Brand in Erdgas-Terminal im russischen Ostseehafen – Ursache war „externer Faktor“

In einem Erdgas-Terminal von Novatek brennt es. Ust-Luga beherbergt das größte Terminal in Europa, das Ölprodukte von der Schiene in Tankschiffen umschlägt. Die Suche nach den Ursachen führt möglicherweise in die Ukraine. Wie ist die derzeitige Lage im Ukraine-Krieg?
Titelbild
Ukrainische Soldaten sichten Teile einer zerstörten Angriffsdrohne in der Nähe von Kiew am 3. Januar 2024.Foto: ANATOLII STEPANOV/AFP über Getty Images
Epoch Times21. Januar 2024

In einem Erdgas-Terminal im russischen Ostseehafen Ust-Luga ist ein Feuer ausgebrochen. Der nächtliche Großbrand sei durch einen „externen Faktor“ verursacht worden, teilte die russische Betreiberfirma Nowatek am Sonntag mit, ohne weitere Angaben zu machen. Nowatek ist Russlands größter privater Erdgasproduzent.

Es habe keine Opfer gegeben, zudem bestehe keine Gefahr für die Gesundheit. Nach Angaben des Gouverneurs wurde für das Gebiet um den Hafen Alarm ausgelöst. Laut dem Betreiber Nowatek konnte die Feuerwehr den Brand inzwischen eingrenzen.

Bei dem Brand in dem Terminal habe es keine Verletzten gegeben, erklärte der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, am Sonntagmorgen im Onlinedienst Telegram. „Die Mitarbeiter wurden evakuiert.“ Dem örtlichen Funktionär Juri Sapalatskij zufolge brach der Brand gegen 02:45 Uhr nachts aus. Die Nachrichtenagentur Ria-Nowosti meldete, dass ein Tank „mit 100 Kubikmetern“ in Flammen stehe.

Die Suche nach den Ursachen

Der Nachrichtenagentur Tass und anderen staatlichen Medien zufolge waren die Ursachen für den Brand nicht bekannt. Das russische Verteidigungsministerium berichtete zwar am Sonntag von mehreren nächtlichen ukrainischen Angriffen, die vereitelt worden seien. Die Region Leningrad erwähnte es aber zunächst nicht.

In derselben Region hatte die Ukraine nach eigenen Angaben am Donnerstag ein Öldepot mit Drohnen angegriffen. Ein weiterer ukrainischer Drohnenangriff auf ein Öldepot in der Grenzregion Brjansk löste einen Tag später einen Großbrand aus.

In den sozialen Medien wie X (Twitter) heißt es, Ursache sei möglicherweise der Angriff ukrainischer Drohnen im Bezirk Kingiseppsky. Der in der Ukraine geborene X-User Igor Sushko schrieb einen Tweet mit diesem Inhalt:

Der Begriff „Kingiseppsky“ bezieht sich auf den Bezirk Kingiseppsky im Leningrader Gebiet Russlands, zu dem der Ostseehafen Ust-Luga gehört. Ust-Luga liegt bei der Mündung des Flusses Luga in die Lugabucht der Ostsee und gehört zum Rajon Kingissepp der Oblast Leningrad. Der Bezirk ist ein bedeutendes Industriezentrum ist, das verschiedene Wirtschaftszweige wie Petrochemie, Logistik und Energie umfasst.

Ust-Luga beherbergt das größte Terminal in Europa, das Ölprodukte von der Schiene in Tankschiffen umschlägt. Zudem betreibt Novatek eine Raffinerie in Ust-Luga, die verschiedene Ölprodukte wie Flugkraftstoff, leichten und schweren Naphtha, Heizöl und Diesel herstellt.

Im Seehafen von Ust-Luga wird vor allem Rohöl umgeschlagen, weitere Seeterminals für den Umschlag von Mineraldüngern, Kohle, Getreide und Stückgut sind geplant. Russland plant, die Produktionskapazität für LNG durch Bauprojekte wie Ust-Luga und Arctic LNG 2 zu erhöhen.

In Ust-Luga beginnt auch die nie in den Betrieb genommene Unterwasser-Gaspipeline Nord Stream 2 nach Deutschland, die im September 2022 bei einem Sabotageakt beschädigt worden war. Ust-Luga liegt 110 Kilometer westlich von St. Petersburg und nahe der Grenze zu Estland.

„Spezialoperation“ des ukrainischen Geheimdienstes

Die Nachrichtenagentur „Interfax-Ukraine“, so zitiert Reuters, spricht unter Berufung auf ungenannte Quellen, das Feuer sei das Ergebnis einer Sonderoperation, die von den ukrainischen Sicherheitsdiensten durchgeführt wurde. Diese sollen gesagt haben: „Das Ust-Luga-Ölterminal in der Region Leningrad ist eine wichtige Einrichtung für den Feind. Dort wird der Brennstoff verfeinert, der unter anderem auch an russische Truppen geliefert wird.“

Und: „Ein erfolgreicher Angriff auf ein solches Terminal verursacht nicht nur dem Feind wirtschaftlichen Schaden und beraubt den Besatzern die Möglichkeit, Geld zu verdienen, um in der Ukraine Krieg zu führen, sondern erschwert auch die Kraftstofflogistik für das russische Militär erheblich.“

Das ukrainische Onlinemedium „Ukrajinska Prawda“ schreibt ähnlich. Es berichtete am Sonntagnachmittag unter Berufung auf Quellen in der Führung in Kiew, dass der Zwischenfall Ergebnis einer „Spezialoperation“ des ukrainischen Geheimdienstes sei.

Das Terminal sei mit Drohnen angegriffen und in Brand gesetzt worden. Eine Bestätigung oder Erklärung von russischer Seite dazu gibt es bisher nicht. Die ukrainischen Drohnen- und Raketenangriffe auf russisches Gebiet haben im Vorfeld der Präsidentschaftswahl in Russland im März deutlich zugenommen.

Selenskyj erwartet neue Hilfen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet nach eigenen Angaben neue bilaterale Sicherheitsabkommen mit verbündeten Staaten sowie weitere Waffenlieferungen.

„Es wird neue Verteidigungspakete geben“, sagte Selenskyj am Samstag in seiner in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft. Zudem solle es noch im Januar und im Februar weitere Abkommen über Sicherheitsgarantien für die Ukraine geben. Details nannte er nicht. Zuletzt hatte die Ukraine laut Selenskyj mit Großbritannien als erstem Staat ein solches Abkommen geschlossen.

„Diese Architektur der Sicherheitsgarantien ist eine neue Architektur“, sagte der Staatschef. Damit werde faktisch das internationale Recht wiederhergestellt. Er sei den Freunden der Ukraine dankbar, die verstünden, dass Entscheidungen auf dem Schlachtfeld jetzt getroffen werden müssen und nicht aufzuschieben seien, weil das ansonsten Leben koste.

Die von Selenskyj angestrebten bilateralen Sicherheitsabkommen sollen die Zeit bis zu der von Kiew geforderten Mitgliedschaft der Ukraine in der Nato überbrücken. Es gibt innerhalb des Militärbündnisses kein Einvernehmen zur Aufnahme der Ukraine.

Slowakei will keinen Nato-Beitritt der Ukraine

Die Slowakei lehnt einen Nato-Beitritt der Ukraine ab und will notfalls ein Veto dagegen einlegen. Das sagte Ministerpräsident Robert Fico im öffentlich-rechtlichen Radio RTVS in Bratislava.

Er werde am Mittwochmorgen in die Ukraine reisen und im Grenzort Uschhorod seinen Kollegen Denys Schmyhal treffen, kündigte der linksnationale Regierungschef an. Dabei wolle er Schmyhal ein neues humanitäres Hilfspaket vorlegen, zugleich aber auch unverblümt jene slowakischen Positionen erklären, die sich von den ukrainischen Wünschen unterscheiden.

„Ich sage ihm, dass wir einen ukrainischen Nato-Beitritt blockieren und ein Veto dagegen einlegen werden, denn er wäre nichts anderes als die Grundlage für einen Dritten Weltkrieg“, sagte Fico. Einen EU-Beitritt der Ukraine befürworte die Slowakei hingegen, wenn das Land die gleichen Bedingungen wie andere Beitrittskandidaten erfülle.

Neuerlich betonte der von seinen Gegnern als „prorussisch“ kritisierte Regierungschef, dass die Slowakei dem von Russland angegriffenen Nachbarland keine Waffen mehr aus Armeebeständen liefern werde. Allerdings seien weiterhin Waffenverkäufe slowakischer Rüstungsfirmen zugelassen.

Nordkorea: Putin bereit für baldigen Besuch

Im Ausland wird die derzeitige Annäherung zwischen Moskau und Pjöngjang mit großem Misstrauen gesehen. Im Krieg gegen die Ukraine hat Russland nicht nur Artilleriemunition, sondern zuletzt angeblich auch ballistische Raketen aus Nordkorea eingesetzt. Befürchtet wird, dass Russland dem diktatorisch regierten Land in Fernost technisch bei dessen Waffenprogrammen helfen könnte.

Der russische Präsident Putin erklärte nordkoreanischen Angaben zufolge seine Bereitschaft, das kommunistische Land bald zu besuchen. Putin habe sich für die Einladung für einen Besuch Pjöngjangs bedankt und seine Bereitschaft bekundet, Nordkorea zu einem baldigen Zeitpunkt zu besuchen, berichtete Nordkoreas staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Sonntag. Man sei bereit, „den engsten Freund des koreanischen Volkes mit größter Aufrichtigkeit zu begrüßen“.

Großbritannien: Russland kommt am Dnipro nicht weiter

Die russischen Streitkräfte kommen derweil nach britischer Einschätzung weiterhin nicht bei ihren Angriffen auf eine ukrainische Stellung am Fluss Dnipro voran. Sie seien mit allen Versuchen gescheitert, die Ukrainer dort zu vertreiben, teilte das britische Verteidigungsministerium in London mit. Dabei seien die Russen dort höchstwahrscheinlich im Kräftevergleich überlegen.

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass die schlechte Ausbildung und Koordination der russischen Streitkräfte in diesem Gebiet ihre Offensivfähigkeiten einschränkt“, schrieben die Briten bei X (früher Twitter). Es sei ein wichtiges Ziel der Russen, die Ukraine am Südufer des Flusses zum Rückzug zu zwingen.

Die Briten gehen davon aus, dass Russland seine Angriffe rund um den Ort Krynky im Süden der Ukraine deswegen in den kommenden Wochen „trotz zunehmender personeller Verluste“ fortsetzen wird. Die Ukrainer halten am Fluss einen Brückenkopf. Sie hätten die Angriffe bisher abgewehrt, aber Probleme mit Nachschublieferungen, teilte das Ministerium in London mit.

Özdemir: Ukraine berichtet von stabilisierten Agrarexporten

Die Ausfuhren landwirtschaftlicher Produkte aus der Ukraine haben sich nach Angaben von Bundesagrarminister Cem Özdemir weiter stabilisiert. Der Grünen-Politiker sagte am Samstag nach einer Agrarministerkonferenz in Berlin, der ukrainische Ressortchef Mykola Solskyi habe dort berichtet, „dass die Agrarexporte mittlerweile wieder da sind, wo sie vor dem Krieg waren“. Dies sei angesichts des anhaltenden russischen Krieges „ein immenser Erfolg“.

Dazu beigetragen hätten europäische Bemühungen, Transporte auch über das Schwarze Meer zu ermöglichen. Dies stehe unter dem Vorbehalt der Kriegsentwicklung. Özdemir wies zudem darauf hin, dass Felder in der Ukraine vermint und Beschäftigte aus der Landwirtschaft in der Armee eingesetzt seien.

Im Zusammenhang mit Kritik in einigen EU-Staaten an Getreideeinfuhren aus der Ukraine auf den europäischen Markt warb Özdemir für eine faktenbasierte Diskussion.

Die EU-Kommission sei aufgefordert worden, fundierte Zahlen vorzulegen. Er habe sich zudem dafür eingesetzt, Gespräche dazu gemeinsam und nicht mehr übereinander zu führen. Die Überschrift laute: „Wir wollen alles vermeiden, was Wladimir Putin nutzt“, sagte Özdemir mit Blick auf den russischen Präsidenten.

(afp/dpa/red)



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