Uziel und Moran Hagbi, Archäologen der Israel Antiquities Authority.

„Sie ist mindestens 8 Meter breit. Dies, gepaart mit dem fein geschnitzten Stein und dem verzierten Stufenpodest ähnlich entlang der Straße, deutet darauf hin, dass es sich um eine besondere Straße handelte.“

„Schwierige Zeiten“

Doch warum baute ausgerechnet ein römischer Verwalter einen Pilgerweg für Anhänger einer fremden Religion?  „Ein Grund mag darin bestanden haben, die Bewohner Jerusalems zu beschwichtigen. Vielleicht war es auch ein weiterer Schritt, Jerusalem dem römischen Standard anzupassen. Ein anderer Grund war vielleicht auch, dass Pontius Pilatus seinen Ruf durch imposante Bauprojekte vergrößern wollte“, so Nahshon Szanton, Hauptautor des Artikels.

Es ist möglich, dass Pontius Pilatus die Straße bauen ließ, um die Spannungen mit der jüdischen Bevölkerung abzubauen. „Wir können es nicht sicher wissen, obwohl all diese Gründe in den historischen Dokumenten Unterstützung finden. Doch es ist wahrscheinlich, dass es eine Kombination dieser drei Gründe war.“ (ts)

Die PDF zur Studie finden Sie hier (Englisch): Pontius Pilate in Jerusalem: The Monumental Street from the Siloam Pool to the Temple Mount



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