„Antiamerikanisches Gift verspritzen“: Argwohn gegenüber Merkel und deutschen Medien in den USA

Von 7. Juni 2019 Aktualisiert: 7. Juni 2019 19:05
Vergleicht man die Berichterstattung deutscher Medien über Donald Trumps jüngsten Besuch in Großbritannien mit jener namhafter britischer Publikationen, kommt der Eindruck auf, die Berichte beträfen unterschiedliche Ereignisse. Unterdessen übt ein Trump-kritisches US-Portal deutliche Kritik an Angela Merkel.

Als eines der Geheimnisse hinter dem großen und über mehrere Jahre hinweg anhaltenden Erfolg des im Dezember des Vorjahres aufgeflogenen Nachrichtenfälschers Claas Relotius galt, dass er mit dem, was er schrieb, und dem, wie er es schrieb, genau den Nerv seiner Kollegen und seiner Leserschaft traf.

Insbesondere sein wertender, moralisierender und von einem Gestus vermeintlicher Überlegenheit erfüllter Unterton, wenn es um Texte mit Blick auf die USA ging, stand nicht nur in bester Tradition dessen, was der „Spiegel“ und seine Korrespondenten spätestens seit dem Cover über die „Bush-Krieger“ im Jahr 2002 zur Regel machten – er war geradezu kennzeichnend für den medialen Mainstream in Deutschland insgesamt.

Relotius ist Geschichte, seine „Haltung“ lebt weiter – und die Berichterstattung deutscher Mainstreammedien zum jüngsten Europabesuch des US-Präsidenten Donald Trump gibt einmal mehr beredtes Zeugnis davon.

Im Wesentlichen stand die Reise des US-Präsidenten im Zeichen seines Staatsbesuchs in Großbritannien, der mit einer Audienz bei Königin Elisabeth II. verbunden war, und seiner Teilnahme an den Feierlichkeiten zum Jahrestag der Landung alliierter Truppen in der Normandie am 6. Juni des Jahres 1944 („D-Day“), die einen entscheidenden Beitrag zum späteren militärischen Sieg über Hitlerdeutschland leistete.

Nicht-Themen im Vordergrund

Entsprechend wäre es durchaus eine Option gewesen, den „warmherzigen Empfang“ zu würdigen, den der US-Präsident BBC zufolge vonseiten der Queen genossen, oder das Bekenntnis des US-Präsidenten zur „ewigen Freundschaft“ zwischen den Vereinigten Staaten und ihren engsten Verbündeten.

Möglicherweise wäre es auch interessant gewesen, durchaus kontroverse Themen zu beleuchten, die in den Gesprächen zwischen Trump und Noch-Premierministerin Theresa May angeklungen waren. Eines davon war der 5G-Ausbau und die Rolle, die der chinesische Großkonzern Huawei dabei in Großbritannien spielen soll. Diese Frage hatte jüngst zu Kontroversen zwischen beiden Partnern geführt.

Stattdessen standen unter anderem folgende Aspekte im Mittelpunkt der deutschen Medienberichterstattung: „Sticheleien“ der Queen gegen Trump, die „Bild“ erkannt haben wollte (und der „Stern“ wollte gar die Tiara der Königin als solche erkannt haben), die Kosten des „Luxus-Looks“ der Präsidentengattin Melania Trump („Gala“), die Frage, ob Trump die Queen in unzulässiger Weise berührt hätte (RTL), die Phantomschmerzen des Thronfolgers Prinz Charles über die „Klimapolitik“ der USA, jene des Londoner Bürgermeisters über restriktive Abtreibungsgesetze in einzelnen US-Bundesstaaten – und natürlich die Proteste gegen den Besuch des Präsidenten.

Die unter anderem vom „Focus“ angekündigten „Massenproteste“ in London blieben mit ihren Teilnehmerzahlen übrigens deutlich hinter den Erwartungen zurück. Statt 250 000, wie von den Veranstaltern in Aussicht gestellt, oder 75 000, von denen sie später sprachen, sollen nur maximal 10 000 unterwegs gewesen sein, wenn man nach den Angaben britischer Journalisten und Kommentatoren geht. Dabei soll die linksextreme Szene weitgehend unter sich geblieben sein.

Am Rande der D-Day-Feierlichkeiten sollen es der BBC zufolge gar nur 170 Personen gewesen sein, die sich am Guildhall Square in Portsmouth zum Protest eingefunden hätten.

„Jede Nation hat Recht auf ihre Souveränität“

Dort soll es, so der „Spiegel“, eine „Geschichtsstunde für Donald Trump“ gegeben haben – als wären es die NATO, die UNO und die EU gewesen, die damals die Küsten gestürmt hätten. Tatsächlich war es der US-Präsident selbst, der eine gegeben hat. Trump hat in seiner zumindest außerhalb Deutschlands viel beachteten Rede nicht nur den Veteranen gedankt, die ihr Leben auf dem „Altar der Freiheit“ dargeboten hätten, und die Verbündeten sowie explizit das polnische Volk für dessen Courage gelobt.

Er hat zudem deutlich gemacht, dass die USA und ihre Verbündete damals in den Krieg gezogen seien, um die Souveränität der Nationen zu verteidigen und wiederherzustellen – gegen jene, die anderen Nationen ihre Souveränität genommen hätten.

In seiner Rede betonte der US-Präsident:

Die Welt besteht aus Nationen, die am Ende des Tages nur sich selbst und ihren Bürgern gegenüber Rechenschaft schuldig sind. Die Stärke einer Nation zeigt sich zwar auch in wirtschaftlicher und militärischer Macht, aber am Ende hängt sie von ihrem patriotischen Empfinden, ihrem Gemeinsinn und ihrem religiösen Glauben ab.“

Jede Nation habe das Recht, ihre nationale Souveränität auszuüben. Sie werde versuchen, ihre Interessen voranzubringen, aber müsse sich ebenso darüber im Klaren sein, dass andere Nationen das Gleiche machen werden. Wenn Nationen miteinander Handelsvereinbarungen oder Bündnisse eingehen, betonte Trump offenbar auch mit Blick auf die Finanzierung der NATO, sollten sie einander nicht ausnutzen – und sie sollten sich nicht in souveräne Rechte einmischen.

Mit Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel traf sich Trump am Rande der D-Day-Feierlichkeiten ebenfalls. Das Gespräch, in dem es um Libyen und die sich verschlechternde Lage in West-Afrika gegangen sei, soll maximal zehn Minuten lang gedauert haben. Es gab kein Pressefoto, nicht einmal einen Händedruck. Medien schrieben von einem Treffen, das „kurz und frostig“ verlaufen sei.

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USA auf eine Stufe mit Russland und China gestellt

Unterdessen mehren sich die Anzeichen, dass die feindselige Rhetorik deutscher Medien und die Profilierungsbemühung deutscher Politik bis hinauf zu Merkel auf Kosten der USA nicht mehr nur als eine bloße Konsequenz der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten betrachtet wird. Vielmehr wird Merkel auch darüber hinaus als Symbolfigur eines neuen alten Antiamerikanismus gesehen, der lediglich im Westdeutschland des Kalten Krieges eine vorübergehende Pause eingelegt hätte.

Das traditionell Trump-kritische konservative Magazin „National Review“ wertet die wiederholten Beschwörungen einer einheitlichen europäischen Position im Angesicht Russlands, Chinas und der USA, wie sie von Merkel selbst und auch weiteren Regierungsmitgliedern gekommen sei, als Ausdruck einer Politik der Distanzierung. Dies umso mehr, als Merkel wiederholt betonte, Deutschland müsse parallel zu seiner ökonomischen Stärke auch „politische Macht“ entwickeln, um einen „neuen, unabhängigen europäischen Weg“ einzuschlagen.

Nicht nur, dass Merkel die USA offenbar nicht mehr als Verbündeten ansehe – sie stelle die Vereinigten Staaten gar auf eine Stufe mit autokratischen oder totalitären Regimen des Ostens:

„Mit anderen Worten, im Kalkül der angeblich nüchternen und staatsmännischen Merkel steht die Demokratie, die Europa zweimal vor einem aggressiven Deutschland und Deutschland selbst einmal vor sich selbst und ein weiteres Mal vor einem Schicksal als Vasall der Sowjets gerettet hat, auf einer Stufe mit den beiden größten autoritären Diktaturen der Welt – Nationen, die vor nicht allzu langer Zeit 30 bzw. 70 Millionen ihrer eigenen Bürger ermordet hatten. Eine eigenartige Einschätzung für jemanden, der im kommunistischen Ostdeutschland aufgewachsen war, einem Albtraumstaat, dessen Zusammenbruch hauptsächlich auf die Bemühungen der Reagan-Ära zurückzuführen war, das Sowjetreich in den Bankrott und zum Rückzug zu zwingen.“

„Merkel trifft antiamerikanischen Nerv“

Victor Davis Hanson kritisiert in seinem Essay auch den Besuch der Kanzlerin in Harvard, wo sie sich in einer Echokammer linksradikaler Akademiker deren Applaus durch kaum verhohlene Angriffe auf Präsident Trump gesichert hatte.

Dieser würde seinerseits nie so weit gehen, sich beispielsweise durch einen Auftritt vor der AfD, gespickt mit offenkundigen Referenzen auf die Energiepolitik, die Einwanderungspolitik oder die Trittbrettfahrerei in der NATO auf Merkels Kosten zu profilieren. Wäre dem so, würden Deutschlands Medien Zeter und Mordio schreien.

Man müsse zu Merkels Verteidigung ins Treffen führen, dass sie mit ihrer Politik den Nerv der am stärksten antiamerikanisch gesinnten Bevölkerung in der gesamten EU treffe. Nur 35 Prozent der Deutschen hätten demnach ein positives Bild von den USA. Es sei jedoch offen, ob Merkel diese Ressentiments nicht bereits vor Beginn der Präsidentschaft Trump gehegt habe – aber erst jetzt die Bereitschaft gezeigt hätte, so offen gegenüber den Medien und auf amerikanischem Boden „ihr Gift zu verspritzen“.

Hanson warf Deutschland vor, unter dem Banner humanitärer Floskeln eine eindeutige Machtpolitik innerhalb Europas zu verfolgen – es aber seinerseits den USA nicht zuzubilligen, sich aus nachteiligen Verträgen wie dem Iran-Deal oder dem Klima-Abkommen zurückzuziehen, geschweige denn sich der deutschen Zollpolitik, Einwanderungspolitik oder NATO-Beitragspolitik zu verweigern.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.