Brasilien: Bolsonaro kürzt Budgetmittel für Klimapolitik um 95 Prozent

Von 8. Mai 2019 Aktualisiert: 8. Mai 2019 18:39
Der ursprüngliche für „Maßnahmen gegen den Klimawandel“ vorgesehene Haushaltsposten im brasilianischen Bundesetat ist durch die Regierung Bolsonaro um 95 Prozent gekürzt worden. Das Umweltministerium muss insgesamt künftig mit etwa 25 Prozent weniger Geld auskommen. NGOs befürchten auch weniger Schutz für den Regenwald.

Brasiliens Regierung unter Präsident Jair Bolsonaro hat die Haushaltsmittel für „Maßnahmen gegen den Klimawandel“, die im ursprünglichen Entwurf mit umgerechnet 2,7 Millionen Euro veranschlagt waren, um weitere 95 Prozent gekürzt. Dies berichtet die „Zeit“ unter Berufung auf örtliche Zeitungen und den Haushalt des brasilianischen Umweltministeriums.

Der Etat des Umweltministeriums wurde insgesamt um etwa ein Viertel gekürzt. Bundesprogramme zur Müllvermeidung erhalten um etwa 80 Prozent weniger Mittel, auch Maßnahmen gegen Waldbrände werden künftig vermehrt auf Finanzierung durch Provinzen oder Kommunen zurückgreifen müssen – oder auf privates Fundraising.

Bolsonaro hatte seinen Präsidentschaftswahlkampf im Vorjahr unter anderem mit dem Versprechen bestritten, ökologisch begründete Auflagen für die Wirtschaft des Landes auf den Prüfstand zu stellen. Auch schloss er nicht aus, sich nach Vorbild der USA aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 zurückzuziehen. Sein Außenminister Ernesto Araújo bezeichnete den Narrativ von der „menschengemachten Erderhitzung“ mehrfach als „marxistisches Machtinstrument“ – Bolsonaro teilt seine Skepsis.

Regenwald: Reale Bedrohung oder geschürte Angst?

Nichtregierungsorganisationen und westliche Medien befürchten nun zudem eine Zunahme der Rodung von Regenwaldgebieten im Amazonas. In den ersten drei Monaten des Jahres seien dort 110 Quadratkilometer Wald abgeholzt worden, was ein Plus von 82 Prozent gegenüber dem Vorjahr darstelle, erklärt die Organisation Imazon.

Betroffen durch die Waldwirtschaft seien vor allem indigene Gemeinschaften, heißt es aus den Reihen der NGOs. Kritiker werfen ihnen und westlichen Medien, die weitgehend unhinterfragt ihre Positionen übernehmen, hingegen eine verkürzte Darstellung der Situation im Regenwald vor. So würden diese das Leben indigener Gemeinschaften durch eine romantisierende Brille westlicher Oberschichtangehöriger betrachten und die Auswirkungen auf die Holzwirtschaft dramatisieren. Bereits in den 1990er Jahren warfen Autoren wie Robert Whelan oder Paul Haffner internationalen Regenwald-Lobbyisten vor, irrationale Vorstellungen zu kultivieren, die mit dem tatsächlichen Leben der dortigen Bewohner wenig zu tun hätten.

Auch Angehörige indigener Stämme haben vielfach Interesse an einer Entwicklung ihrer Lebensräume – nicht zuletzt an der Möglichkeit, selbst Ackerbau und Viehzucht auf dafür geeigneten Landflächen zu betreiben. Bolsonaro hatte in seinem Wahlkampf angekündigt, die Interessen der Land- und Forstwirte mit erforderlichen Schutzmaßnahmen abzuwägen.

Die Holzwirtschaft selbst, die ökonomisch profitabel ist, trägt zu weniger als drei Prozent zur Abholzung von Waldbeständen im Amazonasgebiet bei, während die Gewinnung von Ackerflächen für den Export von Rindfleisch 80 Prozent dazu beisteuert. Brasiliens Regierungen haben bereits in den Jahrzehnten zuvor in unterschiedlich großem Umfang Rodungsgenehmigungen im Amazonas erteilt, gleichzeitig aber auch Neupflanzungen auf Flächen im Umfang von etwa 2000 Quadratkilometern veranlasst.

Etwa 60 Prozent der holzwirtschaftlichen Nutzung erfolgen auf diesen Flächen. Der Ökonom und Forstwirt Roger Sedjo vom Property and Environment Research Center betonte bereits vor 20 Jahren, der derzeitige weltweite Bedarf an Holz für die industrielle Nutzung könnte auf einer Fläche von zwei Millionen Quadratkilometern gedeckt werden – was in etwa der Größe Grönlands entspreche und fünf Prozent des derzeitigen weltweiten Waldbestandes. Urwälder hätten demnach immer weniger Bedeutung bei der Gewinnung von Holz für die Industrie.

Der Amazonas-Regenwald, der sich neben Brasilien auch über Nachbarländer wie Peru, Kolumbien sowie kleinere Teile von Venezuela, Ecuador, Bolivien, Guyana, Surinam und Französisch-Guyana erstreckt, weist eine Gesamtfläche von 5,5 Millionen Quadratkilometern auf. Im gesamten Amazonasgebiet bewegt sich das jährliche Ausmaß der Entwaldung in der Größenordnung von etwa 20 000 Quadratkilometern, was etwa 0,3 Prozent der Gesamtfläche beträgt. In Brasilien ist die entwaldete Fläche seit Anfang der 2000er Jahre stark rückläufig. Die Maßnahmen zur Wiederaufforstung sind dabei noch nicht eingerechnet.

Sedjo hält eine geordnete Bewirtschaftung von Waldflächen auch im Amazonas für einen sinnvollen Entwicklungsschritt. Jedes entwickelte Industrieland habe eine Phase erlebt, in der Waldgebiete in produktives Farmland umgewandelt wurden. Auch Europa und Nordamerika hätten diese Entwicklung durchlaufen. Die wirtschaftliche Entwicklung stabilisiere am Ende allerdings den Waldbestand, da dieser von klar definierten Eigentumsverhältnissen, der Möglichkeit ihrer Durchsetzung, dem Fehlen von Anreizen zu wilder Rodung und von hoher Produktivität von Ackerflächen profitiere.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.
Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN