In Österreich liegt die Impfquote bei rund 70 Prozent.
Impfung.Foto: Expa/Jfk/APA/dpa

„Die einrichtungsbezogene Impfpflicht ist überflüssig“

Von 16. April 2022 Aktualisiert: 16. April 2022 14:10
Trotz der im Bundestag gescheiterten allgemeinen Impfpflicht hält die Ampel-Koalition an der Impfpflicht in Gesundheits- und Pflegeberufen fest. Der renommierte Virologe und Epidemiologe Alexander Kekulé spricht sich dagegen aus.

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Die Infektionszahlen sinken, es gibt nur noch wenige Maßnahmen. Für viele Bundesbürger fühlt sich das Leben inzwischen wieder „normaler“ an. „Bei den Fallzahlen werden wir im Laufe dieser Woche ein Drittel unter dem Höchstwert liegen“, sagte der Virologe Alexander Kekulé in „Kekulés Corona-Kompass“. Bis März dieses Jahres hat dieses Format, dessen erste Folge der MDR vor zwei Jahren veröffentlichte, auf verschiedenen Plattformen insgesamt 74,36 Millionen Abrufe erzielt.

Der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle an der Saale sieht zuversichtlich in die Zukunft: Wenn höchstwahrscheinlich deutlich über 50 Prozent der Bevölkerung zuzüglich zu den Geimpften infiziert seien, könne es bei den Fallzahlen nur nach unten gehen – solange keine neue Variante auftrete.

Mit Blick auf die gescheiterte allgemeine Impfpflicht zeigt sich Kekulé überrascht. Erwartet hatte er nämlich eine Einigung in der Mitte, bei der jeder sein Gesicht wahren kann. „Ich bin froh, dass es das richtige Ergebnis geworden ist“, meint der Experte, „ich hätte mich sehr geärgert, wenn aus rein politischen Gründen irgendeine Art von Impfpflicht empfohlen wird, ohne dass es eine sachliche Begründung dafür gibt.“

„Das ist mir als Begründung zu schwach“

Gleichwohl bleibt die Diskussion nach Ansicht des Inhabers des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Virologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg weiterhin offen: „Die allgemeine Impfpflicht kann jederzeit aus irgendwelchen irrationalen Gründen doch noch kommen.“

Für ein Festhalten an der Impfpflicht für Pflegekräfte und Mitarbeiter medizinischer Einrichtungen hat der Wissenschaftler, der angesichts der Delta-Variante noch für die einrichtungsbezogene Impfpflicht plädierte, wenig Verständnis. „Die Lage hat sich völlig geändert. Die Situation ist nicht mehr so, dass in den Altenheimen wirklich sozusagen der Sensenmann rumgeht und massenweise Menschen wegen COVID sterben.“

Weil man auch wisse, dass die Impfung bezüglich der Verbreitung von Omikron fast gar nichts bringe, habe man auch keine epidemiologische Begründung mehr dafür. „Wenn die sachliche Begründung weggefallen ist, zu sagen, es könnte im Herbst eine Monstermutante kommen und für den Fall wollen wir alle impfen – das ist mir als Begründung zu schwach – und zwar ganz egal, ob Sie eine allgemeine oder eine einrichtungsbezogene Impfpflicht nehmen“, bringt es Kekulé auf den Punkt. Dies sei eigentlich ein klarer Schnitt gewesen, zu sagen: Wir stellen erst einmal alles zurück.

„Die verfügbaren Impfstoffe sind ungeeignet“

„Die einrichtungsbezogene Impfpflicht ist überflüssig“ resümiert Kekulé, „rein epidemiologisch betrachtet, wäre es vernünftig, sie abzuschaffen.“ Der 63-Jährige knüpft damit an seine bereits im Februar geäußerte Kritik an. „Der Schutz vor Infektion ist zu gering, als dass er Impfpflicht rechtfertigen würde“, schrieb er in einem Gastbeitrag für den „Focus“.

Die verfügbaren Impfstoffe seien ungeeignet. „Sie wurden gegen den ursprünglichen Wuhan-Wildtyp des Pandemievirus Sars-CoV-2 entwickelt und konnten bereits bei der Delta-Variante leichte oder symptomlose Infektionen kaum verhindern.“ Bei Omikron schützten sie den Geimpften, soweit dies aus den bislang vorliegenden Daten erkennbar sei, noch gut gegen schwere und insbesondere gegen tödliche COVID-Erkrankungen. „Der Schutz vor einer Infektion und Weitergabe des Virus ist jedoch viel zu gering, als dass sich damit die einrichtungsbezogene Impfpflicht begründen ließe.“



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