US-Finanzmagazin: „Deutschlands Wohlstand steht auf der Kippe“

Von 12. April 2019 Aktualisiert: 12. April 2019 17:00
Im Bloomberg-Magazin „Business Week“ äußert Analyst Alan Crawford Sorgen über den Zustand der deutschen Automobilindustrie und der Bankenlandschaft. Nur eine Wiederbesinnung auf den Geist des Wirtschaftswunders, das vor 70 Jahren seinen Anfang genommen habe, könne Genesung bringen.

Erst vor wenigen Wochen hatte Bloomberg-Wirtschaftsredakteurin Birgit Jennen in einer Analyse für die Nachrichtenplattform eine düstere Prognose im Bezug auf die Zukunft der deutschen Wirtschaft abgegeben. Die Regierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel, die angekündigt hatte, 2021 nicht mehr für eine weitere Amtszeit zu kandidieren, würde der Bevölkerung diesbezüglich auch nicht reinen Wein einschenken, meinte die Analystin.

Jennen sah es vor allem als Alarmsignal an, dass die Bundesregierung trotz der hohen Risiken und zu befürchtenden Jobverluste eine Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank anstrebe. Dies deute darauf hin, dass die Regierung die Gefahr einer Rezession sehe, die unter anderem eine weitere Bankenrettung erforderlich machen könnte.

Merkel als Lenkerin mit ruhiger Hand

Nun hat Alan Crawford auf der Bloomberg-Plattform „Business Week“ nachgelegt und kommt zu keinen wesentlich günstigeren Schlussfolgerungen. Er sieht Deutschlands Nachkriegswohlstand auf der Kippe – und niemand, auch nicht die einstigen Aushängeschilder des Bankwesens und der Autoindustrie, sei adäquat darauf vorbereitet.

Das Jahr 2019, immerhin Jubiläumsjahr des Versailler Vertrages (1919), des D-Days (1944) und des Mauerfalls (1989) könnte Deutschland vor eine weitere schicksalhafte Entscheidung stellen. Die größte europäische Wirtschaft müsste sich endlich ihren Mängeln stellen. Das heutige Deutschland erinnert an die letzten Tage einer Ära, es liegt ein Hauch von Veränderung in der Luft, auf den niemand vorbereitet sei. Obwohl das Land wohlhabend und stabil bleibe, erscheine es, als wären die Deutschen gleichgültig gegenüber den Bedrohungen für ihren Wohlstand.

Ein ausgeprägt kritischer Unterton gegenüber Kanzlerin Angela Merkel ist in dem Artikel nicht zu erkennen. Vielmehr wird die Kanzlerin als staatsmännische Persönlichkeit beschrieben, die das Land durch alle erdenklichen Krisen gelenkt habe – von der Finanzkrise 2008 über die Griechenlandkrise, die Flüchtlingskrise und jene des Euros. Dabei habe sie es vermocht, Austeritätspolitik mit Führung zu vereinen, die es ermöglichte, dass der deutsche Wirtschaftsmotor Europa stabil gehalten habe. Hingegen habe ihre handverlesene Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer bislang nur einen Merkel-kritischen Gegenkandidaten abwehren können, sei aber sonst ein unbeschriebenes Blatt.

Mehr als 20 Länder folgen dem Beispiel Trumps

Dennoch drohe die deutsche Autoindustrie, die 800 000 Menschen beschäftige und einen Exportwert von insgesamt 240 Milliarden Euro generiere, ihre dominante Stellung einzubüßen. Während Carl Benz in Deutschland 1886 weltweit das erste moderne Automobil entwickelt habe, bleibe die Autobranche hinter den selbstgesetzten Zielen beim Wandel hin zum E-Auto zurück. Dies wecke Zweifel, ob Deutschland auch seine Dominanz im globalen Luxussegment länger gegen die Konkurrenz aus der Volksrepublik China und aus anderen Ländern behaupten könne.

Auch der Bankensektor leide. Wie bereits seine Kollegin Jennen spricht auch Analyst Crawford die geplante Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank an, die zwar von der Politik gewollt sei, aber keiner der Beteiligten nützen würde. Ohne eine schlagkräftige, solide Bankenstruktur sei die Kreditversorgung für die Wirtschaft in Gefahr.

Die Situation werde dadurch verschärft, dass sich ein neuer globaler Handelskrieg anbahne. Mittlerweile würden sich weltweit mindestens 20 weitere Länder, etwa Brasilien oder Italien, dem nationalistischen und nach innen gewandten Politikansatz von Donald Trump anschließen. Deutschland wäre zunehmend isoliert, während auch hier der Populismus in leisen Schritten an Einfluss gewinne.

„Geist des Wirtschaftswunders wiederfinden“

Noch sei die Wirtschaft intakt, der DAX steige, Investoren blieben guter Dinge und der Mittelstand bleibe dynamisch und nutze die Nischen, die sich ihm bieten. Deutschland bleibe an dritter Stelle unter den meistautomatisierten Ländern der Welt.

Auch das deutsche Grundgesetz werde in diesem Jahr 70 Jahre alt, dessen Verkündung vier Monate später die Wahl Konrad Adenauers und das Wirtschaftswunder folgten. Um ebenfalls eine solche Wende zu schaffen, müsse Deutschland zu diesem Geist zurückfinden. Wie dies bewerkstelligt werden könne und wie realistisch dies sei in einer Zeit, in der die „Welt“-Wirtschaftsredaktion den amtierenden Bundeswirtschaftsminister als Antithese zum damaligen Amtsvorgänger Ludwig Erhard einordnet, lässt der Bloomberg-Analyst jedoch offen.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.
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